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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2014

kontinenz aktuell Juli/201416 Übersichtsarbeit störungen, mit einem prediktiven Wert von 39,1%“ (Hanke 2014). 6. Wahrscheinlich ist die einfachste Lösung in der niedergelassenen Praxis beim Ansatz für eine zu- sätzliche Medikation mit einfa- chen Assessment-Tools, die Ko- gnition und die peripheren anti- cholinergen Nebenwirkungen zu überprüfen und bei Bedarf Rück- schlüsse auf die bestehende Me- dikation zu ziehen. Nach Ein- satz der neuen Medikation sollte im Abstand eine Überprüfung der Kognition beziehungsweise der hauptsächlichen anticholiner- gen Nebenwirkungen durchge- führt und bei Bedarf noch einmal überlegt werden, inwieweit hier eine Summation anticholinerger Nebenwirkungen unterschied- licher Medikamente vorliegen und welche Umsetzung bezie- hungsweise Reduktion bestimm- ter Medikamente sinnvoll sein könnte. Diskussion Zu den Symptomen des unteren Harntrakts, die für die Betroffenen am meisten belastend sind, gehö- ren der imperative Harndrang und die Dranginkontinenz, die mit zu- nehmendem Alter gehäuft auftreten. Für diese betroffenen Älteren steht im therapeutischen Vordergrund die Verhaltens- und medikamentöse Therapie. Auch wenn die Verhal- tenstherapie in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat, ändert dies nichts daran, dass die Medikation schon aus Bequem- lichkeitsgründen bei den Betroffe- nen weiterhin an erster Stelle der therapeutischen Maßnahmen ste- hen wird. In den vergangenen Jahr- zehnten hat sich für die medikamen- töse Dranginkontinenztherapie die Anticholinergika-Verordnung erfolg- reich durchgesetzt. Der Einsatz der Anticholinergikatherapie muss aber dem Patienten angepasst werden und unter Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Gerade bei bestehender Polymedikation beim älteren Patien- ten stellt sich hier sehr schnell die Frage nach einer vorliegenden anti- cholinergen Serumaktivität – und wenn, wie weit überhaupt eine zu- sätzliche Anticholinergikatherapie möglich ist. Die Möglichkeiten einer Überprüfung einer bestehenden anticholinergen Belastung bei multi- morbiden älteren Patienten mit Dranginkontinenz sind begrenzt, obwohl eine Reihe von Skalen und Empfehlungen für diesen Bereich auf dem Markt sind. Bei ausgepräg- ter Polypharmazie helfen Skalen wenig, weil damit sehr viele Inter- aktionen und Probleme nicht erfasst werden können (Steiner 2013). Die anticholinerge Nebenwirkung vieler Medikamente insbesondere im Zusammenhang mit einer mögli- chen anticholinergen Therapie bei Dranginkontinenz stellt für den be- handelnden Arzt ein scheinbar un- überwindliches Problem dar. Ärzte verlieren oftmals den Überblick, welche Medikamente anticholiner- ge Eigenschaften haben und dass diese erstens bei bestimmten Erkran- kungen (zum Beispiel Demenz) zu vermeiden sind und zweitens die Behandlungssituation mit Anticholi- nergika bei der Dranginkontinenz infrage stellen. Des Weiteren sind sie nicht immer über die vollständi- ge Medikation des Patienten infor- miert und könnten eine arzneimittel- induzierte Kognitionseinschränkung übersehen und diese als fortschrei- tend einer entsprechenden Erkran- kung deuten oder als Nebenwir- kung der Gabe eines Anticholiner- gikums bei der Dranginkontinenz fehldeuten. Erschwerend kommt hin- zu, dass den meisten Patienten und ihren Angehörigen nicht bewusst ist, dass sehr viele nicht apotheken- pflichtige Wirkstoffe anticholinerge Eigenschaften aufweisen (zum Bei- spiel Sedativa, Antihistaminika, An- tiemetika) und daher nicht unbe- denklich eingenommen werden soll- ten (Stahl 2013). Der verschreibende Arzt sollte die Liste der lang andauernd einge- nommenen Medikamente seiner äl- teren Patienten daraufhin überprü- fen, ob anticholinerge Effekte mög- lich sind, wenn kognitive Störun- gen vorliegen. Insbesondere bei multimorbiden, älteren Patienten mit Polypharmakotherapie ist hier mit einer Addition der anticholiner- gen Aktivitäten zu rechnen. Immer wieder sollte bei Älteren mit einer vorliegenden Polypharmakologie geprüft werden, inwieweit die Ge- samtzahl der Medikamente not- wendig ist und ob es nicht möglich ist, durch physikalische Therapie- maßnahmen oder Verhaltensthera- pie bestimmte Medikamente abzu- setzen. Bei einer zusätzlichen Me- dikation ist wichtig, die Indikation genau zu prüfen. Neben der Indi- kation muss man aber auch die Ef- fektivität einer Medikation im Auge haben. Eine individuelle Dosierung erbringt in der Regel weniger Ne- benwirkungen als eine standardi- sierte Medikamentengabe, wie am Beispiel der Dranginkontinenzthe- rapie mit Trospiumchlorid-Gabe deutlich wird (Bödecker 2010, Wiedemann 2011). Dies gilt ins- besondere auch für Betagte (Kranz 2011). Auch die Praktikabilität stellt einen wesentlichen Punkt in der Überlegung dar, ob ein Medi- kament für einen bestimmten Pa- tienten geeignet ist (Steiner 2013). Die vorliegende Literatur zeigt ein- drucksvoll auf, dass die Behand- lungsdauer mit Medikamenten an- ticholinerger Nebenwirkungen be- ziehungsweise Anticholinergika möglichst bei älteren Patienten zu begrenzen und die Anzahl gleich- zeitig verabreichter Medikamente mit anticholinerger Nebenwirkung so gering wie möglich zu halten ist. Da bisher keine entsprechende Einschätzung der anticholinergen Problematik bei einer Polymedika- tion einfach möglich ist, bleibt nur die konsequente Prüfung der ko- gnitiven Leistung beziehungsweise deren Verschlechterung bei einer zusätzlichen Medikation übrig. Ins- gesamt erscheint es sinnvoll, den Einsatz einer Medikamentenanaly- se mit einer Überwachung von Funktionen im Rahmen eines geria- trischen Basis-Assessments zu kom-

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