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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2015

kontinenz aktuell Juli/2015 3 Astrid Lindgren hat ihren welt- bekannten, verfilmten, in hunderte Sprachen übersetzten und von zahlreichen Bilderbuchillustratoren in Szene gesetzten Roman „Pippi Langstrumpf“ 1941 geschrieben, als ihre Tochter wegen einer Frak- tur sechs Wochen lang das Bett hü- ten musste. Wir alle haben sofort das Bild eines etwa zwölf-jährigen Mädchens mit roten Haaren vor Augen, das ihre Streiche in bunter Strumpfhose und kurzen Hosen an- stellt … Doch: Pippi Langstrumpf wäre heute 74 Jahre alt und hätte ein Inkontinenzrisiko von vielleicht 40 Prozent – verbunden mit einem Anspruch, als „best-ager“ auf Weltreisen, Kreuzschifffahrten oder im Golfclub durch diese Al- terserkrankung nicht eingeschränkt zu sein. Dieses vielleicht ungewöhnliche Beispiel verdeutlicht, dass die vielzitierte „demografische Ent- wicklung“ nicht ein abstraktes Kon- strukt ist, das die nächste Genera- tion bearbeiten muss, sondern längst Realität geworden ist. In An- lehnung an einen Werbeslogan ei- nes Automobilherstellers ist da- durch ein „Umdenken im Kopf“ gefordert: Dieses Umdenken bedeutet prak- tisch, dass alle medizinischen Be- rufsgruppen gefordert sind, sich dem Thema Harn- und Stuhlinkonti- nenz aktiv zuzuwenden und nicht nur den von der Industrie wegen der hier besseren Profit-Aussichten gesetzten pharmakologisch-onko- logischen Trends zu folgen. Die Kompetenz der Beckenboden-Zen- tren und Beratungsstellen der Deut- schen Kontinenz Gesellschaft – häufig eingebunden in urologi- sche, chirurgische oder gynäkolo- gische Fachabteilungen – wird al- so langfristig und zunehmend neben der Onkologie den wirt- schaftlichen Erfolg der jeweiligen Institution mitbestimmen und für ein positives Image der jeweiligen Abteilung und der hier Handeln- den als kompetente Ansprechpart- ner und Versorger für alle Aspekte des Alterns sorgen. So beschäftigt sich die vorliegende Ausgabe der kontinenz aktuell in diesem besonderen Sinne mit he- rausragenden Abstracts der Jahres- tagung der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Sie nimmt dann eine schwierig zu behandelnde Entität, die „therapierefraktäre OAB“ zum Anlass, dieses Krankheitsbild hin- sichtlich der (nicht vorhandenen) Definition zu hinterfragen und Lö- sungsmöglichkeiten jenseits der scheinbar einfachen, invasiven Therapieansätze zu suchen. Der Artikel „Erektile Dysfunktion als Komplikation der operativen Be- handlung von male LUTS“ beschäf- tigt sich vordergründig mit einem speziellen urologischen Problem nach der operativen Therapie der Überlaufinkontinenz. Aber auch dieses Thema besitzt im Zuge einer älter werdenden Klientel mit gestie- genen Ansprüchen bezüglich der postoperativen erektilen Funktion die Chance, medizinische Kompe- tenz zu dokumentieren: An Daten von rund 100 Patienten nach den genannten Eingriffen konnten erst- mals besondere Risiko-Konstellatio- nen für eine Verschlechterung der erektilen Funktion postoperativ he- rausgearbeitet werden. In Zukunft kann sich damit die Beratungsqua- lität vor solchen Eingriffen verbes- sern. So möchte die neue Ausgabe der kontinenz aktuell nicht nur zu me- dizinischen Themen informieren, sondern einen berufspolitischen Impuls für alle Beteiligten liefern. Der demografische Wandel birgt ungeheure Chancen für das The- ma „Inkontinenz“, die es gilt, mit menschlichem Engagement und fachlichem Know-how zu unter- mauern. Umdenken erforderlich PD Dr. Andreas Wiedemann PD. Dr. Andreas Wiedemann, urologische Abteilung, Evangelisches Krankenhaus Witten, Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/ Herdecke Editorial kontinenz aktuell Juli/20153

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