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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/2013 15 Übersichtsarbeit higkeit und Funktionalität. Der Sphinkter junger kontinenter Pa- tienten ist oft dünner als der Sphinkter älterer Patienten mit eingeschränkter Kontinenz. Bei Frauen kann gelegentlich eine narbige Veränderung des MSAE als Folge eines Geburtstraumas (z. B. Dammriss nach vaginaler Geburt) gefunden werden. Diese sind häufig klein und funktionell nicht relevant. 2. Anorektale Manometrie: Bei der anorektalen Manometrie wird mithilfe eines anal eingeführ- ten Messkatheters der Ruhedruck, der Kneifdruck sowie weitere Para- meter gemessen. Ein luftbefüllba- rer Ballon am Ende des Katheters macht die Messung unter anderem der rektalen Sensibilität möglich. Die Anwendung der Manometrie ist nicht unumstritten: Die Messung an sich ist schlecht evaluiert, die Normwerte sind nicht valdiert, und bei wiederholten Messungen kommt es oft zu abweichenden Er- gebnissen. Insgesamt ergeben sich nur selten Befunde, welche das therapeutische Vorgehen beeinflus- sen und nicht bereits nach der proktologischen Basisdiagnostik mit der digital-rektalen Untersu- chung bekannt gewesen wären. Dies hat in den letzten Jahren zu einem gewissen Bedeutungsverlust dieser Methode geführt. Dennoch kann bei ausgewählten Fragestel- lungen (zum Beispiel die Überprü- fung der rektalen Sensibilität) ihre Anwendung gerechtfertigt sein. Es bleibt abzuwarten, ob die neueren Geräteentwicklungen hier zu einer neuen Einschätzung führen wer- den. 3. MR-Defäkographie: Die durchleuchtungsradiologisch durchgeführte Defäkographie wird kaum noch durchgeführt. Diese Untersuchung wurde ersetzt durch eine dynamische MRT des Becken- bodens mit Kontrastmittelfüllung des Rektum. Dieses Verfahren hat in der Routinediagnostik der Inkon- tinenz keine Bedeutung und bleibt spezifischen Fragestellungen wie dem Nachweis einer Rektozele oder einer Intussuszeption vorbe- halten. Therapie Konservative Therapie: Falls die im Rahmen der Basisdiag- nostik erhobenen Befunde nicht bereits den Einsatz einer spezifi- schen Therapie nötig machen, soll- te bei Stuhlinkontinenz probato- risch mit einer konservativen The- rapie begonnen werden. Einer- seits führt diese oft zu einer Ver- besserung der Symptomatik, ande- rerseits kann das Ansprechen auf die Therapie wertvolle Hinweise für das weitere Vorgehen liefern. Ein möglicher Ansatz für die erste Therapie einer Inkontinenz ist die Modifikation des Stuhlvolumens und der Stuhlkonsistenz. In der Praxis werden Präparate aus Floh- samenschalen (Plantago ovata) mit gutem Erfolg eingesetzt. Dies führt zu einem voluminösen Stuhl mit be- friedigender Konsistenz, welchen die Patienten oft besser kontrollie- ren können. Allein diese Maßnah- me führt in vielen Fällen zu einer deutlichen Besserung der Sympto- matik. Die Bedeutung der richtigen Anwendung der Präparate (vorhe- riges Einweichen) wird über- schätzt. Die Einnahme fällt man- chem Patienten leichter, wenn das Pulver in Brei oder Joghurt einge- rührt wird. Als Richtgröße für die Anfangsdosis kann eine Menge von 1–3 x 1 Teelöffel (5g) gelten. Diese Dosis muss dann abhängig von der Wirkung angepasst wer- den. Die Einnahme obstipierender Me- dikamente (zum Beispiel Lopera- mid) ist ebenfalls oft erfolgreich. Die Einnahme muss sich dabei nicht auf besondere Ereignisse (zum Beispiel ein geplanter Kino- besuch) beschränken, sondern kann auch als Dauertherapie indi- ziert sein. Häufige Fehler in der Anwendung von Loperamid sind der zu späte Einsatz und die unge- nügende Dosierung (Tagesmaxi- maldosis 8 x 2 mg!) (7). Eine weitere konservative Maß- nahme, nämlich die der program- mierten Darmentleerung, funktio- niert nach dem Grundsatz, wo- nach es bei einem leeren Darm zu keinem Inkontinenzereignis kom- men kann. Dabei wird nach ei- nem festen Rhythmus (zum Bei- spiel jeden Morgen) eine Darm- entleerung provoziert. Dies kann durch Applikation von Zäpfchen erfolgen (zum Beispiel Bisacodyl- Zäpfchen oder auch gasbildende Zäpfchen wie Lecicarbon; letzte- res führt über eine Freisetzung von CO2 im Darm zu einer Rektumdis- tension und so zur Auslösung ei- nes Defäkationsreizes). Wenn die- se Maßnahme auch nicht in allen Fällen wirksam ist, so kann bei Er- folg oft eine sehr effektive Besse- rung der Symptomatik gelingen. Ebenfalls in diese Gruppe gehört die Anwendung eines analen Irri- gationssystems zur eigeninitiierten Darmspülung über einen anal ein- geführten Spülkatheter. Letztere Maßnahme ist zwar meist erfolg- reich, für den Patienten aber mit einem hohen Zeitbedarf von über 30 Minuten pro Sitzung verbun- den; entsprechend sollte dies in der zeitlichen Abfolge der Thera- piemaßnahmen eher spät nach Ausschöpfen anderer Maßnah- men erfolgen. Maßnahmen zur Förderung der Darmentleerung sind auch sinn- voll bei älteren bettlägrigen Pa- tienten, wo es aufgrund von Stuhl- impaktation im Rektum zu einer reflektorisch dauerhaften Relaxa- tion des MSAI mit nachfolgendem Stuhlschmieren kommen kann. Bei diesen Patienten kann die tägliche Gabe von Loperamid (ggf. Dosis anpassen) in Kombi- nation mit einer künstlich herbei- geführten Darmentleerung (Ein- lauf, Klysma) alle drei Tage zu ei- nem deutlich reduzierten Pflege- aufwand bei gleichzeitig gestei- gerter Lebensqualität des Patien-

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