Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2013

kontinenz aktuell Juli/201312 Übersichtsarbeit Dieser Frage wird im Folgenden nachgegangen. Prävention kognitiver Störungen Der gegenwärtige Stand des Wis- sens zum Zusammenhang von kör- perlicher Aktivität und psychische Gesundheit zeigt auf, dass körper- liche Aktivität dem kognitiven Ab- bau im Alter vorbeugen und die Entwicklung einer Demenz hinaus- zögern kann (7). Die Daten der seit Mitte der 1990er-Jahre bis 2010 publizierten Studie zeigen auf, dass regelmäßige Bewegung das Risiko für jegliche Demenzer- krankungen um 22 Prozent redu- ziert. Für Morbus Alzheimer, der häufigsten Demenzform, beträgt die Risikoreduktion 34 Prozent, für die vaskuläre Demenz 31 Prozent und für leichte Kognitionseinbußen 47 Prozent (11). Dies gilt auch für ältere Menschen, belegt eine grö- ßere prospektive Untersuchung (2). Viele Fragen sind jedoch noch ungeklärt. So können bisher keine evidenzbasierten Empfehlungen zu idealen Präventionssportarten, Trainingsdauer und -intensität oder der Bedeutung physischer Aktivität in verschiedenen Lebens- abschnitten gegeben werden (5, 8). Hier wäre interessant, inwie- weit ein Einfluss eines allgemeinen körperlichen Trainings auf das Kontinenzgeschehen vorliegt. Das Trainingsprogramm für Demenzkranke Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass ältere und alte Men- schen generell von körperlichen Training profitieren und bei regel- mäßigen Übungen eine Steige- rung der Kraft sowie der Ballance- fähigkeit erzielt werden kann und damit vermutlich auch der Toilet- tengang sicherer wird. Unklar war bisher, ob dies auch für Menschen mit manifester Demenz gilt. Allge- mein ging man bisher davon aus, dass im Fall von manifester De- menz mit körperlichem Training nur geringe kognitive Verbesserun- gen zu erwarten sind (4, 11). Am Agaplesion Bethanien Kranken- haus Heidelberg wurde unter der Leitung von PD Dr. Klaus Hauer ein körperliches Trainingsprogramm speziell für Menschen mit Demenz entwickelt und auch in der Praxis erprobt. Dabei hat sich gezeigt, dass Demenzkranke in vergleich- barer Weise Trainingserfolge er- zielen können wie nicht demen- ziell Erkrankte. Das Trainingsprogramm ist als in- teraktive Webseite im Internet für Betroffene, Angehörige und Fach- kräfte abrufbar. Das Trainingspro- gramm ist auf die motorischen De- fizite von Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz zuge- schnitten. Die Kernelemente des Übungsprogramms sind ein pro- gressives Kraft- und Funktionstrai- ning. Dabei werden gezielt Mus- kelgruppen gekräftigt, die für All- tagshandlungen und für die Gleichgewichtskontrolle wichtig sind. Hinzu kommen Ballance- übungen für das Training der Gangsicherheit und des Stuhltrans- fers (Aufstehen und Hinsetzen). Grundsätze für Bewegungsübungen Die Grundsätze für Bewegungs- übungen Älterer gelten auch als Basis für das körperliche Training Demenzkranker. Die optimale Trai- ningsanpassung muss immer ein- hergehen mit einer wirksamen Be- lastungsreizsetzung, welche wie- derum abhängig ist von der aktuel- len körperlichen Leistungsfähigkeit des Älteren. Im Verlauf des Trai- ningsprozesses gilt es, die Belas- tung langsam und behutsam zu steigern. Die Ausweitung des zeit- lichen Umfangs der Anforderun- gen sollte vor der Erhöhung der In- tensität erfolgen. Zur Erreichung und Erhaltung der angestrebten körperlichen Leistungsfähigkeit ist es notwendig, auf den Älteren ab- gestimmte Belastungen regelmä- ßig und langfristig zu wiederho- len. Man darf nie zu früh resignie- ren, morphologische und physiolo- gische Veränderungen im Muskel- und Stoffwechsel sind erst nach längerer Zeit festzustellen (7). Die oft fehlende Einsicht, mangeln- de Eigeninitiative und Antriebsar- mut machen es schwer, die Betrof- fenen für ein Training zu motivie- ren. So ist eine besonders bewuss- te und behutsame Übungsanlei- tung notwendig. Eine Überforde- rung der Patienten kann rasch zur Agitiertheit, Gereiztheit und Ab- lehnung führen. Aufgrund der Orientierungsschwierigkeiten de- menzkranker Personen sollten die- se während eines Bewegungspro- grammes begleitet werden. Wich- tig für die Patienten ist, dass sie Spaß an Aktivität finden. Ein Pro- gramm mit Musik, gymnastischen Übungen oder auch spielerisch ausgeführte Bewegungen ist häu- fig ideal. Beachtet werden muss, dass das Training immer in denselben Räu- men durchgeführt und eine Orga- nisationsform gewählt wird, die in jeder Trainingseinheit beibehalten wird. Es sollten einfache Übungen mit klarer Struktur verwendet wer- den, wobei der Schwierigkeits- grad sehr behutsam gesteigert werden sollte. Eine häufige Wie- derholung einzelner Übungsele- mente ist angezeigt. Auch der An- leitung in der verbalen Kommuni- kation (zum Beispiel kurze, direkte Anweisungen, positive Formulie- rungen) aber auch der nonverba- len Kommunikation (zum Beispiel Bewegung vormachen, rhythmi- sche Unterstützung) kommt beson- dere Bedeutung zu. Grundsätzlich gilt, wer sich be- wegt, regt die Sinne an, konzen- triert sich auf einen Bewegungsab- lauf und verbessert koordinatori- sche Fähigkeiten und die Muskel- kraft. Wesentlich dabei sind auch spätere Erfolgserlebnisse beim Ge- hen oder Aufstehen, die den Pa- tienten etwas Selbstvertrauen zu- rückgeben können. Hier gilt ganz besonders fördern durch fordern, aber nicht überfordern.

Pages