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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/20138 Originalarbeit falls zeigte sich, dass bei den älte- ren Patienten die Analkanallänge signifikant kürzer als bei den jün- geren Patienten war. Die analen Druckwerte und Analkanallänge in Abhängigkeit vom Inkontinenz- grad erbrachte trotz einer Abnah- me des Ruhedrucks, des Maximal- druckes und des Pressdruckes mit steigenden Inkontinenzgrad kei- nen signifikanten Unterschied in den beiden Altersgruppen. Eine endosonographische Untersu- chung konnte bei einem Viertel der jüngeren Patientinnen musku- läre Defekte aufdecken. Signifi- kant weniger muskuläre Defekte fanden sich bei den älteren Pa- tientinnen. Sphinkterdefekte sind signifikant Probleme der jüngeren Patientinnen. Bei den durchgeführ- ten Koloskopien wurden bei den jüngeren Patienten 36 Einzelmor- biditäten diagnostiziert (0,97 Morbiditäten pro Patient), bei den älteren Patienten hingegen 49 (1,26 Morbiditäten pro Patient). Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Dagegen konnte in den durchgeführten Defäkogra- phien kein signifikanter Unter- schied in den beiden Altersgrup- pen gefunden werden. Diskussion In dem untersuchten koloproktolo- gischen stationären Patientengut lag die Prävalenz der Stuhlinkonti- nenz bei 11,3 %. Eine französi- sche Studie (22) konnte bei 1000 zu Hause befragten Personen eine Stuhlinkontinenz von 16,8 % zei- gen. Auf ambulante Ergebnisse ist mit der vorliegenden Studie aller- dings kein direkter Rückschluß möglich. Allerdings scheint die Stuhlinkontinenz in unserer Gesell- schaft noch ein häufig tabuisiertes Thema zu sein, wenn man im Ge- gensatz zur französischen Studie die Prävalenz in einer koloprokto- logischen deutschen Praxis mit 3,2 % sieht (4). Starke Differenzen in den vorliegenden Prävalenzstu- dien ergeben sich dazu sowohl durch unterschiedliche Kollektive als auch durch die unterschied- liche Definition der Stuhlinkonti- nenz. Während z. B. Teunissen und Mitarbeiter (25) nur den Ver- lust von festem Stuhl als Inkonti- nenz gewertet haben, reichen Kok und Mitarbeiter (12) sowie Naka- nishi und Mitarbeitern (16) die Frage nach Kontinenzstörungen aus. Auch die Form der Erhebung (z. B. Fragebogen) muss hinter- fragt werden. Neben einer genau- en Definition, genauen Kollektivbe- schreibung dürfte ein persönliches Anamnesegespräch Vorausset- zung sein, um realistische Daten zur Prävalenz der Stuhlinkontinenz zu erhalten. Sicher ist, dass die Stuhlinkonti- nenz unter den Älteren und hier insbesondere unter den Hochbe- tagten ein häufiges Krankheitsbild darstellt, welches aufgrund seiner Tabuisierung immer noch unter- schätzt wird (28). In der vorliegen- den Studie konnte bei den über 70-jährigen Patienten eine deutlich erhöhte Prävalenz der Stuhlinkonti- nenz (21,4 %) gegenüber den un- ter 70-jährigen Patienten (9,21 %) festgestellt werden. Der in der Stu- die dargestellte Anstieg der Stuh- linkontinenz bei den sehr alten Pa- tienten mag den wirklichen An- stieg der Inkontinenz im Alter noch unterschätzen, da sehr alte Patien- ten häufig in entsprechenden ger- iatrischen Einrichtungen behandelt werden und nicht einer koloprokto- logischen Spezialklinik bzw. -am- bulanz zugeführt werden. Ältere Patienten werden nicht nur häufiger von Stuhlinkontinenz be- troffen, sondern haben nach der Einteilung nach Parks (17) auch unter ausgeprägteren Formen zu leiden. In der vorliegenden Unter- suchung konnte gezeigt werden, dass die über 70-jährigen Patien- ten signifikant häufiger drittgradig inkontinent waren als die jünge- ren Patienten, während diese deutlich häufiger erst- oder zweit- gradig inkontinent waren. Studien über die Gradeinteilung der In- kontinenz bezüglich des Alters konnten trotz ausführlicher Litera- turrecherche nicht gefunden wer- den. Als Erklärungsansatz für die unterschiedliche Schwere der In- kontinenz ist denkbar, dass älte- ren Patienten eine suffiziente In- kontinenztherapie lange vorent- halten wird, da viele Patienten und Ärzte glauben, Inkontinenz sei im fortgeschrittenen Lebensal- Abb. 5: Inkontinenzgrad (IK-Grad) nach Parks. Relative Darstellung, Signifikanzprüfung 2-Test: p = 0,032 IK Grad 0 IK Grad I IK Grad II IK Grad III > 70< 70 Prozent 50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0

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