Sie kennen das Gefühl, ganz schnell zur Toilette zu müssen und dann kommen wieder nur – wenn überhaupt – wenige Tropfen? Dann leiden Sie sehr wahrscheinlich an der sogenannten Reizblase, die in Fachkreisen auch „Syndrom der überaktiven Blase“ genannt wird Diese tritt meist ohne Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen auf – solche Symptome charakterisieren eher eine Blasenentzündung oder eine Harnwegsinfektion.
Die Zahl der von einer Überaktiven Blase Betroffenen geht in die Millionen. Viele müssen pro Tage und Nacht bis zu 20-mal zur Toilette. Dabei unterscheidet man zwischen einer trockenen und einer nassen überaktiven Blase, je nachdem, ob damit auch eine Dranginkontinenz verbunden ist. Von einer „trockenen“ Überaktiven Blase spricht man, wenn der Betroffene die Toilette gerade noch erreicht.
Warum es zur Überaktiven Blase kommt, ist medizinisch nicht endgültig geklärt. Vermutlich lässt sich bei den Betroffenen die Blasenmuskelaktivität nicht gut genug regulieren oder die Blase sendet Signale, die nicht mit ihrem Füllungszustand übereinstimmen. So kann sich der Blasenmuskel auch dann zusammenziehen, wenn die Blase gar nicht wirklich gefüllt ist. Es gibt nachweislich aber zumindest einige Faktoren, die das Entstehen der Überaktiven Blase begünstigen oder verstärken können:
Eine Überaktive Blase ist – ähnlich wie ein Reizdarm – eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass die Diagnose erst gestellt wird, wenn trotz ausführlicher Diagnostik keine Erkrankung als Ursache für die Symptome gefunden werden kann.
In der Regel erfragt der Arzt hierfür zunächst die Beschwerden, Trink- und Essgewohnheiten sowie mögliche Vorerkrankungen. Meist werden Sie als Patient dann aufgefordert, über einige Tage in einem so genannten Miktionstagebuch Häufigkeit der Toilettengänge, Urinmenge und das Trinkverhalten zu notieren.
Außerdem werden meist eine körperliche Untersuchung sowie ein Ultraschall der Harnblase durchgeführt. Sinnvoll ist zudem die Untersuchung von Blut und Urin, um Erkrankungen oder eine Infektionen Ihrer Harnwege auszuschließen.
In unklaren Fällen empfehlen wir von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft weiterführende medizinische Untersuchungen. Dies können z. B. ein rektaler oder vaginaler Ultraschall eine Harnflussmessung oder auch eine Harnblasendruckmessung sein. Besteht der Verdacht auf bestimmte Erkrankungen von Harnröhre und Harnblase, ist evtl. eine Blasenspiegelung erforderlich.
Es gibt zahlreiche Medikamente gegen die Überaktive Blase. Wir von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, empfehlen, neben der ärztlich geleiteten und wirksamen medikamentösen Therapie der Überaktiven Blase zunächst mit diversen Maßnahmen zu begegnen, so lange sie noch nicht stark ausgeprägt ist. Denn oft reichen bereits solche konservativen Therapieansätze, um eine deutliche Besserung zu erreichen:
Die zahlreichen Medikamente gegen die Überaktive Blase (Anticholinergika) sollen die Rezeptoren am Blasenmuskel blockieren und dessen Aktivität einschränken. Für Frauen gibt es daneben auch Östrogenpräparate, die lokal in der Scheide wirken sollen. Mit einer schnellen Verbesserung der Symptome ist allerdings nicht zu rechnen. Oftmals tritt erst nach einigen Wochen eine spürbare Verbesserung ein. Zudem kommt es vor allem bei den Anticholinergika zu Nebenwirkungen wie etwa Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung, Herzrasen oder auch Sehstörungen bzw. einem erhöhten Augeninnendruck.Können Anticholinergika nicht eingesetzt werden, kann ein Medikament mit anderem Wirkmechanismus Abhilfe schaffen (Mirabegron).
Bei schweren Fällen der Überaktive Blase hilft nur die Operation
Sie haben alles versucht, aber Ihre Überaktive Blase bessert sich nicht? Dann könnten operative Eingriffe eine weitere Möglichkeit sein, um eine Verbesserung Ihrer Situation zu erzielen: