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10 Millionen Gründe zu handeln: Inkontinenzversorgung in Deutschland gefährdet – Deutsche Kontinenz Gesellschaft startet bundesweite Briefaktion

Die medizinische Versorgung von Menschen mit Inkontinenz in Deutschland ist zunehmend gefährdet. Vor dem Hintergrund aktueller Spar- und Reformdebatten startet die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. eine bundesweite politische Aktion, um aufzuzeigen: Frühzeitige Behandlung lindert nicht nur Leid, sondern verhindert Folgeerkrankungen, die erhebliche Mehrkosten im Gesundheits- und Pflegesystem verursachen. Bei Erkrankungen des Beckenbodens und Inkontinenz besteht eine 80-90% Besserungschance bei adäquater medizinischer Behandlung.

In Zeiten intensiver gesundheitspolitischer Debatten über Finanzierbarkeit, Effizienz und notwendige Strukturreformen im Gesundheitswesen rückt die Frage in den Vordergrund, wo frühzeitige und wirksame Behandlung langfristig Kosten senken kann. Ein solcher Bereich wird bislang kaum beachtet – obwohl Einsparpotenziale und Nutzen evident sind: die medizinische Versorgung von Menschen mit Inkontinenz und Erkrankungen des Beckenbodens.

Mit einer bundesweiten politischen Graswurzel-Aktion macht die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. (DKG) nun auf die zunehmende Gefährdung der Inkontinenzversorgung in Deutschland aufmerksam. Unter dem Motto „10 Millionen Gründe zu handeln – Politik beginnt im Briefkasten“ wenden sich Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeut:innen, Pflegefachpersonen und weitere Mitglieder der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaft direkt an ihre Wahlkreisabgeordneten. Zugleich werden bei verantwortlichen Abgeordneten von der Fachgesellschaft Gesprächstermine angefragt, um den Sachverhalt zu erörtern.

Ziel der Aktion ist es, Inkontinenz als bislang vernachlässigtes, zugleich aber hoch relevantes gesundheitspolitisches Thema auf die politische Agenda zu setzen. Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland sind von Inkontinenz betroffen – quer durch alle Altersgruppen. Dennoch verschlechtert sich die Versorgung seit Jahren. Ursache sind unter anderem Fehlanreize, die dazu führen, dass Diagnostik und Therapie immer häufiger in der ambulanten und stationären Versorgung nicht mehr angeboten werden.

Im Rahmen der Aktion verschicken Mitglieder der Deutschen Kontinenz Gesellschaft persönliche Schreiben an ihre Wahlkreisabgeordneten, ergänzt durch einen kompakten Informationsflyer mit den zentralen Positionen und Forderungen der Fachgesellschaft. Parallel richtet sich der Vorstand der DKG mit einem ausführlichen Positionspapier gezielt an Bundestagsabgeordnete, insbesondere an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses.

„Unbehandelte Inkontinenz ist kein Randproblem, sondern ein ernstzunehmendes gesundheitliches und ökonomisches Risiko“, erklärt Prof. Dr. Andreas Wiedemann, 1. Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft und Chefarzt der Urologischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Witten. „Bleibt eine fachgerechte medizinische Behandlung aus, steigen die Risiken für Pflegebedürftigkeit, soziale Isolation und Folgeerkrankungen erheblich – und damit auch die Kosten für das Gesundheits- und Pflegesystem.“

Wie groß diese Belastung bereits heute ist, zeigen europäische Daten: Die gesamtwirtschaftlichen Kosten unbehandelter Inkontinenz beliefen sich 2023 auf rund 69,1 Milliarden Euro. Ohne gesundheitspolitisches Gegensteuern droht bis 2030 ein Anstieg auf 86,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig ist Inkontinenz in den meisten Fällen gut behandelbar: Bei frühzeitiger, leitliniengerechter Therapie liegt die Chance auf eine deutliche Verbesserung oder Heilung bei 80–90 Prozent.

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft fordert daher unter anderem die Entwicklung einer nationalen Inkontinenz-Strategie, eine angemessene Vergütung von Diagnostik und Therapie sowie gezielte Maßnahmen zur Prävention und Aufklärung. „Wer ernsthaft über Kostendämpfung im Gesundheitswesen spricht, muss dort investieren, wo frühe Versorgung Leid verhindert und langfristig Ausgaben senkt“, so Wiedemann.

Mit der bundesweiten Briefaktion will die Fachgesellschaft ein klares Signal senden: Inkontinenz ist keine Bagatelle und keine unvermeidbare Alterserscheinung – sondern eine behandelbare Erkrankung, deren Vernachlässigung das Gesundheitssystem teuer zu stehen kommt.

Der Aktion können sich alle anschließen: Der Kurzflyer sowie ein Musterbrief an politische Entscheidungsträger stehen zum Download bereit unter www.kontinenz-gesellschaft.de.

Pressekontakt der Deutschen Kontinenz Gesellschaft
Dr. Marion Friers
Telefon: 069 – 795 88 395
Mobil: 0175-6880583
E-Mail: presse@kontinenz-gesellschaft.de
Website: www.kontinenz-gesellschaft.de 

Inkontinenz betrifft bereits heute über zehn Millionen Menschen in Deutschland. Die 1987 gegründete Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ist die eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich auf Prävention, Diagnostik und Behandlung von Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Beckenbodenstörungen spezialisiert hat. Mit 2500 Fachexpert:innen aus Urologie, Gynäkologie, Chirurgie, Neurologie, Pädiatrie, Pflege, Physiotherapie und Pharmazie fördert sie die Qualitätssicherung in der Behandlung und Beratung. Die Gesellschaft anerkennt bundesweit ärztliche Beratungsstellen und zertifiziert gemeinsam mit anderen medizinischen Fachgesellschaften die Kontinenz- und Beckenbodenzentren sowie Zentren für Interstitielle Zystitis (IC-Zentren). Aktuell gibt es über 1000 ärztliche Beratungsstellen, 43 Kontinenz- und Beckenbodenzentren und 12 IC-Zentren. Regelmäßige Kongresse und Bildungsangebote unterstützen den Wissenstransfer in die Praxis. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF).