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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2013

kontinenz aktuell November/2013 17 Übersichtsarbeit nach osteopathischer Behandlung oft erstaunliche Lageveränderun- gen der Organe oder Größenver- änderungen etwa bei Myomen und ovariellen Cysten ergeben. Führt man Sonografien vor und nach Behandlung durch, so kann man diese Veränderungen sicht- bar machen. Studien hierzu sind geplant. Über die enge Verbindung der Bla- se und vor allem des urethralen Verschlusssystems mit den Ossa pubes ergibt sich für den Osteopa- then ein guter Ansatz für Behand- lungen. Gerade die Symphyse ist ähnlich oft wie der Ileosakralbe- reich mit gravierenden Funktions- störungen behaftet. Eine Entspan- nung der symphysealen Gelenk- verbindungen bringt sofort auch eine Entspannung im Bereich des Verschlussmechanismus der Ure- thra und im Tonus der Blasenmus- kulatur. Mediziner kennen die Probleme mit der Uterussenkung in und teilweise auch schon vor der Me- nopause. Aber sollte das uterosa- krale Ligament sich nicht wie die anderen Ligamente der Gebärmut- ter durch den hormonell bedingten Elastizitätsverlust zusammenzie- hen? Auch die Gebärmutter wird deutlich leichter und kleiner. Sollte also die Gebärmutter nicht straff, nicht dorsal und kranial gezogen werden? Die Erklärung liefert hier die Be- ckenbodenforschung, wie sie von Goeschen und Peter E. Papa Petros betrieben wurde und die fester Bestandteil der Integraltheo- rie zur Blasenkontinenz ist (14). Die longitudinal Analmuskulatur, ein Teil des Muskulus levator ani, ist fest mit der Cervix uteri verbun- den. Bei einem Hypertonus dieses Muskels, wie er etwa bei Vernar- bungen im Dammbereich und im hinteren Scheidengewölbe auftritt, kommt es zu einem dauernden Zug am uterosakralen Ligament. Die Ursachen hierfür können viel- fältig sein; es kommt oft nach Geburten zu andauernden Verän- derungen in diesem Bereich. Da- durch schwächt auf Dauer das ute- rosakrale Ligament ab, um den Zug nach kaudal zu mildern. Die Folge ist ein Absinken der Gebär- mutter. Entspanne ich die longitudinale Analmuskulatur, so kann das ab- geschwächte und gestresste Band sich erholen und seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Dies lässt auch bei älteren Patientinnen die Ge- bärmutter wieder an ihren ange- stammten Platz zurückkehren. Osteopathische Behandlungs- möglichkeiten bei Leistenhernien Zum Schluss noch etwas für die anschließende Diskussion. Das Wissen, dass Leistenhernien durch konservatives Abwarten nicht verschlechtert werden, hat sich zwar wissenschaftlich durch- gesetzt, im chirurgischen Alltag und in der Bevölkerung ist das aber noch nicht angekommen (17). Die Nebenwirkungsrate der Leistenhernienoperation ist er- staunlich groß. Sie liegt auch heu- te noch, je nach Operationsmetho- de, bei weit über zehn Prozent (17 bis 22). Dass sich Leistenhernien durch ei- ne osteopathische Behandlung be- einflussen lassen, dürfte den Leser überraschen und hat auch mich überrascht. Doch auch hier gilt: Ist die Balance im Becken erst einmal wiederhergestellt, können Organe und Strukturen wieder heilen. Seit 15 Jahren behandle ich in meiner Praxis Leisten-, Narben- und Um- bilikalhernien osteopathisch. Bei über 50 Patienten hat es auch nach Jahren keine Rezidive gege- ben. Ein 75-jähriger Mann hatte nach einer Darmkrebsoperation 2005 unmittelbar postoperativ eine zehn mal fünf Zentimeter große Narben- hernie entwickelt. Unter meiner Behandlung schloss sich diese in- nerhalb von vier Monaten. In die- sem Jahr trat ein drei Zentimeter großes Rezidiv auf. Auch dies sprach auf die osteopathische Be- handlung gut an und war nach zwei Monaten wieder zu. Auch Leistenhernien ließen sich in meiner Praxis gut und zumeist rezi- divfrei behandeln (Beobachtungs- zeit teilweise seit 1997; 23). Selbst bei einem Pferdeschmied, der jeden Tag oft weit über 50 Ki- logramm heben muss und der seit Jahren kein Bruchband bei der Ar- beit trägt, trat bisher kein Rezidiv seiner 2003 von mir behandelten Rezidivleistenhernie auf. Eine retrospektive Studie hierzu wird gerade erstellt. Insgesamt zeigt meine über mehr als 15 Jah- re gewonnene Erfahrung, dass es sich lohnt, über osteopathische Be- handlungen im Bereich des Be- ckenbodens bei vielfältigen Funk- tionsstörungen nachzudenken. Zusammenfassung und Ausblick Osteopathie ist eine ganzheitliche Heilmethode, die von dem Land- arzt Andrew Taylor Still um 1900 weitergegeben wurde. Sie akti- viert Selbstheilungskräfte und ist nicht nur bei muskuloskelettalen Er- krankungen vielfältig einsetzbar. Im Bereich des Beckenbodens ha- be ich anhand von Beispielfällen aus meiner allgemeinmedizini- schen Praxis dargestellt, bei wel- chen Erkrankungen ein osteopathi- sches Vorgehen Erfolg verspricht. Vielfältige positive Erfahrungen konnte ich bei akuten und chroni- schen Blaseninfekten gewinnen. Poliakisurie, Dysurie und Nycturie sowie die Enuresis bei Kindern sind mit osteopathischen Techni- ken gut zu beeinflussen. Die Be- handlung der Blaseninkontinenz bei Frauen, aber auch bei Män- nern, ist ein Schwerpunkt meiner Behandlungen und wurde in Studi- en untersucht. Senkungsbeschwerden der Blase wie der Gebärmutter lassen sich in Anfangsstadien ausheilend, in späteren Stadien bessernd durch die Osteopathie beeinflussen.

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