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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2013

kontinenz aktuell November/201322 Übersichtsarbeit he von TH 5 (Umschaltstelle des autonomen sympathischen Ner- vensystems) und ISG mit Sacrum (Umschaltstelle des autonomen pa- rasympathischen und des somati- schen Nervensystems), kann die Physiotherapie die Funktionsweise der Nerven unterstützen und somit eine bessere Innervation (soma- tisch/vegetativ) der Organe und Muskulatur fördern. Physiologi- sche Bewegungsmöglichkeiten im Wirbelsäulenverlauf sind für eine reaktive Kraftentwicklung im Be- ckenboden von großer Bedeutung. Eine neutrale Stellung der Wirbel- säule erhöht die Kraftentwicklung im M. levator ani (6). Osteopathie: Im Verlauf von pe- ripheren nervalen Strukturen kön- nen sich Nervenirritationen erge- ben durch Verletzungen wie Prel- lungen, Verklebungen oder Fehl- spannungen der umliegenden Strukturen. Über das Freilegen der Gleitlager kann die Weiterleitung der Impulse wieder gefördert wer- den (4). Sogenannte Engstellen der Nerven im Verlauf des knö- chernen Beckens bei Durchtritt durch einen Muskel oder im Ver- lauf einer Hautduplikatur werden gedehnt und mobilisiert, zum Bei- spiel der Nervus pudendus beim Austritt aus dem Foramen infrapiri- forme, beim Eintritt in das Fora- men ischiaticus minor oder im wei- teren Verlauf im Alkock-Kanal über die Fossa ischiorectalis (3). Irritationen des Plexus lumbalis oder sacralis können zum Beispiel entstehen durch Muskelfehlspan- nungen des M. psoas, der Bauch- muskulatur oder des M. piriformis. Segmentale Irritationen können durch vorhandene Restriktionen oder Blockaden der Wirbelsäule entstehen und durch mobilisieren- de oder manipulierende Techniken beeinflusst werden. Haltungskorrektur Physiotherapie: Fehl- beziehungsweise Schonhal- tungen des Rumpfes und damit be- lastende Druckübertragungen in den Becken- und Bauchraum sind ein häufig beschriebener Schädi- gungsmechanismus für den Be- ckenboden (9). Ursachen für Fehl- haltung sind vielfältig und bedür- fen einer sensiblen Korrektur mit entsprechenden Hilfestellungen. Diese können Entlastung (zum Bei- spiel von Armgewicht), neues Bück- und Trageverhalten, Verän- derung der Arbeitsplatzergono- mie, Dehnung von verkürzten Strukturen oder angepasste Toni- sierung von funktionsarmer Musku- latur sein. Durch Operationsnarben und de- ren Verkürzungen durch pathologi- sche Crosslinks kann es zu Hal- tungsanpassungen gekommen sein, die einem günstigen Funktionserhalt von Zwerchfell, Bauchmuskulatur und M. levator ani entgegenwir- ken. Dehntechniken (aktiv und pas- siv), auch als Eigendehnungen, und Narbenmobilisationstechniken fin- den hier ihren Einsatz (9). Osteopathie: Die Osteopathie versucht auf das gesamte fasciale System dehnend und mobilisie- rend Einfluss zu nehmen, zum Bei- spiel auf Ligamentum umbilicale, Urachus und Ligamentum falcifor- me hepar sowie Ligamentum pu- bovesicale, sodass der Körper ei- ne Chance zur besseren Oberkör- peraufrichtung bekommt und nicht durch Züge aus dem Bauchraum eingeschränkt wird. Die Dehnfä- higkeit des Omentum minus spielt bei der Aufrichtung ebenso eine wichtige Rolle wie natürlich auch das Mobilisieren von Verklebun- gen der tiefen inneren Vernarbun- gen und Verklebungen. Durch die segmentale Arbeit für das Becken wird eine physiologi- sche Haltungskorrektur vorbereitet. Förderung der Körperwahrnehmung Physiotherapie: Die Physiothe- rapie verfügt über methodische Mittel und Vorgehensweisen, Ver- änderungen im Körper abzufra- gen und sie so bewusster werden zu lassen und abzuspeichern. Eine Bewegung wird vom Gehirn ge- steuert, und eine Funktion, die ab- gerufen wird, ist im motorischen Cortex gespeichert. Wird eine Funktion wie die des Blasenver- schlusses neu erarbeitet und be- wusst angesteuert, kommt es zu einer Reorganisation der Bewe- gungssteuerung, um später als re- aktive Funktion abrufbar zu wer- den. Dieser Lernprozess wird in der Physiotherapie durch Erwe- ckung der Aufmerksamkeit, durch Hautkontakt, gezielte Wiederho- lungen, ständige Anpassung der Bewegungsaufträge, Feedbackver- fahren und reflektierende Gesprä- che unterstützt. Eine motivierende, empathische und individuelle Ge- sprächs- und Therapieatmosphäre schafft einen Rahmen, diese neuen körperlichen Erfahrungen mit Emo- tionen abzuspeichern. Osteopathie: Durch cranio sa- crale Techniken können durale Spannungen gelöst werden, was sich positiv auf die Liquorpulsation auswirkt und damit die nervale Versorgung im vegetativen Ner- vensystem ausgleicht. Daraus kön- nen Eigenkorrekturen im Körper entstehen, und er wird besser wahrgenommen und gespürt (5). Verhaltensänderung Um den Therapieerfolg zu halten, ist ein wichtiger Teil des Lernprozes- ses in der Physiotherapie der fort- laufende Motivations- und Informati- onsprozess (Patient education). Die- ser soll die Aktivitäten der Patienten überprüfen, eventuell korrigieren, verstärken und begleiten, damit die Regeneration der Beckenboden- muskulatur und Organstrukturen er- möglicht wird. Eine Übertragung des Gelernten in die Partizipations- ebene, das heißt in ein Leben, wel- ches ohne Einschränkung durch Be- ckenbodenfunktionsverlust stattfin- den kann, ist das Ziel des therapeu- tischen Prozesses. Gesprächsfor- men und Techniken der Verhaltens- psychologie können durch die ge- schulte Physiotherapie eingesetzt werden (10, 11).

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