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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2013

kontinenz aktuell Juli/2013 15 Übersichtsarbeit sakrospinalen Ligament oder dem Arcus tendineus fasciae pelvis ist ei- ne konventionelle Reparatur unter Fixation der herabgewichenen Ge- webeanteile an diese anatomi- schen Landmarks und Doppelung der Faszie zum Hernienverschluss unverändert eine gute Option. Dies erfordert jedoch eine ausreichende Erfahrung der Operateure. Problematisch bleibt die Korrektur des insuffizienten Gewebes, wel- ches in bis zu 30 Prozent den per- spektivischen postoperativen Be- ckenbodenbelastungen nicht ge- wachsen ist und Rezidivsenkungszu- stände hervorruft. In Kenntnis der langjährigen guten Erfahrungen der Allgemeinchirurgen im Umgang mit Bauchwandhernien und deren Ver- sorgung mit synthetischen Netzen hat die Anwendung von alloplasti- schem Material auch in der Urogy- näkologie breiten Einzug gehalten. Vorgefertigte Kits der Industrie mit individuell angepassten Einführhil- fen erleichtern die Anwendung auch für den weniger geübten An- wender erheblich. Die erste Gene- ration dieser Mesh-Kits nutzt die Einlage über den transobturatori- schen oder transischiorektalen Weg mit einer nicht zu vermeidenden Blindpassage in einer Vier-Punkt- oder Sechs-Punkt-Technik. Die aktu- ellen Ergebnisse dieser Netzsyste- me zeigen hohe Erfolgsraten von 70 bis 90 Prozent, aber auch nen- nenswerte Nebenwirkungen mit bis zu 14 Prozent Netzerosionen so- wie Infektionen, Urgency und Dys- pareunie-Beschwerden. Zur weiteren Verminderung mögli- cher Komplikationen aufgrund der Blindpassage wurde das Einbrin- gen und Fixieren des Netzes über eine einzige vaginale Inzision als Single-Incision-Technik aktuell etab- liert. Hier kann unter optischer oder digitaler Hilfe das Mesh risikofrei an die entsprechenden anatomi- schen Strukturen direkt oder mithilfe von speziellen Netz-Ankern span- nungsfrei fixiert werden und damit das Risiko von Komplikationen auf- grund einer Blindpassage weiter abgesenkt werden. Erste Studiener- gebnisse liegen für das Elevate-Sys- tem (Firma AMS) vor. Entsprechend der aktuellen Leitlini- en der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist die Verwendung von alloplasti- schen Netzen der Rezidivsituation und lediglich wenigen Primärfällen mit ausgeprägter Bindegewebsin- suffizienz vorbehalten. In der Hand des erfahrenen Be- ckenbodenchirurgen zeigen die Mesh-Einlagen hohe Erfolgsraten mit vertretbaren Risiken. Im klini- schen Alltag finden sich jedoch zu- nehmend unkritische Verwendun- gen von unterschiedlichen Netzen, mangelhafte Aufklärungen der Pa- tientinnen und fehlendes Aufzei- gen von alternativen Methoden. FDA-Warnung Bereits 2008 gab die US Food and Drug Administration (FDA) ei- ne Warnmeldung heraus; die Da- tenbank MAUDE ermittelte über 1 000 gemeldete Komplikationen bei Senkungs- und Inkontinenzein- griffen, davon bis 20 Prozent schwerwiegende Komplikationen. Im Juli 2011 wurde diese Warn- meldung mit über 1 500 Problem- meldungen wiederholt und im Rah- men eines Panels im September klare Empfehlungen für Patientin- nen, Ärzte und Industrie gegeben. Neben einer deutlichen Verbesse- rung der operativen Expertise bei Verwendung dieser Systeme im Beckenbodenbereich sollten Auf- klärung und Beratung der Frauen verbessert werden. Es wurden zu- dem prospektive Studien zur Er- mittlung von Effizienz und Sicher- heit der alloplastischen Materia- lien gefordert. Für die Netzimplan- tate erscheint die Datenlage nicht ausreichend bestätigt und muss weiter aufgearbeitet werden. Empfehlungen für Patientinnen vor geplanter Operation: Patientinnen sollten entsprechende Risiken beachten, die mit der Ein- lage eines Netzes während der OP entstehen können und neuer- liche Operationen erfordern. Patientinnen sollten ihren Opera- teur nach möglichen Operations- optionen mit und ohne Netzver- wendung fragen und verstehen, warum der Operateur ein Netz nutzen will. Folgende Fragen sollten Patientin- nen vor einer Einwilligung in die OP an den Arzt stellen: • Planen Sie eine Netzeinlage während meiner Operation? • Bin ich ein guter Kandidat für ei- ne Verwendung eines vaginalen Netzes? • Welches Netz soll bei meiner Behandlung genutzt werden? • Welche Alternativen gibt es, ins- besondere konservative Mög- lichkeiten? • Was sind Vor- und Nachteile ei- ner Netzanwendung in meinem Falle? • Wie wahrscheinlich wäre eine gelungene Operation auch ohne Netzverwendung? • Spürt mein Partner das Netz beim Geschlechtsverkehr? Was passiert, wenn das Netz die Scheidenhaut zerstört? • Wie häufig haben Sie dieses Netz bereits eingesetzt und welchen Erfolg haben Sie bei anderen Patientinnen damit er- zielt? • Wenn Komplikationen auftreten, werden Sie diese behandeln oder werde ich an ein Zentrum verwiesen? • Kann ich eine Patienteninforma- tion einsehen und eine Kopie er- halten? Nach erfolgter Operation: • Patientinnen sollten die Nachsor- geuntersuchungen wahrnehmen. Falls die Patientin zufrieden ist und keine Probleme auftreten, braucht sie keine zusätzlichen Aufwendungen. • Der Arzt muss informiert wer- den, wenn Probleme (Blutungen, Schmerzen) auftreten. • Patientinnen sollten sich genau über die erfolgte Operation und eventuell verwendete Fremdkör- permaterialien informieren.

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