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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/2013 9 Originalarbeit ter eine unausweichliche und nicht behandelbare Altersbürde (28). Außerdem dürften jüngere Patien- ten früher mit ihren Ärzten über ih- re Kontinenzproblematik reden (27). Ältere gehen erst dann zum Arzt, wenn ihr Leidensdruck zu groß wird oder ihre Krankheit be- handelnden Ärzten auffällt, die In- terventionsmöglichkeiten für die Inkontinenz im Alter kennen. Eine andere Hypothese zur deutlich schwereren Stuhlinkontinenz von alten Menschen ist, dass im Alter die Kompensation des Kontinenz- faktors durch andere Kontinenz- mechanismen aufgrund von alters- bedingter Degeneration oder Vor- schädigung nicht möglich ist (5) und es so schneller zur manifesten und schwereren Inkontinenz kommt. Sowohl die Anzahl als auch Fakto- ren, die eine Stuhlinkontinenz aus- lösen können, zeigen keinen signi- fikanten Unterschied zwischen den unter und über 70-Jährigen auf. Dies deutet darauf hin, dass im Al- ter keine spezielle Häufung von Er- krankungen für die Inkontinenz verantwortlich ist. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Kom- pensationsmöglichkeiten des Kon- tinenzorgans im Alter abge- schwächt sind (5) und so häufiger eine manifeste Stuhlinkontinenz auftritt. Dem entgegengesetzt konnte Füsgen (9) bei harninkonti- nenten Patienten über 60 Jahren eine erhöhte Anzahl an Einzel- diagnosen feststellen, was auch bei stuhlinkontinenten Patienten zu erwarten gewesen wäre. Auch an- dere Veröffentlichungen sahen ei- ne Zunahme der Organdiagnosen im Alter (8, 30). Bei den über 70-Jährigen wurden in der hier vorliegenden Untersuchung 2,4 Begleiterkrankungen pro Patient gefunden, was im Vergleich mit der Literatur als zu niedrig er- scheint, in der bei über 50 % der über 70-Jährigen mit 2 – 4 bei 25 % davon 5 und mehr Vorer- krankungen berichtet wird (8, 30). Für eine Reihe von Krankheiten ist ein direkter Zusammenhang mit der Entwicklung einer Stuhlinkonti- nenz etabliert. Im Gegensatz zur Literatur konnte hier kein Einfluss einer Adipositas für die Entwick- lung der Stuhlinkontinenz gefun- den werden. Dagegen konnten die in der Literatur gefundenen Hinweise auf den Einfluss des Dia- betes mellitus Typ 2 auf die Stuhlin- kontinenz auch hier dokumentiert werden. Es konnte hier in der vor- liegenden Studie dargestellt wer- den, dass die stuhlinkontinenten geriatrischen Patienten signifikant häufiger an Diabetes mellitus er- krankt waren als die jüngeren Pa- tienten. Eine Reihe von Ursachen (abgeschwächtes rektale Sensibili- tät, abgeschwächter analer Sphinkterdruck, Neuropathie) im Rahmen des Diabetes mellitus dürf- ten dafür verantwortlich sein. Typi- sche zentralnervöse Krankheitsbil- der des älteren Menschen wie De- menz, M. Parkinson, Schlaganfall oder Hirntumore gehen häufig mit einer Stuhlinkontinenz einher (28). In der hier vorliegenden Arbeit konnte allerdings bei der Diagno- se „Stuhlinkontinenz aufgrund neu- rologischer Erkrankungen“ nur ei- ne leichte, allerdings nicht signifi- kante Erhöhung bei den über 70-Jährigen (26,75 % zu 15,79 %) gefunden werden. Bezüglich der neurologischen Komorbiditäten trat ebenfalls kein signifikanter Un- terschied der beiden Patientenkol- lektive auf. Hier ist zu vermuten, dass das neurologische Patienten- gut aufgrund ihrer Krankheitsbil- der sich nicht routinemäßig in ei- ner koloproktologischen Ambu- lanz wiederfindet. Ebenso erstaun- lich war, dass bei der chronischen Obstipation ebenfalls kein signifi- kanter Unterschied bei jüngeren und älteren Patienten gefunden wurde. Gleiches betrifft das Be- schwerdebild der Diarrhoe. Die Beobachtung, dass mit zuneh- menden Alter der für das Auslösen einer rektalen Sensation benötig- ten Druck zunimmt (1), legt aber eine nerval bedingte Einschrän- kung des Kontinenzorgans im Al- ter nahe. Es ist bekannt, dass be- reits eine Dehnung der Nn. puden- di von 12 % eine irreversible Ner- venschädigung hervorruft (11). Diese Überdehnung tritt typischer- weise unter der Geburt, bei inten- siven Pressen zur Darmentleerung oder beim Descending-Perineum- Syndrom (DPS) auf (23). Die funk- tionelle Sphinkterlänge und die anale Hochdruckzone nehmen bei vorliegendem DPS hochsignifikant ab. In dem hier untersuchten Kol- lektiv fand sich bei den über 70-jährigen Patienten eine signifi- kante Abnahme der manometrisch gemessenen Analkanäle von 27,4 mm auf 24,5 mm. Hieraus ließe sich schlussfolgern, dass bei älte- ren Patienten häufiger ein DPS mit peripherer Nervendehnung der Nn. pudendi vorliegt, was eine Stuhlinkontinenz mitbedingen kann. In der vorliegenden Erhebung konnte kein signifikanter Unter- schied zwischen jüngeren und äl- teren Patienten bei der digital/rek- talen Untersuchung gefunden wer- den. Es fiel lediglich auf, dass der Tonus des Analkanals im Alter schwächer schien. Bei stuhlinkonti- nenten geriatrischen Patienten fand sich eine signifikante Minde- rung von Ruhe-, Press- und Stress- druck im Vergleich mit den jünge- ren Patienten. Auch bei kontinen- ten älteren Patienten ist der Ruhe- druck sowie der Kneifdruck deut- lich geringer als bei jüngeren (2, 7, 19, 20), die Abnahme des Pressdruckes mit zunehmendem Al- ter dürfte bei ca. 1 % pro Lebens- jahr liegen (1, 13). Die Schließ- muskelkraft scheint also mit dem Altern bei kontinenten wie auch bei inkontinenten Patienten abzu- nehmen. Ebenfalls unabhängig vom Alter ist ein niedriger Sphink- terdruck mit dem Auftreten einer In- kontinenz korreliert. Diese beiden Faktoren könnten die geringen Druckwerte der inkontinenten ge- riatrischen Patienten in der hier vorliegenden Studie erklären. Da auch bei älteren kontinenten Pa-

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