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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2014

kontinenz aktuell März/201422 Inkontinenz als lösbares Problem in jedem Alter war Thema des diesjährigen Patientenforums am 6. November 2013 im Rahmen des 25. Kongresses der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in Hannover. Mehr als 300 Interessierte und Betroffene nah- men die Gelegenheit wahr, mit Experten aus Ver- sorgung, Pflege und Medizin über Prävention, verschiedene Krankheitsbilder der Inkontinenz, deren Ursachen und moderne Therapiemöglich- keiten zu sprechen. Prof. Dr. Markus A. Kuczyk, Direktor der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und einer der beiden Kongress- präsidenten, moderierte das Forum. Einleitend ging es um die unterschiedlichen Facet- ten der Harninkontinenz. Deren Ursachen und Häufigkeit erläuterte Dr. Sudip Kundu von der Kli- nik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der MHH. PD Dr. Hermann Hertel, leitender Oberarzt dieser Frauenklinik, veranschaulichte im weiteren Verlauf die moderne Therapie der Dranginkonti- nenz und zeigte Vor- und Nachteile der unter- schiedlichen Ansätze von medikamentöser Thera- pie, Botoxtherapie und traditioneller chinesischer Therapie auf. PD Dr. Matthias Oelke und Dr. Mi- chael Stöhrer, beide von der Urologie an der MHH, gingen auf die Belastungsinkontinenz und deren Spezifika bei Mann und Frau ein. Ebenfalls wurde das 7-Punkte-Schema als Basisdiagnostik und standardisiertes Abklärungsprogramm erläu- tert. Die Fachvorträge schloss Dr. Franz Raulf vom End- und Dickdarmzentrum in Münster mit den nicht operativen Therapiemöglichkeiten bei Stuhl- inkontinenz; denn operative Eingriffe sind nur bei etwa 0,5 Prozent der Betroffenen nötig. Nach den Kurzreferaten hatten die Gäste rund ei- ne Stunde Zeit, im Rahmen eines „Round Table“ ihre individuellen Fragen zu stellen. Diese Gele- genheit wurde rege genutzt. Nadine Millich Patientenforum an der MHH Foto:N.Millich Gesellschaft aktuell Eine Studie der MHH-Arbeitsgruppe habe im vergan- genen Jahr belegt, dass über einen transvaginalen Zu- gang eine sichere Behandlung der Gebärmuttersen- kung erzielt werden kann, ohne dass eine aufwendige Bauchoperation oder die Verwendung von netzgestütz- ten fremden Materialien notwendig sei. Generell plädierte Hillemanns für eine bessere Förde- rung chirurgischer Studien. Denn bislang würden eher Grundlagen- und Pharmaforschung bezuschusst. Möglichst konservativ behandeln Dass sich Inkontinenz nicht nur auf Störungen der Harn- entleerung bezieht, betonte Dr. Franz Raulf, Schatzmeis- ter der Deutschen Kontinenz Gesellschaft sowie Chirurg und Proktologe im End- und Dickdarmzentrum Münster: „ Mit dem demografischen Wandel wird der Stuhlinkon- tinenz eine steigende volkswirtschaftliche Bedeutung zu- kommen, da die Ausgaben für die Hilfsmittelversorgung bereits heute höher liegen als die Kosten für Kardiaka und Antirheumatika.“ Stuhlinkontinenz treffe Frauen we- sentlich häufiger als Männer (Verhältnis 4 bis 5:1), da ihr Analkanal kürzer sei und Geburtstraumata auftreten könnten. Insgesamt litten rund fünf Prozent der Bevölke- rung unter Stuhlinkontinenz mit unterschiedlicher Aus- prägung von unkontrolliertem Luftabgang bis zum voll- ständigen Kontrollverlust. Die Störungen des ‚hinteren Kompartiments‘ des Beckenbodens manifestierten sich als Stuhlinkontinenz oder als Entleerungsproblem im Sinne einer Obstipation. Bei der überwiegenden Zahl der stuhlinkontinenten Patienten erfolge nach wie vor ei- ne konservative Therapie. Die aktive und lebenslange Mitarbeit des Betroffenen sei jedoch wesentlich. Sie füh- re zu einer kompletten Wiederherstellung der Haltefä- higkeit oder verzögere zumindest die weitere Ver- schlechterung. „Die Indikation zur operativen Therapie ist erst nach fehlgeschlagener konservativer Therapie zu erwägen und dann jeweils sehr individuell zu stellen.“ Die konservative Therapie umfasse unter anderem das sogenannte Toilettentraining und das Führen eines Stuhl- tagebuchs. Ein Muskeltraining unter sachkundiger An- leitung eines Physiotherapeuten sei von großer Bedeu- tung. Gegebenenfalls könne das aktive Muskeltraining zunächst mit einer Schwellstromtherapie und einer Bio- feedbacktherapie begonnen werden. Als operative Methode eigne sich bei der häufigsten Ur- sache, der peripheren neurogenen Schädigung, die sa- krale Nervenstimulation. Hierbei werden die Nerven, die die Schließmuskulatur versorgen, an ihren Austritts- stellen am Sakralmark mit elektrischen Impulsen stimu- liert. Diese Methode habe mittlerweile einen definitiven Platz in der operativen Behandlung der Stuhlinkonti- nenz erreicht. Bis zum Jahr 2010 wurden weltweit 65.000 Eingriffe vorgenommen. Die Zahlen der Schließmuskelersatzplastiken seien hingegen aufgrund der möglichen lokalen Komplikationen rückläufig. Nadine Millich

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