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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/20136 Originalarbeit Stuhlkontinenz bezeichnet die Fä- higkeit zur Perzeption, Retention und Ausscheidung von Rektumin- halt zum Zeitpunkt und am Ort der Wahl (15). Stuhlinkontinenz ist de- finiert als der wiederholte, unkon- trollierte Verlust von Stuhl über ei- nen Zeitraum von mindestens einem Monat bei einer mindestens 4 Jahre alten Person (29). Am wei- testens verbreitet und am zuverläs- sigsten ist die einfache klinische Einteilung in Inkontinenz für Win- de (Grad I), Inkontinenz für flüssi- gen Stuhl (Grad II), und Inkonti- nenz für festen Stuhl (Grad III). Die Prävalenz der Stuhlinkonti- nenz in der Gesamtbevölkerung liegt zwischen 0,5 und 16,8 % (22). Ein dramatischer Anstieg der Stuhlinkontinenz wird beim altern- den Menschen mit 10 –33 % ge- sehen (12, 18), in Krankenhäu- sern oder in geriatrischen Einrich- tungen sind sogar über die Hälfte der alten Patienten inkontinent (26), wobei der größte Anteil bei den über 85-Jährigen liegt (6). Das Krankheitsbild geht mit star- ken psychosozialen Belastungen einher: Es ist mit verringerter Le- bensqualität, Hospitalisierung und erhöhten Mortalitätsraten assozi- iert. Zusätzlich macht die Versor- gung inkontinenter Patienten einen großen Kostenanteil des Gesund- heitswesens für alte Menschen aus (10, 21). Die Lebensqualität sinkt je ausgeprägter und häufiger die Inkontinenzperioden sind (3). Ei- nen entscheidenden Einfluss auf die Kontinenz dürfte die häufig vorhandene Multimorbidität des älter werdenden Menschen ha- ben. Dabei dürfte schon direkt durch bestehende Grunderkran- kungen (z. B. Polyneuropathie bei Diabetes), durch ihre Folgen (Im- mobilität) oder durch ihre Behand- lung (Medikation) die Kontinenz beeinflusst werden. Nach Mecocci und Mitarbeiter (14) ist die kogniti- ve Einschränkung der Hauptrisiko- faktor für die Entwicklung einer Stuhlinkontinenz. Der demografische Wandel mit dem massiven Anstieg hochbetag- ter und damit auch stuhlinkontinen- ter Patienten stellt eine Reihe von Fragen, welche Besonderheiten diese älteren stuhlinkontinenten Pa- tienten aufweisen und welche Kon- sequenzen sich daraus für die ko- loproktische Praxis ergeben. Die vorliegende Untersuchung wurde in der koloproktischen Klinik St. Anna (Chefarzt Prof. Dr. Peter Prohm) in Wuppertal durchge- führt. Patienten und Methoden 1241 stationäre Patienten mit Be- schwerden im unteren Gastrointes- tinaltrakt einschließlich Kolon und Anorektum wurden untersucht bzw. behandelt. Bei inkontinenten Pa- tienten wurden weitere anamnesti- sche, diagnostische und therapeu- tische Parameter erhoben. Die Ein- teilung erfolgte dem Alter entspre- chend in unter 70-jährige und 70 oder mehr Jahre alte Patienten, beide Kollektive wurden miteinan- der verglichen. Folgende Angaben gingen in die Auswertung ein: • Angaben zur Person (Alter, Ge- schlecht) • Inkontinenzgrad • Vegetative Anamnese (Obstipati- on, Diarrhoe, Harninkontinenz) • Voroperationen und Partus • Digital-rektale Untersuchungsbe- fund inkl. Prokto- bzw. Rektosko- pie • Manometrische Befunde (Ruhe- druck, Maximaldruck, Stressdruck, Pressdruck, Analkanallänge) • EMG-Befund • Endosonographiebefund • Koloskopiebefund • Defäkographiebefund • Diagnose der Stuhlinkontinenz • Sonstige Nebenbefunde und Vor- erkrankungen • Therapie der Stuhlinkontinenz • Sonstige Bemerkungen Wenn anamnestisch keine Infor- mationen zu Parametern wie Obs- tipation oder Harninkontinenz vor- lagen, wurden diese als Nichtvor- handen ausgewertet. Die statisti- sche Auswertung erfolgte mit dem Programm JMP 6.0 (SAS Institute Inc. Cary North Carolina USA). Ergebnisse Das Gesamtkollektiv von 1241 Pa- tienten unterteilte sich in 45,2 % männliche und 54,8 % weibliche Patienten. Das Durchschnittsalter betrug 55,1 Jahre. In diesem Pa- tientenkollektiv fanden sich 140 stuhlinkontinente Patienten mit ei- nem Durchschnittsalter von 62,3 Jahren, wobei 95 Patienten unter 70 Jahre und 45 über 70 Jahre alt waren. Der Anteil der Stuhlinkonti- nenten am gesamten Patientengut lag bei 11,3 % und sie waren sta- tistisch signifikant älter als das ge- samte Patientenkollektiv und bei den stuhlinkontinenten Patienten fanden sich ebenfalls signifikant mehr Frauen (79 %) als im gesam- ten Patientenkollektiv (Abb.1). Vegetative Anamnese Die jüngeren Patienten berichteten häufiger über Diarrhoen und Obs- tipationen als die älteren Patien- alle Patienten Frauen Männer Prozent stuhlinkontinente Patienten 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 Abb. 1: Geschlechtsverteilung des Gesamt- kollektivs im Vergleich zu den stuhl- inkontinenten Patienten. Alle Patienten: n = 561 Männer, n = 680 Frauen, stuhlinkontinente Patienten: n = 29 Männer, n = 111 Frauen. Signifikanzprüfung x2-Test: p 0,001

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