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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/201328 Gesellschaft aktuell her, könne jedoch auch ohne anatomische Verände- rungen auftreten. Der diesjährige Tagungspräsident plädierte daher für ein konsequentes Beckenboden- training durch geschulte Physiotherapeuten. Helfen konservative Maßnahmen nicht, gebe es eine Reihe bewährter operativer Techniken für betroffene Män- ner und Frauen. Hierzu zählen bei Frauen unter ande- rem die Rekonstruktion des weiblichen Beckenbodens und der Einsatz künstlicher Bänder und Netze. Für de- ren Therapieerfolg sei jedoch eine sehr exakte Indika- tionsstellung unerlässlich. Bei Männern kommen laut Riedmiller neben der bewährten Schließmuskelprothe- se aktuell auch künstliche Bänder zum Einsatz. Die Harninkontinenz bei Kindern, so Riedmiller, bedarf ei- ner strukturierten und möglichst wenig belastenden Di- agnostik, um meist konservative Maßnahmen einlei- ten zu können. Grundsätzlich erfordert die Komplexität des Krank- heitsbildes nach Ansicht des Urologen ein individuel- les diagnostisches Vorgehen, bei dem eine umfassend und sorgfältig durchgeführte Urodynamik oft wesentli- cher Bestandteil ist. „Nur die exakte Analyse und Kenntnisse der Ursache sowie eine darauf ausgerich- tete Therapie führen zu hoher Ergebnisqualität“, sagte Riedmiller. Lebensqualität nach Krebsoperationen des Enddarms Bei Krebsoperationen des Enddarms gewinnt zuneh- mend der Erhalt von Lebensqualität an Bedeutung. „Etwa 80 Prozent der Patienten mit einem Rektumkar- zinom können heute einer sphinktererhaltenden Rek- tumresektion zugeführt werden“, sagte Prof. Dr. Chris- toph-Thomas Germer in Würzburg. Davon weisen bis zu 90 Prozent postoperativ eine Beeinträchtigung der Stuhlgewohnheit auf. Die Veränderungen reichen von einer einfachen Zunahme der Stuhlfrequenz bis zu ei- ner manifesten Stuhlentleerungsstörung oder Stuhlin- kontinenz. Der Direktor der Allgemein-, Viszeral- und Kinderchi- rurgie am Universitätsklinikum Würzburg verwies auf die laparoskopische Operationsmethode als gleich- wertiges Verfahren zum offenen Eingriff. Grundsätz- liches Ziel der Laparoskopie sei es, die postoperative Morbidität, Rekonvaleszenz und Lebensqualität der Patienten postoperativ zu beeinflussen. „Bislang lie- gen jedoch noch keine objektivierbaren Daten über das geeignete Verfahren vor, mit dem postoperative Komplikationen mit einer Beeinträchtigung der Stuhl- gewohnheit am effektivsten gesenkt werden können“, so Germer. Ziel des Übergangsreferates sei es, den Einfluss des operativen Zugangsweges der Laparoto- mie auf einen potenziell positiven Effekt der postope- rativen Entwicklung eines anterioren Resektionssyn- droms zu evaluieren. „Dabei soll spekuliert werden, ob die Laparatomie im Vergleich zur Laparaskopie potenziell eher geeignet erscheint, intra- und postope- rative Komplikationen zu vermeiden und damit die In- zidenz des anterioren Resektionssyndroms zu sen- ken“, erläuterte Germer. Botox: Paradigmenwechsel in der Therapie voranbringen Nach der ersten Euphorie durch die Zulassung von Botox für die intravesikale Applikation bei Patienten mit Querschnittlähmung und MS-Erkrankung häufen sich die Erfolgsmeldungen bei der Anwendung einer nichtneurogenen überaktiven Blase. Hierzu zählt der aktuelle Report der Loyola University Chicago Stritch School of Medicine, die in einer Pla- cebo-kontrollierten Untersuchung an 241 Frauen mit klassischer Dranginkontinenzsymptomatik prospektiv eine Doppelblind-Studie durchgeführt hat. Die eine Gruppe erhielt sechs Monate lang täglich eine anti- cholinerge Therapie und zusätzlich wurde eine Koch- salzlösung in die Blasenwand injiziert. Die Vergleichs- gruppe erhielt ein Placebo-Medikament, dafür jedoch anstelle der Kochsalzlösung Botulinumtoxin in die Bla- se injiziert. Die Auswertung der Untersuchung zeigte, dass der Effekt hinsichtlich der kompletten Symptom- freiheit mit Botulinumtoxin doppelt so hoch war im Vergleich zu der medikamentösen Therapie. „Hohe Effektivität, wenige beziehungsweise keine Nebenwirkungen bei minimal und geringer Invasivität hinsichtlich der Injektion von Botulinumtoxin in die Blasenwand sprechen dafür, diese Art der Behand- lung immer mehr Patienten zukommen zu lassen“, konstatierte Prof. Dr. Klaus-Peter Jünemann, Erster Vor- sitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft und Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum in Kiel. Gerade ältere Patien- Informierten über die neuesten Erkenntnisse in Diagnostik und Behandlung (v. l.): Prof. Dr. Klaus-Peter Jünemann, Prof. Dr. Christoph-Thomas Germer, Prof. Dr. Ursula Peschers, Prof. Dr. Hubertus Riedmiller

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