Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2013

kontinenz aktuell November/2013 25 Übersichtsarbeit eine Harninkontinenz verifizieren können. Erst nach Persistenz der Beschwerden und erneuter Vor- stellung war der Nachweis einer Fistelinkontinenz durch Blaufüllung der Blase und vaginales Einlegen eines Tupfers über mehrere Stun- den gelungen. Die Zuweisung in unser Kontinenzzentrum erfolgte nun unter dem Verdacht auf eine okkulte vesicovaginale Fistel. Bei der vaginalen Einstellung ließen sich keine fisteltypischen Verände- rungen wie „Granulationen“ oder „Nekrosen“ darstellen; jedoch zeigte die Zystoskopie an der Bla- senhinterwand eine Schleimhaut- aufwerfung und eine Einziehung, die als suspekt auf das Vorliegen ei- nes Fisteleinganges gewertet wur- de. Eine Sondierung war jedoch nicht möglich (Abb. 1 und 2). Hysteroskopisch fand sich eine narbige Einziehung im Isthmus. Bei der Introitussonografie ließ sich ebenfalls im isthmischen Teil des Uterus eine Dehiszenz darstel- len (Abb. 3), sodass sich der Ver- dacht auf eine utero-vesikale Fistel verdichtete. Der bildmorphologische Nachweis der Fistel gelang schlussendlich durch eine Zystografie, die einen Kontrastmittelübertritt in die Gebär- mutterhöhle zeigte (Abb. 4). Nach Ausschluss einer zusätzli- chen Läsion des oberen Harntrak- tes per Ausscheidungsurogramm erfolgte der Entschluss zur operati- ven Revision: Nach Exstirpation der alten Sectionarbe wurde so- wohl die blasenseitige Fistelöff- nung exzidiert und zweischichtig übernäht als auch die Öffnung der Uterushöhle angefrischt und ver- näht. Es erfolgte nach Interposition eines Peritoneal-Flaps die Drai- nage der Peritoneal-Höhle und des Cervicalkanals durch eine Blake- Drainage beziehungsweise eine in die Cervix eingelegte intravaginal endende Drainage. Nach zehn- tägiger Dauerkatheterableitung schloss ein erneutes Zystogramm eine Konstrastmittelextravasation aus; nach Katheterentfernung war die Patientin kontinent. Diskussion Obwohl eine Postsectio-caesarea- Inkontinenz nach Ausschluss der häufigeren vesicovaginalen oder uretero-vaginalen Fistel eine utero- vesikale Fistel wahrscheinlich macht, ist diese Entität ein eher sel- tenes Geschehen und wegen der weniger zugänglichen Fistelöff- nung schwerer zu diagnostizieren. Sie sollte besonders bei jüngeren Frauen mit Kaiserschnitt in der Vor- geschichte und wie in unserem Fall inkonstantem Urinverlust, der in kein „Schema“ einzuordnen ist, mit in die differenzialdiagnosti- schen Überlegungen einbezogen werden. Gleiches gilt für unklare, unter Umständen menstruationsab- hängige Hämaturien bei Frauen ähnlicher Vorgeschichte. Ein inter- disziplinärer Ansatz innerhalb ei- nes Kontinenzzentrums mit der He- ranziehung aller diagnostischen Möglichkeiten ist daher sinnvoll. Abb. 1 und 2: Zystoskopischer Blick auf die Blasenhinterwand – „Falte“ und gangsuspekte „Einziehung“

Pages