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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2013

kontinenz aktuell Juli/201316 Übersichtsarbeit Empfehlungen für Ärzte, die Netze anwenden: • Vor Anwendung von Netzeinla- gen muss ein ausreichendes Trai- ning erfolgen. • Der Arzt muss eventuell auftre- tende Komplikationen während der OP, wie Verletzungen von Organen oder Blutungen, besei- tigen und mögliche Nachwirkun- gen wie Erosionen oder Infektio- nen beherrschen können. • Der Arzt muss die Patientin über das permanente Verbleiben des Netzes im Körper und mögliche nachfolgende Risiken aufklären, die eine erneute Operation not- wendig machen könnten. • Der Arzt muss die Patientin über mögliche Nebenwirkungen mit Einschränkungen der Lebens- qualität, wie Schmerzen (auch beim Geschlechtsverkehr), Nar- benbildungen und Einengung der Scheide, informieren. • Die Patientin sollte genügend Aufklärungsmaterial erhalten und die möglichen postoperati- ven Risiken kennen. • Die Patientin muss ausführlich über alternative Behandlungsme- thoden auch nichtoperativer Art informiert werden und muss die geplante Operation verstehen. Im April 2012 wurde eine Aktuali- sierung von der FDA herausgege- ben und die Forderung nach wei- teren wissenschaftlichen Untersu- chungen zum Nutzen und zur Si- cherheit neuer transvaginaler Net- ze und Single-Incision-Schlingen gegeben. Zur gleichen Zeit teilte ein Markt- führer auf dem Gebiet der Meshes (Firma Ethicon von Johnson und Johnson) mit, ab 2013 die Produk- tion aller vaginalen Netze, zum Beispiel Prolift, einzustellen. In den USA laufen zudem zunehmende Klagen von betroffenen Frauen mit Komplikationen nach Netzeinlage mit hohen Geldforderungen. Sowohl die amerikanische als auch die deutsche Urogynäkologie-Fach- gesellschaft haben daraufhin ein klares Statement mit deutlichen Empfehlungen abgegeben. Vaginale Netze sind und bleiben in der Hand des erfahrenen Be- ckenboden-Operateurs eine wert- volle und positive Therapieoption beim ausgeprägten Genitalpro- laps. Es muss eine individuelle und um- fangreiche Aufklärung über das bestehende Senkungsproblem und mögliche Behandlungsmethoden operativer und nichtoperativer Art erfolgen. Bei medizinischer Not- wendigkeit einer zusätzlichen Netzeinlage müssen der Patientin das Für und Wider sowie mögli- che postoperative Probleme offen und umfassend erläutert sowie ge- naue Verhaltensmaßregeln mitge- teilt werden. Nach Möglichkeit sollte den betroffenen Frauen Infor- mationsmaterial über das verwen- dete Netz ausgehändigt werden. Der Arzt muss sich davon überzeu- gen, dass die Patientin das Vorge- hen verstanden hat. Die Ärzteschaft muss dafür sorgen, dass nur ausgebildete und erfahre- ne Operateure vaginale Netze bei richtiger Indikation einsetzen und mögliche Komplikationen sowie Nebenwirkungen rechtzeitig und adäquat in entsprechenden Zen- tren behandelt werden. Mögliche Indikationen für eine vaginale Netzeinlage: • Rezidiv-Deszensus nach fehlge- schlagener konventioneller Ope- ration • Monströse Primärfälle, bei de- nen ein konventionelles Vorge- hen ohne Netz-Unterstützung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erfolgreich wäre • Gegebenenfalls Primärfälle bei postmenopausalen älteren Frau- en ohne Partnerschaft • Individuelle Fälle, in denen Frau- en nach ausreichender Aufklä- rung und Bedenkzeit ausdrück- lich eine zusätzliche Netzeinla- ge wünschen. Die Deutsche Kontinenz Gesell- schaft hat eine Reihe von speziali- sierten Kontinenzzentren zertifiziert. Die Arbeitsgemeinschaft für Uro- gynäkologie und Beckenbodenre- konstruktion (AGUB) der Deut- schen Gesellschaft für Gynäkolo- gie und Geburtshilfe hat ein umfas- sendes Ausbildungsprogramm für Operateure auf den Weg ge- bracht. Gynäkologen können eine Zertifizierung von Stufe I bis Stufe III erwerben und ihr urogynäkolo- gisches Wissen bis zu einem Ex- pertenstadium vertiefen. Die AGUB hat zudem ein großes zentrales Datenregister im Internet übernommen, in welchem alle An- wender in völlig anonymisierter Form ihre Operationen eingeben können und verschiedene Auswer- tungen auf eventuell notwendige Veränderungen und Korrekturen hinweisen. 2013 werden die Leitlinien für die Diagnostik und Behandlung von Harninkontinenz und Genitaldes- zensus aktualisiert und als interna- tionale Arbeit zusammen mit Uro- logen und Gynäkologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht. Diese Leitlinien geben den Ärzten zusätzliche Informationen und Si- cherheit bei der richtigen Anwen- dung von Fremdkörpermaterialien im Beckenbodenbereich. Interessenskonflikt: Der korrespondierende Autor gibt an, dass kein Interessenskonflikt besteht. Korrespondenzanschrift: PD Dr. Gert Naumann Kommissarischer Direktor Klinik und Poliklinik für Geburts- hilfe und Frauenkrankheiten Universitätsmedizin der Johan- nes Gutenberg-Universität Mainz Langenbeckstraße 1 55131 Mainz E-Mail: gnaumann@uni-mainz.de

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