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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2015

kontinenz aktuell Juli/201514 tienten mit Acetylcholin-Esterase- Hemmern zu neun Prozent Anti- cholinergika zur Therapie der OAB einnahmen, waren es bei demen- ten Patienten ohne Acetylcholin-Es- terase-Inhibitoren nur fünf Prozent – ein in der statistischen Analyse signifikanter Unterschied (14). Aber auch die patiententypische Po- lymorbidität kann einen Grund für eine Therapieresistenz von OAB-Be- schwerden darstellen: Liegt eine mit OAB-Symptomen assoziierte unbe- handelte Grunderkrankung auf neu- rologischem Fachgebiet wie ein Morbus Parkinson, eine Multiple Sklerose oder ein spinaler Prozess etwa bei Spinalkanalstenose oder tethered chord vor, ist eine effektive Behandlung der OAB-Komponente nur ungenügend möglich. Aber auch primär harntraktferne Erkran- kungen können mit einer OAB asso- ziiert sein. Als Beispiel sei hier das obtruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) genannt. Es ist, wie erste Untersuchungen andeuten, nicht nur mit einer unter Umständen kardial bedingten Nykturie assoziiert, son- dern auch mit erhöhten Scores in In- kontinenzassessments (15). Die OAB Fakt ist, dass bei fehlenden stan- dardisierten Kriterien für das Nicht-Ansprechen einer OAB auf eine im Allgemeinen aus Antimus- karinika bestehenden Primärthera- pie jeder Autor einer Publikation zum Thema – wahrscheinlich so- gar jeder Behandler vor Ort – ei- gene Kriterien für ein Therapiever- sagen definiert. So ist auffällig, dass in Studien die Kriterien des Ansprechens der Primärtherapie fast ohne Ausnahme nicht de- ckungsgleich mit den Erfolgskrite- rien der Folge-Therapie sind (Tab. 1). Dies ist Ausdruck unterschiedli- cher Erwartungshaltungen an die Effektivität einer Therapie je nach- dem, ob sie in einer Sequenz pri- mär oder sekundär eingesetzt wird. Ein wirklicher Vergleich verschie- dener Therapieregime könnte nur gezogen werden, wenn zwei The- rapieformen nach einer Auswasch- phase nach den gleichen Erfolgs- parametern beurteilt würden. Solche Definitionsprobleme fan- gen jedoch schon bei der Ein- gangsdefinition der überaktiven Blase an. Sie wurde 2003 durch die International Continence So- ciety (ICS) als Symptomkomplex aus Pollakisurie, Nykturie, impera- tivem Harndrang mit oder ohne Dranginkontinenz definiert (17). Bestandteil dieser Definition ist auch die Bedingung, dass keine Infektion oder andere Ätiologie vorhanden sein darf. Gerade in diesem Nachsatz ist ein großes Di- lemma begründet: Wie weit ist die Abklärung zu treiben? Darf ein Pa- tient wirklich keine andere poten- zielle Ätiologie aufweisen? Was ist mit altersbedingt häufigen Pa- thologien wie einem milden Des- zensus oder einer Prostatavergrö- ßerung? Klinische Routine und Minimalkonsens ist die Durchfüh- rung eines Urinstreifentests zum Ausschluss einer Harnwegsinfekti- on. Aber dieser besitzt nur eine schlechte Sensitivität. Wurden alle Urinproben von 1.700 Patienten mit OAB-Sympto- men und negativem Teststreifen im K-Urin mikrobiologisch untersucht, fand sich immerhin in mehr als 20 Prozent ein signifikantes Bakte- rienwachstum (18). Tab. 1: Zielvariablen Primär- und Sekundärtherapie in verschiedenen Untersuchungen zur „therapierefraktären OAB“, zitiert in „DIE“ = Dranginkontinenzepisoden (16) Autor Kuo Chughtai Kana- garajah Wong Balachan- dran Kaplan first-line Antimuskarinika + Verhaltensth. Antimuskarinika Antimuskarinika Antimuskarinika Antimuskarinika Antimuskarinika second line Botulinum Botulinum Botulinum Solifenacin Mira- begron und/oder alleine Fesoterodin Kriterium „therapierefraktär“ > 1 Drangepisode > 1 DIE IPSS > 12, IPSS QL > 3, Qmax > 12 > 1 DIE und/oder > 9 Miktionen/d „fehlender Nutzen“, into- lerable Nebenwirkungen „keine Verbesserung“ > 50 % Senkung der DIE Erfolgs- kriterium > 2 Stufen Verbesserung in Patientenbeurteilung Reduktion der Miktionsfrequenz 50 %-ige Senkung der Miktionsfrequenz Pollakisurie, Nykturie, DIE „globale Verbesse- rung“ i. d. subj. Bewertung Reduktion der DIE Studien- ergebnis Reduktion der DIE Pollakisurie an Tag 90 Senkung der Miktionsfrequenz Dranginkonti- nenz, Nykturie, Pollakisurie „globale Verbesserung“ Reduktion der DIE Übersichtsarbeit

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