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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2013

kontinenz aktuell November/201328 Pressemitteilung der Gesellschaft Bessere Patientenaufklärung bei Netzimplantat-Operationen gefordert Der aktuelle und bundesweit ausgestrahlte Beitrag der NDR-Fernsehsendung „Visite“ zum Thema Netzimplantate hat viele Inkontinenz-Patientinnen verunsichert. Gezeigt wurde der Fall einer Patientin, die seit dieser Operation unter starken Schmerzen leidet. Prof. Dr. Klaus-Peter Jünemann, Erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft und Direktor der Klinik für Urologie am Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein, nimmt dazu Stellung. „Der Umgang mit Netzimplan- taten zur Korrektur einer Blasen- senkung ist nicht unproblematisch. Netzimplantate nahmen ihren Ur- sprung in den USA und führten auch dort zu nicht unerheblichen Komplikationen beziehungsweise Komplikationsraten. Aus diesem Grund hat die Food and Drug Ad- ministration (FDA) bereits im Jahre 2008 darauf hingewiesen, dass aufgrund der sehr hohen Kompli- kationsraten Implantate nur bei Re- zidiv-Eingriffen, also einem erneu- ten Auftreten von Inkontinenz, indi- ziert sind. Seit dem Jahre 2011 stehen diese Implantate darüber hi- naus unter Beobachtung der FDA. Es ist wichtig, darauf zu verweisen, dass Netzimplantate zwar durch- aus ihren Stellenwert haben und auch ihre Berechtigung, da in mehr- fach voroperierten Situationen kein ausreichendes Gewebe mehr vor- handen ist, um der Patientin helfen zu können. Bei Primäreingriffen ha- ben diese Netze allerdings nichts zu suchen. Entscheidend aber ist, dass derjenige, der mit Netzimplan- taten arbeitet, ausreichend Erfah- rung haben sollte, und hier sei auf die zertifizierten Kontinenz- und Be- ckenboden-Zentren der Deutschen Kontinenz Gesellschaft verwiesen, die einen hohen Standard in Diag- nostik und Therapie von Patientin- nen mit dem dargestellten und ge- schilderten Problem vorhalten. Es bleibt zu fordern, dass Netze nur dann eingesetzt werden soll- ten, wenn vor der Operation Be- schwerden vorliegen und diese ge- nauestens einer diagnostischen Prüfung unterzogen wurden. Bei jüngeren Patientinnen sollte der Einsatz von Netzimplantaten eher zurückhaltend Einsatz finden, und es bedarf einer sehr sauberen OP- Technik und maximalen Hygiene- voraussetzungen. Die heute zur Verwendung kom- menden Netze sollten grundsätz- lich vom Typ 1 polypropylene Net- ze (makroporös, monophil und low weight) hergestellt sein, und das Training des Chirurgen sowie dessen Erfahrungen im Umgang mit diesen Netzen sollten vor der Operation erfragt werden. Auch erfahren Patienten eine Menge über die Qualität der operieren- den Klinik, wenn sie sich erkundi- gen, ob die Ergebnisse prä- oder postoperativ dokumentiert werden. Summa summarum bleibt festzustel- len, dass der Beitrag im NDR einer Wachrüttelung gleichkommt, die korrekt recherchiert wurde und die Möglichkeit von Komplikationen nach einer Netzimplantation auf- zeigt. Andererseits muss man auch feststellen, dass Netzimplantate schon indiziert sein können, wenn dafür entsprechende Voraussetzun- gen keine andere Lösung zulassen. Wie so oft zeigt sich, dass in der Medizin Qualität nicht ubiquitär, sprich flächendeckend, vorhanden ist und dass auch hohe Fallzahlen nicht notwendigerweise den Erfolg garantieren. Eine adäquate Aufklä- rung jedoch, welche möglichen Ne- benwirkungen auftreten können, ist eine unabdingbare Voraussetzung, die jedem Patienten vor einer The- rapie – ob chirurgisch oder konser- vativ – mitgeteilt werden muss.“ Foto: NDR Gesellschaft aktuell

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