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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2013

kontinenz aktuell November/20136 Originalarbeit Chronische Obstipation betrifft Menschen aller Altersgruppen; rund 16 bis 17 Prozent der er- wachsenen Bevölkerung in Europa und USA sind von ihr betroffen (1). Mit zunehmendem Alter steigt die Problematik der chronischen Obs- tipation an, wobei sie nicht not- wendigerweise als Konsequenz des Alterns angesehen werden darf (2, 3). Häufig ist die chroni- sche Obstipation mit Koprostase und Stuhlinkontinenz verbunden und wird damit zu einer Komplika- tion, die zur Krankenhausaufnah- me führen kann. Besonders proble- matisch wird die Situation bei ei- ner altersabhängigen Multimorbi- dität (zum Beispiel Morbus Parkin- son, Morbus Alzheimer) und Poly- medikation (zum Beispiel Psycho- pharmaka, Diuretika). Da eine ur- sächliche Behandlung der chroni- schen Obstipation beim multimor- biden älteren Patienten häufig nicht mehr möglich ist, steht die symptomatische Therapie im Vor- dergrund. Hier kommt der Laxan- tiengabe besondere Bedeutung zu. Bei der Auswahl eines geeigneten Laxans für die Therapie der chroni- schen Obstipation bei geriatri- schen Patienten muss insbesonde- re der Einsatz von Laxantien bei der in dieser Altersgruppe häufig auftretenden Multimorbidität mit daraus resultierender Multimedika- tion betrachtet werden. Außerdem ist die Verträglichkeit bei Dauer- therapie ein entscheidender Fak- tor, da alte Menschen deutlich an- fälliger sind für Nebenwirkungen – zum Beispiel im Bereich Wasser- und Elektrolythaushalt, aber auch in Bezug auf geriatriespezifische Problemstellungen wie Instabilität und Sturzneigung. Weiterhin muss die Praktikabilität der Therapie für geriatrische Patienten bewertet werden. Methodik Zunächst wurden Profile der wich- tigsten Laxantien unter Zuhilfenah- me der Fachinformationen erstellt. Pro Wirkstoff wurden die gängigs- ten Präparate in die Auswertung einbezogen, jeweils also zwischen zwei und fünf verschiedene Fachin- formationen. Es wurden Übersich- ten zu Interaktionen (gegliedert in Arzneimittel-Arzneimittel- sowie Arz- neimittel-Erkrankungs- und Arznei- mittel-Nahrungs-/Genussmittel-Inter- aktionen), Nebenwirkungen (mit Angabe der Häufigkeit), Kontra- indikationen (gegliedert nach ab- soluten und relativen Kontraindika- tionen) und Therapiedauer jedes Wirkstoffs erstellt (Tab.). Die so gewonnenen Informationen wurden in Vergleichstabellen zu- sammengefasst. Diese wurden dann bearbeitet, um die Ergebnis- se in numerischer Form verglei- chen zu können. Zu diesem Zweck wurden für die Bewertung der Ne- benwirkungsrisiken drei Risikoklas- sen je nach Häufigkeit eingeführt (Tab.). Die möglichen Interaktio- nen erhielten den Zahlenwert eins. Anschließend wurden die Informa- tionen den hier relevanten geria- triespezifischen Erkrankungskom- plexen zugeordnet und zusam- mengefasst. Für jeden geriatrie- spezifischen Erkrankungskomplex wurden wirkstoffbezogen sowohl die Einzelrisiken als auch das Ge- samtrisiko grafisch dargestellt, um die Risiken einer Laxanstherapie im Rahmen der geriatrischen Multi- morbidität abzuschätzen (Anmer- kung: die Formatierung der y-Ach- se entspricht dem jeweiligen maxi- malen Risikowert). Die gefundenen Interaktionen wur- den für die Beurteilung der Risiken einer Laxanstherapie hinsichtlich der bei geriatrischen Patienten häufigen Multimedikation nach In- teraktionskomplexen zusammen- gefasst und ebenfalls grafisch dar- gestellt. Für die Gesamtbewertung wurden die Risiken aller betrachteten Er- krankungskomplexe zusammenge- fasst und das mittlere Risiko der einzelnen Substanzen bestimmt. Diese individuelle Risikokennzahl wurde anschließend zur Ermittlung des Empfehlungsgrads der einzel- nen Laxantien in der Therapie ger- iatrischer Patienten verwendet. Ergebnisse Multimedikation Vergleicht man die potenziellen In- teraktionen der wichtigsten Laxan- tien mit anderen Arzneimitteln so- wie mit Nahrungs- und Genussmit- teln, so zeigen sich drei mögliche Arten von Interaktionen, die alle eine für geriatrische Patienten ho- he Relevanz besitzen. Gefahr von Elektrolytstörungen und dadurch verstärkten Arzneimittel- wirkungen bei Laxanstherapie (Abb. 1) Lactulose, Natriumpicosulfat und Bisacodyl bergen die Gefahr eines verstärkten Elektrolytverlustes bei der Kombination mit Arzneimitteln, welche ebenfalls eine Verschie- bung des Elektrolythaushaltes be- günstigen: Diuretika, aber auch Tab.: Einteilung der Nebenwirkungsrisiken nach Risikoklassen Häufigkeit der NW lt. FI Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten Sehr selten Keine Angabe/unbekannt/kann auftreten Einzelfälle Risikoklasse 3 3 2 2 1 1 1

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