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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2013

kontinenz aktuell November/201320 Übersichtsarbeit Die Ausbildungen im Vergleich Die staatlich anerkannte Physiothe- rapieausbildung umfasst mindes- tens 4 500 Unterrichtsstunden (Be- rufsfachschule drei Jahre). Die akademische Qualifizierung mit dem Bachelor und Master für Phy- siotherapie ist möglich. Die fach- bezogene Weiterbildung mit der Physio-Pelvica-Abschlussqualifikati- on umfasst weitere 84 Stunden. Physiotherapeuten dürfen nur auf ärztliche Verordnung nach den geltenden Heilmittelrichtlinien tätig werden. Die Vergütung ist gesetz- lich geregelt und erfolgt über die gesetzlichen Krankenkassen. Der Abschluss zum Osteopathen kann als Vollzeitausbildung mit 4 360 Unterrichtsstunden absol- viert werden oder innerhalb von fünf Jahren als berufsbegleitende Weiterbildung mit 1 350 Unter- richtsstunden erworben werden. Voraussetzung für die Weiterquali- fizierung ist der Berufsabschluss der Physiotherapie, des Heilprakti- kers oder ein abgeschlossenes Me- dizinstudium. Die Weiterbildung wird mit einer Prüfung abgeschlos- sen, Graduierung zum Diplomos- teopathen, Bachelor und Master sind möglich. Derzeit können die Osteopathen in Deutschland als „First Contact“ besucht werden, wenn diese auch Heilpraktiker sind. Der Physiotherapeut als Os- teopath benötigt eine ärztliche Ver- ordnung, um tätig werden zu dür- fen. Osteopathen arbeiten auf ei- gene Rechnung, die heute unter bestimmten Voraussetzungen von vielen gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst wird. Der Weg zu den Therapiezielen In der Physiotherapie ergeben sich die Therapieziele auf der Grundlage anatomischer, physio- logischer und pathophysiologi- scher Kenntnisse sowie des Wis- sens über funktionelle Bewegungs- therapie, psychosomatische Zu- sammenhänge und bewegungspä- dagogische Aspekte. Die Thera- pieziele können durch verschiede- ne Techniken und Maßnahmen er- reicht werden. Die Physiotherapie verwendet standardisierte Testver- fahren und funktionelle Tests wie das PERFEKT-Schema, Miktions- oder Defäkationstagebücher als Nachweis für eine Dysfunktion von Blase oder Darm (9). Die Osteopathie ist auf der Su- che nach der somatischen Dys- funktion. Kennzeichen sind: • Asymmetrie (ganzer Körper, Körperregion eines Körperseg- ments) • Bewegungsverlust (allgemein, regional oder segmental) • Gewebeveränderungen (Hyper- oder Hypotonus in Fascien, Liga- menten, Organstruktur). Dazu werden strukturelle Testver- fahren wie die Beweglichkeit der Wirbelsäule oder Gelenke in allen Ebenen genutzt sowie spezifische Tests zur Organmobilität und -mo- tilität sowie Listening-Techniken auf der Suche nach Gewebespannun- gen und Kongestionen. Eine somatische Dysfunktion ist die geänderte physiologische Funktion des somatischen Systems (betrifft den ganzen Körper), die skeletta- len, arteriellen und myofascialen Strukturen, die mit vasculären, lym- phatischen und neuralen Elemen- ten in Zusammenhang stehen. Das Finden der somatischen Dys- funktion hilft dem Osteopathen, um 1. eine Diagnose zu bestätigen 2. die strukturelle Komponente des Problems des Patienten zu behan- deln, die selbstschützenden und selbstregelnden Mechanismen des Körpers zu unterstützen. Die Regel der Arterial Rule ist ein wichtiger Leitsatz in der Osteopa- thie: Alle Flüssigkeiten müssen flie- ßen, und jede Zelle muss optimal versorgt werden (arteriell, venös, lymphatisch, Liquor). Mögliche Therapieziele bei Be- ckendysfunktionen können sein: Verbesserung der muskulären Situation Physiotherapie: Ein Muskel kann in seiner Funktionsweise nur durch aktive Bewegungsmuster trainiert werden. Die Ansteuerung einer Muskulatur wird funktionsge- recht und strukturgerecht visuali- siert, isoliert und dann in Muskel- ketten erarbeitet. Synergistische Funktionen werden dabei genutzt und neu konditioniert. Durch Tech- niken der Aktivierung und Kräfti- gung kann diese Muskelfunktion in Funktionen des täglichen Lebens mit aufgenommen werden. Physio- therapeuten bauen so ein befund- bezogenes individuelles Übungs- programm auf. Dadurch wird auch die intra- und intermuskuläre Koordination möglich und die Be- weglichkeit der Strukturen verbes- sert (13). Zusätzlich kommt es zu einer Verbesserung des neuromus- kulären Zusammenspiels, zur Ent- wicklung einer Hypertrophie in der Muskulatur und Anpassungen im umgebenden Bindegewebe. Der Clinical-Reasoning-Prozess mit ständiger Anpassung der Thera- pieziele ist dabei notwendig. Osteopathie: Hier kann die Os- teopathie die Verklebungen oder Adhäsionen der muskulären Fas- cien zueinander lösen und damit die Bereitstellung der Muskelpoten- ziale gewährleisten. Behandelt wird zum Beispiel medial der Tu- ber ischiadica, suprapubisch, an der Membrana obturatoria und im gesamten Bereich des OS Ilium, um Einfluss auf Beckenbodendys- funktionen zu bekommen. Osteopathisch werden palpato- risch Dysfunktionen im muskulären Bereich aufgespürt und Techniken wie Spontaneous Release, Strain and Counterstrain sowie Jones an sogenannten Triggerpunkten ange- wendet (3). Ebenso sind myotensive Techni- ken, konzentrisch, isometrisch oder exzentrisch, möglich.

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