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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2013

kontinenz aktuell Juli/201318 Übersichtsarbeit Material Typ I der Amid-Klassifika- tion aus 1994; dieses monofila- mentäre und makroporöse Materi- al besitzt eine Porengröße von größer 75 Mikrogramm und zeigt weniger Fremdkörper- und Infektre- aktionen. So können Abstoßungs- reaktionen und persistierende In- fektionen praktisch vernachlässigt werden. Seit Ende der 1990er-Jahre gab es ebenso Entwicklungen zum Einsatz von ersten Mini-Schlingen, die noch weniger Invasivität durch ei- nen einzelnen Zugang in der Scheide aufzeigten. Bei diesen neuen Systemen sollte zum einen die Blindpassage deutlich redu- ziert werden – heißt, das Band wird weder blind retropubisch oder durch das Foramen obtur- atum geführt. Zum anderen wird hierzu eine deutlich verkürzte Schlinge von rund 6,5 bis zwölf Zentimeter und somit weniger Fremdmaterial benutzt. Somit sol- len vergleichbare Erfolgsergebnis- se mit gleichzeitig deutlich gerin- geren Nebenwirkungen erzielt werden. Erste Systeme wurden von Palma aus Brasilien beziehungsweise Pa- papetros aus Australien ab 1999 eingeführt, zeigten zum Teil wider- sprüchliche Ergebnisse und konn- ten sich daher nicht flächende- ckend durchsetzen. Ab 2005 kamen dann kommer- zielle Systeme mit vorgefertigten Schlingen und standardisierten Einführhilfen auf den Markt, um so eine verbreiterte Anwendung zu ermöglichen. Ebenso wie bei den konventionellen spannungsfreien Schlingen hatte sich das Typ-I-Poly- propylene-Material durchgesetzt. Diese Bänder werden durch eine kleine Kolpotomie an der vorderen Vaginalwand eingebracht und zu- meist beiderseits seitlich in der Fas- zie des Musculus obturatorius in- ternus, in der Obturator-Membran direkt oder seltener nach retropu- bisch geführt und befestigt. Bei ei- ner Bandlänge von rund 6,5 bis 8,5 Zentimetern werden die Blind- passage und damit mögliche Kom- plikationen auf ein Minimum redu- ziert. Das TVT-Secur-System der Firma Gynecare war das erste breit ein- gesetzte Minischlingenverfahren seit 2006. Ein etwa acht Zentime- ter langes Tape mit resorbierbaren Patches am Ende wurde mit einer feinen Metall-Lanzette nach beider- seits in U-Form retropubisch oder in H-Form (Hammock) nach trans- obturatorisch fixiert. Ein Release- mechanismus löste das Band vom Inserter. Nach erster klinischer Euphorie mit guten Erfolgsraten zeigte sich ein ernüchternder Rückgang der An- wendung. Grund hierfür waren die anfänglich schlechteren Ergeb- nisse bei längerer Beobachtung und die zum Teil nicht unerhebli- chen Probleme mit zum Beispiel deutlichen Blutungen. Die in der Li- teratur verfügbaren Daten schwan- ken zwischen 40 bis 87 Prozent. Untersuchungen aus der eigenen Klinik zeigten Kontinenzraten von 63 Prozent. Eine mögliche Ursa- che für die schlechteren Ergebnis- se war die zum Teil nur unzurei- chende Fixierungsmöglichkeit des kurzen Bandes beiderseits an der Beckenwand. Seit der FDA-War- nung über Probleme bei Anwen- dung von Netzen und Bändern wurde die Produktion dieses Ban- des eingestellt und ist nicht mehr erhältlich. Beim System MiniArc der Firma American Medical Systems wurde die Einführhilfe deutlich verklei- nert; hier wird das rund acht Zenti- meter lange Band mit zwei Ankern beiderseits in der Faszie des Mus- culus obturatorius internus veran- kert. Dank einer Weiterentwick- lung zum MiniArc-Precise wird das Band durch einen speziellen Halte- mechanismus an die Einführnadel fixiert und von einem speziellen Releasemechanismus abgelöst (Abb.1). Dieses System ist komfor- tabel einzulegen, zeigt nur mini- male Nebenwirkungen und über- zeugt mit einer praktischen Schmerzfreiheit, die eine Einlage auch in Lokalanästhesie möglich machen könnte. Die Nutzung klei- ner Widerhaken-Anker an beiden Enden führt zu einer stabilen und sicheren langfristigen Fixierung des Bandes. Aktuelle Arbeiten aus 2010 bis 2013 belegen eine hohe Effizienz der Methode ohne wesentliche Nebenwirkungen mit Erfolgsraten von 82 bis 93 Prozent bis zu Zwei- Jahres-Nachbeobachtungszeit. Obwohl dieses Band aufgrund der definierten Länge und der definier- ten Verankerungspunkte nicht nach- adjustierbar ist, treten Probleme wie Obstruktion, RH-Bildung oder Urgency in gleicher geringer Häu- figkeit wie bei den etablierten Abb. 1: MiniArc Precise-Schlinge (Firma American Medical Systems)

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