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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/201314 Übersichtsarbeit nenzorgan (zum Beispiel durch ein oft auch Jahrzehnte zurückliegen- des Geburtstrauma) zur Dekom- pensation und damit zur Inkonti- nenz. Diagnostik Proktologische Basisdiagnostik: Bei jedem Patienten mit Stuhlinkon- tinenz sollte neben einer sorgfälti- gen Anamnese eine organbezoge- ne klinische Untersuchung sowie eine Proktoskopie oder Rektosko- pie durchgeführt werden. Anamnese: Die Anamneseerhe- bung bei diesem Patientenkollektiv ist typischerweise zeitaufwendig und schwierig (Abb. 2). Neben den Fragen zu Details wie Häufig- keit der Inkontinenz und Stuhlkon- sistenz sollte auch die Frage ge- klärt werden, ob die Inkontinenz zu Veränderungen im sozialen Le- ben geführt hat (zum Beispiel Ver- meiden von Gaststättenbesuchen oder Besorgungsgängen). Wenn dies der Fall ist, dann besteht re- gelmäßig die Indikation zur weite- ren Evaluation und Therapie der Stuhlinkontinenz. Im Gegensatz dazu besteht bei den Patienten, welche als einziges Symptom gele- gentlich Spuren in der Unterwä- sche beklagen, nur selten die Indi- kation zur weiterführenden Diag- nostik und Therapie. Diesen Pa- tienten hilft es oft, wenn ihnen die Harmlosigkeit und die altersbe- dingte Normalität der Beschwer- den versichert werden. Sowohl in der Erstvorstellung als auch in der Verlaufsbeurteilung kann der Einsatz von Scores wert- voll sein (Wexner-Score und ande- re). Dabei ist zu beachten, dass die meisten vorhandenen Fragebö- gen bisher nicht adäquat validiert sind (6). Klinische Untersuchung: Die rektale Untersuchung ist unver- zichtbar. Sofern vorhanden, sollte diese auf einem gynäkologischen Stuhl stattfinden, da z. B. ein Pro- laps von Hämorrhoiden oder Rek- tum sehr viel einfacher provoziert werden kann als beispielsweise in der Seitenlage. Bei der Inspektion können beispielsweise klaffende Sphinkteren oder höhergradige Hämorrhoiden diagnostiziert wer- den. Dem geübten Untersucher ge- lingt bereits mit dem Finger eine suffiziente Einschätzung von Ruhe- druck und Kneifdruck. Bei einem Sphinkterdefekt kann dieser oft schon während der rektalen Unter- suchung recht zuverlässig dem richtigen Muskel zugeordnet wer- den (MSAI, MSAE, Puborektalis- schlinge). Durch bidigitale Unter- suchung kann bei Frauen die Aus- bildung einer Darmzele beim Pres- sen palpiert werden. Endoskopie: Neben der rektalen Untersuchung gehört die Spiegelung des Enddar- mes (Proktoskopie oder Rektosko- pie) zur Basisdiagnostik. Es wird gezielt nach Stenosen, Hämorrhoi- den, Entzündungen, Tumoren und anderen pathologischen Befunden gesucht. Bei Bedarf kann die Biop- sieentnahme erfolgen. Eine voll- ständige Koloskopie ist routinemä- ßig in der Inkontinenzdiagnostik nicht erforderlich, es sei auf die bekannten Indikationen hierfür ver- wiesen. Häufig sind nach oben skizzierter Diagnostik bereits ausreichend In- formationen gewonnen, um eine suffiziente erste Therapie einleiten zu können. Weiterführende apparative Diagnostik: Neben der dargestellten proktolo- gischen Basisdiagnostik kommen bei entsprechender Fragestellung auch weiterführende Diagnostik- methoden zur Anwendung. An dieser Stelle seien besonders die Endosonographie, die Sphinkter- manometrie sowie die MR-Defäko- graphie erwähnt. 1. Endosonographie: Die anorektale Endosonographie ist gut geeignet für die bildgeben- de Diagnostik des Sphinkterappa- rates. Es gelingt eine gute Darstel- lung des echoarmen glatten inne- ren Schließmuskels (MSAI), des echoreichen quergestreiften äu- ßeren Schließmuskels (MSAE) so- wie der Puborektalisschlinge. Da- bei erlauben die gemessenen Di- cken der Sphinkteren oft keinen Rückschluss auf ihre Leistungsfä- Abb. 2: Wichtige Punkte der Anamnese bei Stuhlinkontinenz (modifiziert nach [4]) Voroperationen Entbindungen, Geburtskomplikationen Neurologische Erkrankungen Demenz Prolaps Häufigkeit der Inkontinenzereignisse Inkontinenz für Winde, flüssigen oder festen Stuhl? Wird der Stuhlabgang bemerkt? Gibt es eine Vorwarnzeit? Stuhlmenge, Stuhlkonsistenz Typische Situationen, Auslöser, Nahrungsmittel? Einschränkungen des sozialen Lebens

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