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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2013

kontinenz aktuell März/201310 tienten sehr niedrige Analdrücke gesehen wurden (7), kann aller- dings eine Schwächung der Sphinktermuskulatur nicht der allei- nige Grund für die höheren Inkon- tinenzraten im Alter sein, sondern muss eine multifaktorielle Genese angenommen werden. In der hier vorliegenden Untersu- chung wurden außerdem die Druckwerte der älteren Patienten in Abhängigkeit vom Inkontinenz- grad untersucht. Dabei konnte kein signifikanter Zusammenhang gefunden werden. Allerdings fiel auf, dass die Druckwerte vom In- kontinenzgrad 0 bis hin zum In- kontinenzgrad II massiv abfielen, während der Unterschied vom In- kontinenzgrad II zum Inkontinenz- grad III kaum mehr zu objektivie- ren war. Der Abfall der analen Druckwerte bis zur Entwicklung ei- ner manifesten Inkontinenz ist also ausgeprägt, die Schwere der In- kontinenz ist allerdings aus den Druckwerten nicht ableitbar. Ver- gleichswerte liegen in der Literatur bisher dazu nicht vor. Basiswerte der analen Druckmessung, die es ermöglicht hätten, einen geriatri- schen Patienten direkt aufgrund der analen Manometrie einem In- kontinenzgrad und somit einem kli- nischen Bild zuzuordnen, können so nicht gewonnen werden. Es ist bekannt, dass Defekte der Mn. Sphinkter ani internus und ex- ternus mit signifikant geringeren Ruhe- und Pressdrücken einherge- hen (24). In der vorliegenden Un- tersuchung wiesen die Patienten über 70 Jahre hierbei hochsignifi- kant weniger Muskeldefekte auf als die jüngeren Patienten, sodass makroskopisch sichtbare Muskel- defekte bei geriatrischen Patienten kaum eine Rolle für eine vorliegen- de Stuhlinkontinenz zu spielen scheinen. Die manometrisch ge- messenen niedrigeren Druckwerte bei den älteren Patienten können also nicht auf strukturelle Defekte zurückgeführt werden, sondern müssen andere Ursachen haben. Ebenso konnte in der vorliegenden Untersuchung kein signifikanter Unterschied bezüglich der Häufig- keit von analen Voroperationen beider Altersgruppen gefunden werden, sodass für die vermehrte Stuhlinkontinenz dieser älteren Pa- tientengruppe nicht operative Vor- schädigungen verantwortlich sein können. Allerdings fiel auf, dass jüngere inkontinente Frauen signi- fikant häufiger gynäkologisch vor- operiert waren. Da Frauen sich in der Anatomie und Physiologie des Kontinenzor- gans von Männern unterscheiden, wurde in der hier vorliegenden Be- trachtung die Inkontinenzursache für Frauen gesondert berücksich- tigt. Es konnte gezeigt werden, dass unter den inkontinenten Pa- tienten hochsignifikant mehr Frau- en zu finden waren als im gesam- ten Patientenkollektiv. Aus den häufigeren Voroperationen der jüngeren Patientinnen ließ es sich schließen, dass diese vermehrt durch traumatische Schädigungen des Beckenbodens und der Anal- region stuhlinkontinent werden, während bei älteren Patientinnen häufiger andere Faktoren im Vor- dergrund stehen. Hierfür spricht, dass wir muskuläre Sphinkterde- fekte fast nur bei unter 70-jährigen Patientinnen gefunden haben. In der koloproktologischen Diag- nostik konnte in der vorliegenden Studie gezeigt werden, dass die geriatrischen stuhlinkontinenten Pa- tienten signifikant niedrigere Sphinkterdrücke aufwiesen als die jüngeren Patienten. Makroskopisch darstellbare Muskeldefekte, die bei stuhlinkontinenten jüngeren Patien- ten hochsignifikant häufiger vorka- men, waren im älteren Patienten- kollektiv kaum relevant. Dabei wa- ren die älteren Patienten weder häufiger anal voroperiert, noch konnten vermehrt Begleiterkrankun- gen als Inkontinenzursache nach- gewiesen werden. Auch bezüglich funktioneller Beschwerden wie Di- arrhoe und Obstipationen konnte man im stationären koloproktologi- schen Krankengut keine Häufung bei geriatrischen Patienten finden. Hingegen wurde bei den älteren Patienten ein signifikant verkürzter Analkanal als Hinweis auf ein Des- cending-Perineum-Syndrom (DPS) nachweisen, was eine kultiperiphe- re Nervenschädigung als Inkonti- nenzursache vermuten lässt. Die anhand eines stationären, ko- loproktologischen Krankengutes gewonnenen Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass geriatri- sche Patienten eine Patientengrup- pe darstellen, deren Inkontinenzur- sachen weniger offensichtlich sind. Als Ursache für die signifi- kant häufigere Stuhlinkontinenz im Alter sind neben der physiologi- schen Schwächung des Kontinenz- organs wohl vor allem okkulte Nervenschädigungen anzuneh- men, was weiterführende neurolo- gische Untersuchungen des Spink- terapparates und des Beckenbo- dens sinnvoll erscheinen lässt. Interessenskonflikt: Der korrespondierende Autor gibt an, dass kein Interessenskonflikt be- steht. Korrespondenzanschrift: Götz Schäfer Chirurgische Klinik II, Klinikum Ingolstadt Krumenauer Straße 25 85049 Ingolstadt E-Mail: goetz.schaefer@macbay.de Reference List Originalarbeit

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