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Pressemitteilung

Wenn die Seele die Blase beeinflusst: Sexualisierte Traumatisierung als Ursache funktioneller Blasenbeschwerden

Bielefeld, 14. November 2025 Traumatische Erfahrungen können das Zusammenspiel von Nervensystem, Beckenboden und Blasenmuskulatur nachhaltig stören. Sexualisierte Traumatisierung kann tiefgreifende Auswirkungen auf die Blasenfunktion haben und zu urologischen Beschwerden wie übermäßigem Harndrang, Harnverhalt, Pollakisurie oder Dranginkontinenz führen. Im Rahmen des diesjährigen Kontinenz Kongresses in Bielefeld ist es Ziel der Deutschen Kontinenz Gesellschaft  Ärzt:innen und Pflegefachpersonen für dieses wichtige Thema der  psychosomatischen Ursachen funktioneller Blasenstörung zu sensibilisieren. 

Pollakisurie, Dranginkontinenz oder Harnverhalt – funktionelle Blasenbeschwerden sind weit verbreitet und nicht immer organisch bedingt. Psychosomatische Zusammenhänge rücken zunehmend in den Fokus medizinischer Betrachtung. Besonders sexualisierte Traumatisierungen, insbesondere in der Kindheit, gelten als Risikofaktor für urologische Beschwerden im Erwachsenenalter.

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. widmet diesem sensiblen Thema beim 36. Interdisziplinären Kongress am 14. und 15. November 2025 in der Stadthalle Bielefeld eine eigene Vortragsreihe. Ziel ist es, medizinisches Fachpersonal für die psychosomatischen Ursachen funktioneller Blasenstörungen zu sensibilisieren und konkrete Handlungskompetenz zu vermitteln.

Sexuelle Traumatisierungen – ob in der Kindheit, Jugend oder im Erwachsenenalter – können das Zusammenspiel von Blase, Beckenboden und Nervensystem nachhaltig stören. Die Folgen sind komplex: Chronische Muskelverspannungen im Beckenbereich, gestörte Schmerzverarbeitung, überempfindliche Nervenbahnen und eine veränderte Körperwahrnehmung. Die Blase meldet sich zu früh, zu oft oder zu heftig – obwohl keine körperliche Ursache vorliegt.

„Wir sind ein Kongress, der hinschaut“, betont Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, 1. Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. „In der Praxis erleben wir immer wieder, dass funktionelle Blasenbeschwerden Ausdruck tieferliegender seelischer Belastungen sein können. Gerade sexuelle Traumatisierungen sind ein medizinisches Thema, das spezifische Sensibilität und Fachkompetenz erfordert.“

Die Vorträge beleuchten die komplexen Zusammenhänge zwischen Trauma und Blasenfunktion, stellen diagnostische Ansätze vor und zeigen Wege zu einer traumasensiblen Versorgung – interdisziplinär, empathisch und evidenzbasiert.

„Eine traumasensible Behandlung beginnt mit Zuhören, Respekt und Ruhe“, erklärt Dr. med. Monika Leiße-Stankoweit, Urologin aus Münster. „Die Blase ist nicht nur ein Organ, sondern auch ein Spiegel seelischer Belastung. Gerade bei Patient:innen mit traumatischer Vorgeschichte braucht es medizinische Kompetenz – aber vor allem ein achtsames, nicht wertendes Gegenüber. Die Bedürfnisse der Betroffenen stehen im Mittelpunkt, nicht die Symptome allein.“

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft fordert eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Urologie, Gynäkologie, Psychosomatik, Physiotherapie und Pflege. Denn häufig kann nur durch die gemeinsame Betrachtung körperlicher und seelischer Aspekte eine wirksame und respektvolle Versorgung gelingen.

Pressekontakt der Deutschen Kontinenz Gesellschaft
Dr. Marion Friers
Telefon: 069 – 795 88 395
Mobil: 0175-6880583
E-Mail: presse@kontinenz-gesellschaft.de
Website: www.kontinenz-gesellschaft.de 

Inkontinenz betrifft über zehn Millionen Menschen in Deutschland. Die 1987 gegründete Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ist die eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich auf Prävention, Diagnostik und Behandlung von Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Beckenbodenstörungen spezialisiert hat. Mit 2500 Fachexpert:innen aus Urologie, Gynäkologie, Chirurgie, Neurologie, Pädiatrie, Pflege, Physiotherapie und Pharmazie fördert sie die Qualitätssicherung in der Behandlung und Beratung. Die Gesellschaft anerkennt bundesweit ärztliche Beratungsstellen und zertifiziert gemeinsam mit anderen medizinischen Fachgesellschaften die Kontinenz- und Beckenbodenzentren sowie Zentren für Interstitielle Zystitis (IC-Zentren). Aktuell gibt es über 1000 ärztliche Beratungsstellen, 43 Kontinenz- und Beckenbodenzentren und 11 IC-Zentren. Regelmäßige Kongresse und Bildungsangebote unterstützen den Wissenstransfer in die Praxis.

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF).