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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/201316 Übersichtsarbeit ten wegen verbesserter Sauber- keit führen. Aufgrund widersprüchlicher und qualitativ oft unzureichender Studi- energebnisse hat das Biofeed- backtraining in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Bei dieser Therapieform kann der Patient über eine anal platzierte Sonde die Stärke des Kneifdruckes op- tisch oder akustisch kontrollieren. Es kann einerseits ein Training mit Kräftigung des äußeren Sphinkters erfolgen, andererseits kann dieses Training über nicht völlig aufge- klärte Mechanismen die Perzepti- on im Rektum verbessern und so insbesondere für Patienten mit neu- rologischen Inkontinenzursachen hilfreich sein. Ein dritter wertvoller Effekt des Biofeedbacktrainings ist die mögliche Verbesserung der Ko- ordination des Beckenbodens. Die Anwendung sollte sechs Monate lang 3 x täglich über jeweils 10 – 20 Minuten erfolgen. Der Sphinkter wird über 10 Sekunden willkürlich angespannt, gefolgt von einer ebenso langen Entspan- nungsphase. Ziel muss eine Erhö- hung des Kneifdrucks sowie eine Verlängerung der maximal mögli- chen Kontraktionsdauer sein. Auch wenn dieses Verfahren wahr- scheinlich immer noch zu oft und zu unkritisch als vermeintliches All- heilmittel angewendet wird, so kann das Biofeedbacktraining bei sorgfältig gestellter Indikation und ausreichender Patientencomplian- ce zu guten Erfolgen führen. Die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs liegt aber auch bei richtiger Indi- kationsstellung nur bei etwas über 50 Prozent. Da dieses Verfahren keine Nebenwirkungen hat, bei Er- folg aber wesentliche Folgekosten eingespart werden, ist der Einsatz dieser Methode mit den diskutier- ten Einschränkungen bei sorgfältig gestellter Indikation gerechtfertigt. Wesentlich ist eine vorherige gute Unterweisung des Patienten in der Methode (8). Bei Analtampons handelt es sich um rektal einzuführende Tampons aus Polyurethanalkohol (PVA), wel- che den Analkanal im Sinne eines Stöpsels verschließen sollen. Die dauerhafte Anwendung wird kaum toleriert. Das Fremdkörper- gefühl stört. Ferner fällt die Passa- ge von Darmgasen schwer, was zu Bauchschmerz und Blähungen führen kann. Unter bestimmten Be- dingungen, z. B. Schwimmbadbe- such, kann der zeitlich begrenzte Einsatz aber vom Patienten akzep- tiert werden. Ein bestehendes irritativ-toxisches Hautekzem sollte stets behandelt werden, da dieser Faktor allein durch eine gestörte Sensibilität im Bereich des Anoderms eine Inkon- tinenzsymptomatik aggravieren kann. Eine Möglichkeit zum Haut- schutz besteht in der Anwendung von „Weiche Zinkpaste“ oder Va- seline. Operative Maßnahmen: Es gibt verschiedene inkontinenz- verursachende Krankheiten wie den Rektumprolaps oder höhergra- dige Hämorrhoiden, für die eine Operation die derzeit einzige und allgemein akzeptierte Therapie- form ist. Auf diese Fälle soll in die- ser Übersicht nicht im Einzelnen eingegangen werden. Die Sphinkterrekonstruktion und die sakrale Neuromodulation (SNM) stehen im Mittelpunkt der insge- samt nur selten indizierten operati- ven Therapie. Die Sphinkterrekonstruktion ist gut einsetzbar bei einem umschriebe- nen Defekt des MSAE, zum Bei- spiel als Folge eines Dammriss. Bei diesem Eingriff werden die frei präparierten Enden des Schließ- muskels chirurgisch adaptiert. Bei der sakralen Neuromodulation (SNM, häufig verwendetes Syno- nym: sakrale Nervenstimulation, SNS) werden Elektroden im Be- reich der Foramina des Kreuzbei- nes zur Stimulation der Nerven S2–4 platziert. Über ein damit ver- bundenes elektrisches Stimulati- onsaggregat erfolgt dann eine To- nisierung des MSAE. Vor einer endgültigen Implantation des Ge- räts erfolgt im Vorfeld immer eine Probestimulation (9). Weitere etablierte Verfahren sind z. B. die Gracilisplastik oder die Implantation eines künstlichen Sphinktersystems (ABS = artificial bowel sphincter). Als ultima ratio kann bei mit ande- ren Therapieformen nicht zu be- herrschender Stuhlinkontinenz die Anlage eines Anus praeter indi- ziert sein. Für alle operativen Verfahren gibt es spezifische Indikationen und Kontraindikationen, auf deren Erörterung hier verzichtet werden muss. Schlusswort Insbesondere für nicht-bettlägrige Patienten ist die anale Inkontinenz mit einschneidenden Auswirkun- gen auf das soziale Leben verbun- den. Nicht wenige Patienten zie- hen sich völlig zurück. Die erfolgreiche Therapie eines Pa- tienten mit diesem komplexen Be- schwerdebild erfordert einerseits die enge Zusammenarbeit ver- schiedener in der Therapie der Be- ckenbodenerkrankungen erfahre- ner Fachkollegen (Gastroenterolo- ge, Viszeralchirurg, Urologe, Gy- näkologe und weitere), anderer- seits werden meist nicht überall ver- fügbare Untersuchungsmethoden benötigt (rektale Endosonogra- phie, dynamische MR-Defäkogra- phie, gegebenenfalls Manometrie). Die Diagnostik und konservative Therapie der Stuhlinkontinenz ge- lingt auch dem erfahrenen nieder- gelassenen Kollegen gut. Spätes- tens bei Versagen der konservati- ven Maßnahmen sollte aber die Vorstellung des Patienten in einem Kontinenz- und Beckenbodenzen- trum erwogen werden. Wenn auch die Inkontinenz oft nicht völ-

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