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Die Behandlung von Inkontinenz braucht die Kompetenz und Zusammenarbeit vieler verschiedener Spezialisten

Pressemitteilung

Frankfurt am Main, November 2022 – Auf dem 33. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft am 11. und 12. November 2022 trafen sich in Frankfurt am Main rund 1000 Spezialistinnen und Spezialisten aus Medizin, Physiotherapie und Pflege sowie Fachpersonal aus Apotheke und Sanitätshaus – kurz: alle Berufsgruppen, die an der Betreuung und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Harn- oder Stuhlinkontinenz beteiligt sind. Denn das größte Treffen rund um Inkontinenz, Beckenbodenfunktionsstörungen und benignem Prostatasyndrom bietet ihnen ein wissenschaftlich hochkarätiges Programm mit Vorträgen, Videosessions, Seminaren, Workshops – und dazu eine Plattform für intensiven Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Professionen. Die Heilungschancen sowie die Lebensqualität der Erkrankten immer weiter zu erhöhen – das ist das Anliegen aller Kongressbesucher.

„Gemeinsam für Kontinenz“ heißt der neue Slogan, den Univ.-Prof. Dr. Wiedemann, Witten, Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft auf dem Kongress vorgestellt hat. Denn, so betont er: „Die Facetten der Volkskrankheit Inkontinenz sind so mannigfaltig, da braucht es das fachübergreifende Teamwork aller beteiligten Expertinnen und Experten, um die Versorgung der breiten Gruppe von Betroffenen – also Kindern sowie Frauen und Männern in allen Altersgruppen – sicherzustellen und stetig zu verbessern.“ Und weiter: „Voneinander lernen, Zusammenarbeit vorantreiben – dafür bietet unser Kongress das optimale Forum.“

Die zwei Tage der diesjährigen Jahrestagung im Messehaus „Cap Europa“, bespielt wurden acht Räume, waren dicht gefüllt mit rund 130 wissenschaftlichen Vorträgen, 26 Fortbildungskursen und 12 Workshops – moderiert und konzipiert von 116 nationalen und internationalen Referenten. Dazu gab es zwei Industriesymposien, in denen Studien von Medikamenten und medizinischen Therapien vorgestellt wurden.

„Das vielfältige Programm bot allen Fachdisziplinen fundierte Inhalte, etwa neue Erkenntnisse über Diagnoseverfahren und bewährte Therapien, dazu Studien zu innovativen Behandlungen sowie praktisches Know-how in Hands-on-Workshops. Wie immer gehörten auch die Videosessions zur Chirurgie der Beckenorgane zu den Highlights“, sagt Prof. Dr. Thomas Enzmann, Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel. Der Urologe war einer der diesjährigen Kongresspräsidenten, gemeinsam mit Frauenarzt Prof. Dr. Boris Gabriel, St. Josefs-Hospital Wiesbaden, und Allgemein- und Viszeralchirurg Prof. Dr. Thomas Schiedeck, Klinikum Ludwigsburg. Prof. Dr. Boris Gabriel hebt hervor: „Im Fokus steht die Beckenbodengesundheit der Patientinnen/Patienten. Darum treffen sich hier alle, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu vertiefen und neue Konzepte zu entwickeln und zu diskutieren – zum Wohl der betroffenen Kinder, Frauen und Männer.“ Prof. Dr. Thomas Schiedeck ergänzt: „Beckenbodenerkrankungen sind nicht nur vielfältiger Natur, sie werden aufgrund des demografischen Wandels zunehmend mehr Menschen treffen und stellen daher eine besondere Herausforderung an alle beteiligten Disziplinen dar. Ihr Zusammenwirken verbessert nachweislich die Versorgung der Inkontinenz-Patienten: So gelingt es, eine ganzheitliche und individuelle Strategie für Betroffene in unterschiedlichen Lebenssituationen zu entwickeln und anzubieten. Das zeigt sich zum Beispiel auch in den zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentren.“

In einer Telefonaktion mit der Frankfurter Rundschau hatten die drei Kongresspräsidenten, gemeinsam mit Frauenarzt Dr. Thomas Fink, Sana Klinikum Lichtenberg Berlin, am Tag vor dem Jahrestreffen Fragen von Betroffenen zu allen Inkontinenz-Aspekten beantwortet. Über 50 Anruferinnen und Anrufer nutzten die Gelegenheit sich zu informieren und Rat zu holen. Einstimmig sagten die Experten: „Diese Patientenaktion lag uns sehr am Herzen. So konnten wir, bezogen auf die individuelle Situation der Betroffenen, ganz konkret die Vielfalt der Therapiemöglichkeiten aufzeigen und Mut machen, sich behandeln zu lassen.“

Zu den Schwerpunkten der Jahrestagung gehörten unter anderem: Prävention und Therapie von Geburtsschäden im kleinen Becken, Beckenbodenfunktionsstörungen bei Mann und Frau, Verfahren bei Senkungen, etwa der Gebärmutter, innovative Strategien zur Beseitigung von Fisteln, Updates zur roboterassistierten Präzisionschirurgie, Behandlung geriatrischer Patienten sowie die Situation bei der Heil- und Hilfsmittelversorgung. Außerdem gab es Vorträge zu den Fortschritten der Zertifizierung der Kontinenz- und Beckenbodenzentren, an der fünf Fachgesellschaften beteiligt sind. Großen Anklang fanden auch wieder die Seminare des „Arbeitskreises Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau“, traditioneller Kongresspartner der Kontinenz Gesellschaft, etwa zu den Themen „Blasenfunktionsstörungen im Kindesalter“ und „Inkontinenz nach Entfernung der Prostata“. Die interdisziplinären Veranstaltungen wurden durch Seminare des Arbeitskreises „Benignes Prostatasyndrom (BPS)“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie erweitert, dort ging es beispielsweise um die aktualisierte Leitlinie „Diagnostik und Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS)“.

Premiere hatte ein Fortbildungsangebot für das Fachpersonal in Apotheke und Sanitätshaus, das nun auch in den interprofessionellen Austausch über die Versorgung bei Inkontinenz eingebunden wird. In dem neuen Format, bestehend aus zwei hintereinander folgenden Sitzungen à 90 Minuten, ging es neben Grundlagenwissen über Harn- und Stuhlinkontinenz insbesondere um Tipps und Tricks bei der Hilfsmittelberatung. Univ.-Prof. Andreas Wiedemann erklärt: „Mit diesem neuen Seminar wollen wir helfen, die Qualität der Hilfsmittelberatung zu verbessern. Auch wenn die Beratung chronisch unterfinanziert ist, sollte eine optimale Versorgung mit Hilfsmitteln das Ziel sein – auch, um einen weiteren gesundheitlichen Schaden bei den Patientinnen und Patienten zu verhindern.“

Würdigung: Univ.-Prof. Dr. Axel Haferkamp, vormaliger 1. Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft (2014 bis 2021) und zweimaliger Kongresspräsident, wurde die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Darüber hinaus gab es während der Eröffnungsveranstaltung auch wieder Auszeichnungen für besondere wissenschaftliche Arbeiten. Der „Innovationspreis“, gesponsert von der Medtronic GmbH, ging an Dr. Christoph Marquardt, Ludwigsburg, für seine „Erste klinische Erfahrungen mit einer neuen Methode für das pelvine intraoperative Neuromonitoring bei roboter-assistierter tiefer anteriorer Rektumresektion mit totaler mesorektaler Exzision“. Die Auszeichnung für den besten Abstract 2022 des Kongresses erhielt die Arbeit „Die Tibiale Transcutane Nervenstimulation in der Behandlung der idiopathisch überaktiven Harnblase. Erkenntnisse aus dem prospektiven, placebokontrollierten TNT-Trial“ von Dr. Fabian Queißert. Stifter war die Firma Coloplast Deutschland GmbH. Mit dem Nachwuchspreis wurde Dr. Yaman Degirmenci, Mainz, ausgezeichnet: für seine Studie „De-novo Inkontinenz – Vaginale vs. Laparoskopische Chirurgie bei Behandlung eines apikalen Prolapses bei älteren Frauen“. Den Preis hat die Firma ACTICORE AG gestiftet.

Save the date: Der 34. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft findet am 03.-04. November 2023 statt – im CCL Congress Center Leipzig. Die Kongresspräsidentschaft übernimmt wieder ein interdisziplinäres Dreiergespann, diesmal kommen alle aus dem zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg): Urologin Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel, Gynäkologe Prof. Dr. Christoph Domschke sowie Chirurg Prof. Dr. Stefan Beckert.

Impressionen vom 33. Jahres Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft – siehe unten.

Bei medialer Verwendung der PM und/oder Abdruck der Fotos (Print oder Online) bittet die Pressestelle der Deutschen Kontinenz Gesellschaft um entsprechende Belege. Die Fotos stehen für journalistische Zwecke kostenfrei zur Verfügung.
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Wenn Sie weitere Informationen oder einen Ansprechpartner zu diesem Thema wünschen:
Heidrun Bobeth, Pressekontakt der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, vermittelt Journalistinnen und Journalisten gern Interviews mit Expertinnen/Experten der Deutschen Kontinenz Gesellschaft.

Pressekontakt der Deutschen Kontinenz Gesellschaft:
Heidrun Bobeth
Telefon: 040 – 889 13 661
E-Mail: presse@kontinenz-gesellschaft.de
Website: www.kontinenz-gesellschaft.de

Inkontinenz ist eine Volkskrankheit. Es gibt in Deutschland rund 10 Millionen Betroffene.
Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. setzt sich seit 1987 für eine Verbesserung der Diagnose, Behandlung und Prävention von Harn- und Stuhlinkontinenz bei Erwachsenen sowie Kindern ein. Unter www.kontinenz-gesellschaft.de finden Betroffene und Angehörige wertvolle Informationen sowie örtliche Adressen von anerkannten ärztlichen Beratungsstellen sowie zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentren. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft ist eine gemeinnützige, medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft. Durch regelmäßige Fortbildungs-Veranstaltungen trägt sie darüber hinaus maßgeblich zur Qualitätssicherung in der Behandlung und Beratung von Menschen
mit Inkontinenz bei.

Impressionen vom 33. Jahres Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft

􏱀􏱕􏱇􏱋􏰥Vorstand der Deutschen Kontinenz Gesellschaft (v. l.): 1. Vorsitzender Univ.-Prof. Dr. Andreas Wiedemann,
2. Vorsitzende Prof. Dr. Christl Reisenauer, Schatzmeister Univ.-Prof. Dr. Werner Kneist

Kongresspräsidenten 2022 in Frankfurt/M. (v. l.): Prof. Dr. Thomas Enzmann, Prof. Dr. Thomas Schiedeck
und Prof. Dr. Boris Gabriel

Univ.-Prof. Dr. Andreas Wiedemann (l.) würdigt Univ.-Prof. Dr. Axel Haferkamp mit Urkunde für Ehrenmitgliedschaft

Univ.-Prof. Dr. Werner Kneist (links) übergibt Innovationspreis an Dr. Christoph Marquart (M.),
Preisstifter ist Medtronic GmbH, vertreten durch Thilo de Ponte, Salesmanager

Prof. Dr. Christl Reisenauer zeichnet Dr. Yamann Degirmenci (M.) mit dem Nachwuchspreis aus,
gestiftet von Denis Tim Cohn (r.), ACTICORE-Gründer

Die wissenschaftlichen Sitzungen im Messehaus Cap Europa in Frankfurt am Main, bespielt wurden parallel acht Räume, waren immer gut besucht