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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2014

kontinenz aktuell März/2014 9 nostik durchzuführen. Zur genauen Differenzierung sowie Typisierung der verschiedenen Störungsformen ist eine Videourodynamik zu emp- fehlen, eine reguläre Urodynamik reicht häufig aus, jedoch benöti- gen diese Patienten eine interdis- ziplinäre Zusammenarbeit zwi- schen Internisten, Urologen und Neurologen. Durch frühzeitige adäquate The- rapieeinstellung des Diabetes auch von urologischer Seite las- sen sich mögliche irreversible se- kundäre Veränderungen vermei- den oder zumindest zeitlich auf- schieben. Für diese Therapieein- stellung ist jedoch eine adäquate Diagnostik, inklusive Urodynamik, essenziell. Therapieoptionen (Empfehlung) Je nach Typus der Harnblasenfunk- tionsstörung und sonstigen vorlie- genden Begleiterkrankungen kann nach exakter urodynamischer Klassifizierung der Dysfunktionen eine spezielle Therapie eingeleitet werden. Im Zentrum der Behand- lung aller Neuropathieformen steht die Verbesserung und Opti- mierung der Blutzuckereinstellung. Dies ist die bisher einzig gesicher- te kausale Therapieform, da man heute davon ausgehen kann, dass zwischen Nervenfunktion und Ein- stellungsqualität des Diabetes mel- litus eine direkte Beziehung be- steht. I. Neurogene Detrusorhyperaktivität Therapie der Wahl bei der neuro- genen Detrusorhyperaktivität ist die Gabe von Anticholinergika, bei Kontraindikation besteht die Möglichkeit der intramuskulären Botulinumtoxin-A-injektion. Aller- dings muss in beiden Fällen auf Restharnbildung oder Vergröße- rung der bereits bestehenden Rest- harnmenge geachtet werden und gegebenenfalls ein intermittieren- der Selbstkatheterismus erfolgen. Eine zusätzliche Infektprophylaxe kann notwendig sein. II. Neurogene Detrusorhypoaktivität Bei der neurogenen Detrusorhypo- aktivität stehen die großen Rest- harnmengen mit teilweise chroni- schen, therapieresistenten Harn- wegsinfekten im Vordergrund. The- rapie der Wahl in diesem Fall ist die Gabe von Cholinergika sowie Alpharezeptorenblocker zur Stei- gerung des Detrusortonus bezie- hungsweise zur Verminderung des Blasenauslasswiderstands, sowie zur Infektprophylaxe. Bei Versagen dieser medikamentösen Behand- lung oder bei Vorliegen großer Restharnmengen soll die Harnbla- senentleerung durch intermittieren- den (Selbst-)Katheterismus oder Zystostomie mit Blasentraining und medikamentöser Reaktivierung durchgeführt werden. Die Therapie mit Metoclopramid wurde studien- mäßig untersucht, ein positiver Ef- fekt wurde beschrieben, allerdings fehlen weitere Auswertungen. III. Neurogene Detrusorakontraktilität Die Therapie der neurogenen De- trusorakontraktilität besteht bei re- levanten Restharnmengen im inter- mittierendem Selbst- oder Fremd- Katheterismus, beziehungsweise Dauerableitung (transurethral oder suprapubisch). Hierdurch kann ei- ne Retonisierung und eventuelle Reaktivierung der Detrusormusku- latur erreicht werden. IV. Detrusordyskoordination Bei der bisher noch nicht in der Li- teratur beschriebenen Detrusordys- koordination gibt es noch kein si- cheres Behandlungskonzept. Wir empfehlen in diesem Fall eine The- rapie mit Alphablockern. V. Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie Bei Vorliegen der Detrusor- Sphincter-Dyssynergie wird die Be- handlung auf den Fokus des ge- störten Sphinktermuskels gelegt. Im Fall des M. sphincter internus emp- fehlen wir die Gabe eines Alpha- blockers. Im Fall des M. sphincter externus empfehlen wir die Gabe eines zentral wirksamen Muskelre- laxans, zum Beispiel Baclofen oder die intrasphinktäre Injektion von Botulinumtoxin A (50 E Botox). Ei- ne zusätzliche Infektprophylaxe kann notwendig sein. Interessenkonflikt: Der korrespondierende Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt be- steht. Korrespondenzanschrift: Prof. Dr. med. Schahnaz Alloussi Abteilung für Urologie Städtisches Klinikum Neunkirchen Universität des Saarlandes Brunnenstraße 20 66538 Neunkirchen E-Mail: saladin.alloussi@yahoo.de Reference List (1) Alloussi S, Mast GJ, Kopper B, et al: [Micturi- tion disorder as a sequela of sacral autonomic diabetic neuropathy]. Urologe A 24:291–5, 1985 (2) Landgraf R: [Peripheral neuropathy in diabetes mellitus from internist’s perspective]. Internist (Berl) 41:434–8, 2000 (3) Standards of medical care in diabetes--2010. 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Urolo- ge A 49:238–44 Originalarbeit

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