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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2015

kontinenz aktuell Juli/2015 15 Noch frappierender stellten sich die Ergebnisse einer erweiterten mikrobiologischen Untersuchung mit Harnröhren- und Vaginalabstri- chen auch auf Mykoplasmen und Chlamydien der Arbeitsgruppe um Lee dar: Er fand bei 84 Frauen mit OAB-Symptomen über drei Mona- te und negativer Urinkultur bei 42,8 Prozent mikrobiologisches Wachstum; 82,7 Prozent dieser Frauen konnten durch eine antibio- tische Therapie von den OAB- Symptomen geheilt werden (19). An dieser Stelle ist unter Umstän- den die rein symptomatologische Definition der OAB durch die ICS problematisch. Gemäß dieser Defi- nition werden viele Patienten rein symptomatisch behandelt, die in Wahrheit keine „idiopathische OAB“ im klassischen Sinn haben. Dies belegte eine italienische Ar- beitsgruppe, die 106 Frauen mit fehlendem Ansprechen auf eine antimuskarinerge Therapie ihrer OAB-Beschwerden zystoskopierte und bioptierte. Hier konnten nicht nur sechs Fälle eines Urothel-Karzi- noms, sondern über 90 Fälle einer chronischen oder akuten Zystitis detektiert werden (20). In diesem Feld der unerkannten Genitalinfektion scheint für Urolo- gen häufig der paraurethrale Raum eine „black box“ zu sein. Dabei kann die einfach zu erlernende und mit der Rektalsonde ausführba- re Introitussonografie oder „pelvic- floor-Sonografie“ (PFS) Befunde wie paraurethrale Divertikel sehr leicht aufdecken, die nicht immer durch einen urethroskopisch sicht- baren Ausführungsgang imponie- ren (Abb. 1). Auch die Frage, ob ein paraure- thrales Band OAB-Symptome ver- ursachen kann, ist nur auf diesem Weg zu klären: Der hier entschei- dende Abstand von der Harnröhre und die Lage zwischen Blasenhals und Meatus können nur introitusso- nografisch identifiziert werden (21, 22). Liegt ein Band außerhalb der idealen Position zwischen drei und fünf Millimeter von dem Harn- röhrenlumen entfernt und nicht im mittleren Harnröhrendrittel, lässt sich sehr genau ein Versagen sei- ner Funktionalität und auch die Auslösung von OAB-Symptomen vorhersagen beziehungsweise er- klären. Entscheidend für die Therapie von Harntraktsymptomen des Mannes ist die Frage, ob eine Prostataver- größerung als mögliche Ursache für eine Pollakisurie, Nykturie oder imperativen Harndrang in Frage Abb. 1: Harnröhrendivertikel, das die Harnröhre U-förmig umgibt (Anschnitt kranial und kaudal der Harnröhre); zusätzlich am Dach des kaudalen Anteils liegendes transobturatorisches Band (s. Pfeil) Tab. 2: Einnahmeempfehlungen der auf dem Markt befindlichen Antimuskarinika Darifenacin Fesoterodin Oxybutynin Propiverin Solifenacin Tolterodin Trospium Einnahmeempfehlung laut Beipackzettel „mit etwas Wasser“ „mit etwas Wasser, unzerkaut, mit oder ohne Nahrung“ „nüchtern, vor, während, nach Mahlzeiten“ „vor den Mahlzeiten“ „unabhängig von den Mahlzeiten“ „unzerkaut schlucken“ „unzerkaut mit reichlich Wasser, 1h vor Nahrung, nüchtern“ Warnhinweise Ältere, Leberfunktion CPY3A4-Hemmer CYP2D6-Hemmer GFR, Leberfunktion, CYP3A4-Hemmer Halbierung der Dosis bei Älteren fettreiche Mahlzeit erhöht Bioverfügbarkeit cave GFR < 30 cave Leberfunktion cave CPY3A4-Hemmer cave GFR < 30 cave Leberfunktion cave CPY3A4-Hemmer GFR 10 - 50: halbe Dosis; ggf. mit Nahrung Übersichtsarbeit kontinenz aktuell Juli/201515

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