Ausgezeichnete Forschung für eine verbesserte Inkontinenzversorgung
Wissenschaftspreise auf dem 36. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V.
Bielefeld, 14.11.2025 – Anlässlich des vom 14. bis 15. November 2025 stattfindenden 36. Kongresses der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. wurden erneut herausragende wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Inkontinenzversorgung und Erkrankungen des Beckenbodens verliehen. Auch in diesem Jahr wurde der Nachwuchspreis der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, der Preis für den besten Abstract des Kontinenz Kongresses, der Preis für den besten Beitrag Grundlagenforschung Urologie sowie der Innovationspreis verliehen. Die Preisträger:innen freuen sich über insgesamt 7.500 Euro Preisgeld.
Einmal im Jahr findet der interdisziplinäre Jahreskongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. statt. Auf diesem Kongress treffen sich rund 1.000 Fachärzt:innen, Physiotherapeut:innen und Pflegefachpersonen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um interdisziplinär und interprofessionell die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zur Diagnose und Therapie von Inkontinenzerkrankungen und Erkrankungen des Beckenbodens zu diskutieren.
Auch in diesem Jahr kürte die Fachjury bestehend aus dem Vorstand der Deutschen Kontinenz Gesellschaft vier Preisträger:innen in verschiedenen Kategorien, die mit ihren innovativen Forschungsarbeiten neue Impulse für die moderne Inkontinenzversorgung gesetzt haben.
Der mit 2.500 Euro dotierte und erstmalig von der Kranus Health GmbH gestiftete Nachwuchspreis ging an die 34-jährige Gynäkologin Dr. med. Carolin Schröder.
Dr. med. Carolin Schröder ist an der Universitätsklinik in Bonn beschäftigt und gehört dort zum Ärzt:innenteam des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. Ihre Forschungsarbeit trägt den Titel: „Burch colposuspension for stress urinary incontinence in women – results of a retrospective clinical trial“.
Die Burch-Kolposuspension ist eine effektive und sichere Operationsmethode zur Behandlung der Belastungsinkontinenz bei Frauen. Dabei wird der Blasenhals stabilisiert, um ungewollten Urinverlust bei körperlicher Belastung zu verhindern. Laut Studie berichten 81 % der Patientinnen über eine deutliche Besserung. Die Laudatorin Prof. Dr. med. Christl Reisenauer, Leiterin Urogynäkologie am Universitätsklinikum Tübingen lobte: „Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen eindrucksvoll, dass die Burch-Kolposuspension eine verlässliche und sichere Option zur Behandlung der Belastungsinkontinenz ist – mit hoher Patientenzufriedenheit und nachhaltiger Wirkung.“
Der Preis für den besten Abstractbeitrag des 36. Kontinenz Kongresses ging an die 36jährige Lisa Stoter aus dem niederländischen Nijmegen für Ihre Studie „Sexual function in women with uterine prolapse after the modified Manchester Procedure versus sacrospinous hysteropexy: a secondary analysis of a Randomized Controlled Trial“.
Lisa Stoter, Ärztin und Doktorandin am Radboud University Medical Center in Nijmegen, forscht im Rahmen ihrer Promotion zu gebärmuttererhaltenden Beckenbodenoperationen. In der Studie wurde untersucht, wie sich die verschiedenen Operationstechniken „Modifizierte Manchester-Operation“ und die „Sakrospinale Hysteropexie“ auf die sexuelle Funktion bei Frauen auswirken. Dabei konnte gezeigt werden, dass sowohl die „Modifizierte Manchester-Operation“ als auch die „Sakrospinale Hysteropexie“ die sexuelle Funktion bei Frauen mit Gebärmuttersenkung nachhaltig verbessern.
Lisa Stoter darf sich über ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro freuen. Der Preis für den besten Abstract des Kongresses wurde auch in diesem Jahr erneut von dem Arzneimittelhersteller Dr. Pfleger gestiftet.
Laudator Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann. 1. Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft und Chefarzt der Urologischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Witten, sagte: „Diese Studie zeigt klar, wie moderne, gebärmuttererhaltende Operationsverfahren nicht nur die anatomische Situation verbessern, sondern auch die Lebensqualität und sexuelle Gesundheit der Patientinnen im Blick behalten. Lisa Stoter leistet mit ihrer Forschung einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Beckenbodenchirurgie.“
Mit 1.500 Euro dotiert ist der von Arzneimittelhersteller APOGEPHA gestiftete Preis Bester Beitrag Grundlagenforschung Urologie. In diesem Jahr zeichnete die Jury erneut Prof. Dr. med. André Reitz aus dem Kontinenz Zentrum Zürich aus.Prof. Reitz hatte schon 2024 den Preis für den besten Abstractbeitrag des 35. Kongresses gewonnen.
In diesem Jahr überzeugte Prof. Reitz erneut mit seiner Studie „Der maximale Urethralsphinkterdruck beim Mann – Veränderungen mit dem Alter und nach Prostatektomie“. Die Studie mit 425 Männern zeigt: Der äußere Harnröhrenschließmuskel (Urethralsphinkter), der wesentlich zur Kontinenz beiträgt, verliert mit zunehmendem Alter deutlich an Kraft – im Schnitt rund 10 % pro Lebensjahrzehnt. Nach radikaler oder transurethraler Prostataoperation ist der Druck zusätzlich um bis zu 39 % reduziert. Die Messung des maximalen Sphinkterdrucks (USDmax) kann helfen, die passende Therapieform – etwa eine Prothese – gezielter auszuwählen.
Laudator für den Preis war der diesjährige Kongresspräsident Dr. med. Fabian Queißert, Leiter des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums und der Neurourologie an der Universitätsklinik Münster. Dr. med. Queißert betonte: „Prof. Reitz liefert mit seiner Studie wichtige Grundlagen, um die männliche Inkontinenz nach Prostataoperationen besser zu verstehen – und gezielter zu behandeln. Seine Arbeit verbindet klinische Relevanz mit wissenschaftlicher Tiefe und ist ein sehr gutes Beispiel für patientennahe urologische Forschung.“
Der ebenfalls mit 1.500 Euro dotierte und von der Medtronic GmbH gestiftete Innovationspreis ging in diesem Jahr an Dr. rer. pol. Jannik Lockl vom Start-up Incontalert für die Studie „Evaluierung des Einflusses digitaler Endgeräte zur Überwachung des Blasenfüllstands bei Betroffenen neurogener Blasendysfunktion auf die Lebensqualität“.
Die Befragung von 337 Betroffenen zeigte: Digitale Technologien wie Sensoren zur kontinuierlichen Überwachung des Blasenfüllstands können die Lebensqualität von Menschen mit neurogener Blasendysfunktion (NBD) deutlich verbessern. Die Studie belegt, dass solche Hilfsmittel nicht nur den Alltag erleichtern, sondern auch funktionelle Einschränkungen reduzieren – etwa beim selbstständigen Toilettengang oder der Vermeidung von Komplikationen wie Harnwegsinfektionen.
Laudator war erneut Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, der hervorhob: „Diese Arbeit zeigt, wie digitale Technologien nicht nur medizinische Versorgung verbessern, sondern auch echte Lebensqualität schaffen – gerade für Menschen mit chronischen Einschränkungen wie einer neurogenen Blase. Ein bmerkenswertes Beispiel dafür, wie Innovation und Empathie zusammenwirken können.“
Mit der Verleihung der vier Forschungspreise würdigt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft herausragende wissenschaftliche Arbeiten, die dazu beitragen, die Versorgung von Patient:innen mit Inkontinenz und Beckenbodenfunktionsstörungen nachhaltig zu verbessern. Durch die Auszeichnung junger Forscher:innen setzt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft auch ein starkes Zeichen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Inkontinenzversorgung.
Pressekontakt der Deutschen Kontinenz Gesellschaft
Dr. Marion Friers
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E-Mail: presse@kontinenz-gesellschaft.de
Website: www.kontinenz-gesellschaft.de
Inkontinenz betrifft über zehn Millionen Menschen in Deutschland. Die 1987 gegründete Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ist die eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich auf Prävention, Diagnostik und Behandlung von Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Beckenbodenstörungen spezialisiert hat. Mit 2500 Fachexpert:innen aus Urologie, Gynäkologie, Chirurgie, Neurologie, Pädiatrie, Pflege, Physiotherapie und Pharmazie fördert sie die Qualitätssicherung in der Behandlung und Beratung. Die Gesellschaft anerkennt bundesweit ärztliche Beratungsstellen und zertifiziert gemeinsam mit anderen medizinischen Fachgesellschaften die Kontinenz- und Beckenbodenzentren sowie Zentren für Interstitielle Zystitis (IC-Zentren). Aktuell gibt es über 1000 ärztliche Beratungsstellen, 43 Kontinenz- und Beckenbodenzentren und 11 IC-Zentren. Regelmäßige Kongresse und Bildungsangebote unterstützen den Wissenstransfer in die Praxis.
Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF).