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Wissenschaftliche Beiträge


Operative Therapie der Belastungsinkontinenz nach Prostatektomie
C. Hampel, Mainz


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Die männliche Kontinenz wird physiologischerweise durch eine ausreichende Blasendehnbarkeit (Compliance > 25 ml/cm H2O) und Detrusorstabilität (keine Urge-Wellen) während der Speicherphase bei gleichzeitig normotonem und normoreaktivem Verschlussapparat (Blasenhals, Prostata, Sphinkter externus mit innen längsverlaufender glatter uns außen zirkulär verlaufender quergestreifter Muskulatur) gewährleistet. Passive und reaktive Drucktransmission sowie der im Bereich des Blasenhals sympathisch (alpha-adrenerg) und im Bereich des äußeren Schließmuskels somatisch geregelte Ruheverschlussdruck garantieren die Harnkontinenz auch unter körperlichen Belastungssituationen.

Dem Blasenhals kommt dabei die geringste kontinenzerhaltende Wirkung zu, er regelt vielmehr als Sexualsphinkter die orthograde Ejakulation. Seine Resektion im Rahmen der TUR-P ist für die postoperativ auftretende retrograde Ejakulation, nicht aber für eine Harninkontinenz verantwortlich. Die Prostata mit ihrer statischen drüsigen und dynamischen glattmuskulären Kompressionswirkung auf die Urethra ist anders als der Spinkter internus unter Umständen durchaus in der Lage, auch bei kompletter Resektion des externen Sphinkter etwa im Rahmen einer Striktur-OP eine Harnkontinenz aufrechtzuerhalten.

Der Sphinkter externus umschließt den membranösen Teil der Harnröhre zirkulär, aber nicht orthograd. Durch das ventral geringer ausgeprägte Prostatavolumen kommt die Sphintermuskulatur ventral näher an den Blasenhals zu liegen, als dorsal. Diese anatomische Besonderheit prädisponiert die ventralen Sphinkteranteile für eine Ausdünnung bzw. Verletzung im Rahmen einer TUR-P.

Zwar nimmt die radikale Prostatektomie in der Ätiologie der männlichen Belastungsinkontinenz einen immer breiteren Raum ein (Inkontinenzrate 1 Jahr nach OP ca. 5 %), aber auch die transurethrale Prostatektomie und die offene Adenomenucleation sind mit einer postoperativen Inkontinenzrate von bis zu 3% vergesellschaftet. Die Detrusorinstabilität ist eine häufige urodynamische Diagnose bei Patienten mit Post-Prostatektomie-Inkontinenz (ca. 1/3), dennoch ist sie nur in Ausnahmefällen die alleinige Inkontinenzursache.

Urodynamisch ist bei der Untersuchung einer Post-Prostatektomie-Inkontinenz nicht nur der maximale Verschlussdruck im Urethra-Druckprofil, sondern auch die funktionelle Harnröhrenlänge von entscheidender Bedeutung. So ergibt sich denn auch in der retrospektiven Analyse von Patienten mit Post-Prostatektomie-Inkontinenz eine dem Schweregrad der Belastungsinkontinenz proportionale Verkürzung der funktionellen Harnröhre bei gleichzeitiger Abnahme des maximalen Verschlussdruckes.


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