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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2015

kontinenz aktuell Juli/201522 Abstracts Auswirkungen der Adipositaschirurgie auf die Beckenbodenfunktionsstörungen (Blasenfunktion, Darmfunktion, Senkung und Sexualfunktion) bei Frauen und Männern Kriegmair, A.; Hüttl, Th., Yassouridis, A.; Peschers, U. Beckenboden Zentrum München Einleitung: Adipositas ist ein stetig wachsendes Problem. Bereits im Jahr 1997 erklärte die Weltgesundheitsorganisati- on WHO Adipositas offiziell zur globalen Epidemie.1 Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass es welt- weit über 600 Millionen adipöse Erwachsene gibt. Die Tendenz ist steigend.2 Es ist ausführlich belegt, dass Übergewicht und Adipositas einen Einfluss auf die Entwicklung und den Schweregrad einer Harnin- kontinenz haben. 3, 4 Weniger gut und häufig beschrie- ben ist der Zusammenhang zwischen Adipositas und anderen Beckenbodenfunktionsstörungen sowie ana- len Funktionsstörungen und Störungen der Sexualfunk- tion.5 Blasensymptome bei Männern nach Adipositas- chirurgie wurden unserem Wissen nach kaum oder überhaupt nicht untersucht. Das Ziel der Studie ist es, die Auswirkungen der Adipositaschirurgie auf Be- ckenbodenfunktionsstörungen bei adipösen Frauen und Männern zu ermitteln. Die verschiedenen Domä- nen des Beckenbodens müssen separat beurteilt wer- den. In jedem Teilbereich kann getrennt von den an- deren Bereichen sowohl eine Verbesserung als auch eine Verschlechterung oder gar keine Veränderung eintreten. Methode: Über einen Zeitraum von einem Jahr wurden Frauen und Männer mit einem Body-Mass-Index von mindes- tens 30 kg/m2 oder mehr, bei denen ein chirurgischer Eingriff zur Gewichtsreduktion in der chirurgischen Klinik München-Bogenhausen geplant war, gebeten, präoperativ sowie 3 und 12 Monate nach Interventi- on einen validierten Fragebogen auszufüllen. Bei den Frauen wurde der „Deutsche Beckenboden-Fragebo- gen“ und bei den Männern der Fragebogen zu urolo- gischen Beschwerden ICIQ-MULTS 11/06 verwendet. Unter Berücksichtigung des Alters der Teilnehmer wur- den beide Gruppen, sowohl Frauen als auch Männer, in jeweils zwei Untergruppen aufgeteilt. Die Grenze wurde bei 50 Jahren gewählt. Ziel der Subgruppen- analyse war eine Evaluation bezüglich potentiell un- terschiedlicher Auswirkungen der Adipositaschirurgie auf die Beckenbodenfunktionsstörungen zwischen der jüngeren und der älteren Untergruppe. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Ludwig-Maximili- ans-Universität München genehmigt. Ergebnisse: Es wurden insgesamt 154 Teilnehmer in die Studie eingeschlossen, davon haben zum Zeitpunkt der Zwi- schenauswertung insgesamt 56 Frauen und 22 Män- ner alle drei Fragebögen ausgefüllt. In der Gruppe der adipösen Frauen stellte sich heraus, dass sich nach dem operativen Eingriff zur Gewichtsreduktion die Ausprägung sowohl einiger Blasen- als auch Darmfunktionsstörungen signifikant verbesserte. Die Belastungsinkontinenz beispielsweise zeigte präope- rativ eine Prävalenz von 70%, die 3 bzw. 12 Monate nach dem operativen Eingriff auf jeweils 52% bzw. 50% zurückging (Friedman-Test gefolgt von Wilco- xon-Tests für verbundene Stichproben zur Lokalisie- rung der einfachen Effekte, p<0.05). Des Weiteren konnte ein signifikanter Rückgang der Beschwerden in den Bereichen Drang- und Stuhlinkontinenz, die beide jeweils aus einem Zusammenschluss bestimm- ter Symptome bestehen, beobachtet werden. Das Symptom Obstipation hingegen verschlechterte sich im Vergleich zu seiner präoperativen Ausprägung (Wilks multivariater Signifikanztest in einer mutlivaria- ten Varianzanalyse (MANOVA) gefolgt von univaria- ten F-Tests, p <0.05). Senkungsprobleme bestanden in der untersuchten Gruppe von adipösen Frauen vor dem operativen Eingriff nicht und waren auch nach Operation nicht von Bedeutung. Nach Altersdifferen- zierung der Frauenpopulation mit einer Grenze von 50 Jahren und nach Untersuchung der Auswirkungen der Adipositaschirurgie auf die obengenannten Para- meter in beiden Untergruppen, ergaben sich für die jüngere und die ältere Untergruppe ähnlich signifi- kante Ergebnisse wie im Falle ohne die Altersdifferen- zierung. Das Sexualverhalten der adipösen Frauen zeigte keine signifikanten Veränderungen, weder 3 noch 12 Monate nach dem operativen Eingriff zur Gewichtsreduktion. Bei Betrachtung der Gruppe der adipösen Männer zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Harnin- kontinenz Symptome nach durchgeführter Adiposita- schirurgie (univariate F-Tests in MANOVA, p< 0.05). Der Einfluss auf die Blasenentleerungsstörungen blieb ohne statistische Relevanz. Nach Altersdifferenzie- rung der Männerpopulation mit einer Grenze von 50 Jahren stellte sich heraus, dass die positiven Auswir- kungen der Adipositaschirurgie auf die jüngere Unter- gruppe beschränkt sind.

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