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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2013

kontinenz aktuell November/2013 15 Übersichtsarbeit und Methodistenpfarrers Andrew Taylor Still nach einer neuen Heil- methode. Er war davon über- zeugt, wenn Gott es zulässt, dass der Körper erkrankt, muss es auch in jedem Körper Wege geben, dass dieser wieder gesundet. Still sah ursprünglich die Osteopathie als eine Erweiterung der damali- gen Medizin an, um „das gegen- wärtige System der Chirurgie, der Geburtshilfe und der Behandlung allgemeiner Erkrankungen zu ver- bessern“ (1). Sein Ziel war, die Selbstheilungs- kräfte zu aktivieren „und alle die Nerven und Gefäße störenden Funktionseinschränkungen zu be- seitigen“ (2). Durch seine manuel- le Behandlungsmethode suchte Still im Patienten ein neues, selbst- regulierendes, individuelles Funkti- onsgleichgewicht und damit Ge- sundheit wiederzufinden. Er setzte seine neuen Erkenntnisse zur Be- handlung bei allen Erkrankungen ein (3). Seine Schüler nahmen seine Ge- danken und Methoden auf und entwickelten sie weiter (4). Heute setzt man neben Mobilisations- und manipulativen Techniken, wie sie auch in der Chirotherapie an- gewendet werden, überwiegend auf weichere Methoden wie etwa myofasziale Entspannungstechni- ken (5), die von William Garner Sutherland entwickelte Kraniosa- kraltherapie (6), lymphatische und venöse Drainagetechniken, funk- tionelle Techniken und andere mehr. Zusammenfassend kann ge- sagt werden, dass die Osteopa- thie konzeptionell auf drei fun- damentalen Prinzipien auf- baut: • Der Körper ist eine Einheit. Außer dem Körper sind auch Geist und Seele zu berücksichtigen. • Der Körper ist zur Selbst-Regulation, zur Selbstheilung und zur Erhal- tung von Gesundheit befähigt. • Struktur und Funktion stehen in enger wechselseitiger Bezie- hung (9). Osteopathie in Deutschland In Deutschland wird die Osteopa- thie seit den 1980er-Jahren gelehrt und hat in der vergangenen Zeit ei- ne enorme Verbreitung erfahren. Insbesondere hat sich eine große Zahl von Physiotherapeuten zu Os- teopathen ausbilden lassen (7). Daneben gibt es aber eine Viel- zahl weiterer Ausbildungswege. Einen hohen Ausbildungsstandard bieten Osteopathieschulen, die ge- mäß den Regularien der BAO (Bundesarbeitsgemeinschaft Osteo- pathie) ausbilden. Diese sind auf physiotherapeutische Osteopathie- schüler ausgerichtet mit einer Aus- bildungsstundenzahl von mindes- tens 1350 Stunden in vier bis fünf Jahren. Für Ärzte gibt es die Mög- lichkeit, sich berufsbegleitend über 700 bis 800 Stunden zum zertifi- zierten osteopathischen Arzt aus- bilden zu lassen (8). Unter dem Dachverband der europäischen ärztlichen Osteopathen (EROP) gibt es in Deutschland zurzeit über 2 000 ärztliche Kollegen, die die Osteopathie praktizieren. Der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer hat sich Ende 2009 mit der Osteopathie in einer Arbeitsgruppe beschäftigt (7). Sehr positiv zur Osteopathie äußerte sich auch die Weltgesundheitsor- ganisation (WHO), die in einem über Jahre fortdauernden Verfah- ren die Osteopathie als eigenstän- dige Medizinform erachtet und Ausbildungsstandards definiert (10). Krankheitsbilder im Bereich des Beckens und ihre osteopathische Behandlungsmöglichkeit an Fallbeispielen Seit dem Beginn der Osteopathie wird diese nicht nur im Bereich der muskuloskelettalen Erkrankungen, sondern bei allen Erkrankungen eingesetzt. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die ersten Osteopathen vor über 100 Jahren in der amerikani- schen Gründerzeit auf dem Lande unter ganz anderen rechtlichen Voraussetzungen arbeiteten als wir heute unter „evidence based medicine“-Standard. Des- halb ist heute eine schulmedizini- sche Abklärung immer der erste Schritt vor einer osteopathischen Behandlung. Bei funktionellen Er- krankungen erfolgt dann eine os- teopathische Behandlung. Bei eini- gen organischen Erkrankungen ist eine Zusammenarbeit zwischen schulmedizinischen Behandlern und Osteopathen erforderlich (11). Ich möchte nun anhand einiger Fallbeispiele zeigen, wie ich in meiner Praxis Erkrankungen der Beckenorgane behandle: Recht oft kommen Patienten mit akuten Blaseninfekten in meine Praxis. So auch eine 34-jährige Frau mit erosiver Cystitis, die wei- nend über stärkste krampfartige Beschwerden berichtete. Nach os- teopathischer Entspannung der Blase, einschließlich des Halteap- parates, der Symphyse und des lumbosakralen Überganges, war die Patientin schmerzfrei, und der Infekt heilte innerhalb eines Wo- chenendes mit flankierenden natur- heilkundlichen Maßnahmen, wie Wärmetherapie, Cranberryextrakt und Capsicum als homöopathi- sches Einzelmittel, aus. Auch Patienten mit rezidivierenden Cystitiden sind osteopathisch gut behandelbar. Ursache dieser Er- krankungen sind nach meiner Be- obachtung oftmals Verziehungen und Verklebungen der Harnblase selbst sowie der umgebenden Strukturen wie Gebärmutter, Ova- rien, Darmschlingen und des Be- ckenbodens. Ist die nervliche und arteriovenöse Versorgung reizfrei und der lymphatische Abfluss ge- geben, heilt die Blasenerkrankung nachhaltig aus. Über Studien zur Blaseninkon- tinenz berichtet der Artikel von Karin Gerhardt D.O. Ich möchte hierzu die folgende Kasuistik einer eigenen 85-jährigen Patientin er- gänzen: Die Patientin litt neben ei- ner Osteoporose und Polyarthrose

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