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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2012

kontinenz aktuell Oktober/201228 Füsgen begeisterten diese Aussich- ten: „Hier entwickelt sich ein un- glaubliches Zukunftsthema mit sehr viel Potential!“ Prof. Dr. Katja Boguth vom Fachbe- reich Pflegewissenschaft an der ak- kon-Hochschule für Humanwissen- schaften in Berlin beschäftigte sich in ihrem Impulsreferat mit der prä- ventiven und rehabilitativen Inter- vention in Pflegeheimen, die eine Neuerkrankung an Inkontinenz verhindert und die Kontinenzfähig- keit der Bewohner wieder herstellt. Aufgrund der demografischen Ent- wicklung zeige sich ein dringender Handlungsbedarf, da die Betroffe- nen medizinisch und psychosozial belastet seien. Ihre Sekundäranaly- se von bewohnerbezogenen Daten eines Pflegeheimträgers kam zu folgendem Ergebnis: Überpropor- tional häufig erkrankten Bewohner neu an Harninkontinenz mit einer Verschlechterung der körperlichen Gesamtkonstitution. „Wir haben die falschen Konzepte, weil wir Be- wohner überversorgen, statt ihre körperlichen und geistigen Res- sourcen zu fördern. So könnte man ihnen die Möglichkeit geben, ihr Zimmer selbst zu putzen oder in der Küche mitzukochen“, so Prof. Boguth. Und sie merkte kritisch an: „Viele Pflegende wissen nicht um die Gefahren von Inkontinenz und gerade in hotelähnlichen Heimen mit vielen Betten verlieren die Be- wohner ihre Alterskompetenz.“ In der abschließenden lebhaften Fra- gerunde zur prä- ventiven Pflegeleis- tungen brachte es Prof. Dr. Ingo Füs- gen auf den Punkt: „Das ist ein gesell- schaftlicher Auf- trag. Es gibt Betrof- fene, die gehen kontinent ins Heim und werden inkon- tinent.“ Der Stellenwert der Pelvic Floor-So- nografie in der Di- agnostik der Harninkontinenz lau- tete das Thema des Vortrages von Dr. Jacek Kociszewski. Der Chef- arzt der Frauenklinik des evangeli- schen Krankenhauses in Hagen sprach sich entschieden für dieses einfache, schnelle und bildgeben- de Verfahren aus, das der Kontrol- le und möglicherweise dann auch der Korrektur der eigenen OP-Pla- nung dient. Denn die weibliche Harninkontinenz sei nur auf den ersten Blick sehr einfach zu diag- nostizieren und zu therapieren – Probleme mit der genauen Definiti- on und unterschiedlichen Formen dieser Krankheit führten jedoch nicht selten zu ärztlicher Fehlein- schätzung und damit unbefriedi- genden Behandlungsergebnissen. „Die neue Beckenboden-Sonogra- fie, die sogenannte Pelvic Floor-So- nografie liefert eine neue Dimensi- on diagnostischer Möglichkeiten und erweitert die bisherige urogy- näkologische Standardsonogra- fie“, erklärte Kociszewski den Teil- nehmern anhand von beeindru- ckendem Bildmaterial. Die Pelvic Floor-Sonografie sei zwar zeitauf- wendiger als die herkömmliche Di- agnosetechnik, aber keine Frage von Kosten. „Das kann man mit je- dem Ultraschall machen. Das Know-how ist das Problem“, laute- te sein Fazit. Nach der Kaffeepause bei herr- lichstem Spätsommerwetter nahm Prof. Dr. Joachim Geyer die phar- makologische Wirkung von Anti- cholinergika bei der Therapie der überaktiven Blase (OAB) unter die Lupe. Den Ökotrophologen interes- sierte vor allem der Wirkstoff Tros- piumchlorid, eine Substanz mit guter Wasserlöslichkeit und unver- änderter Ausscheidung über die Niere. „Die Substanz überwindet nicht die Blut-Hirn-Schranke“, so der Experte aus dem Institut für Pharmakologie und Toxikologie in Gießen. Dies liege an den physi- kochemischen Eigenschaften von Trospiumchlorid sowie an dessen Interaktion mit dem MDR1-Efflux- transporter der Blut-Hirn-Schranke. Darüber hinaus, so Geyer, unterlie- ge der Wirkstoff im Gegensatz zu den lipophilen Anticholinergika nur in sehr geringem Umfang der Biotransformation in Darm und Le- ber. Sein Fazit: Trospiumchlorid gelangt wegen seiner mehrfachen Besonderheiten vorwiegend in pharmakologisch wirksamer Form in die Harnblase, wo die Substanz neben der systemischen Wirkung auch lokale anticholinerge Effekte hervorrufen könne. Über das Zusammenwirken und mögliche Ursachen für die Trias – chronische Obstipation, Stuhlin- kontinenz und überaktive Blase – referierte Prof. Dr. med Ingo Füs- gen. Diese drei Funktionsstörungen könnten nicht als eigene Krank- heitsbilder angesehen werden. Der Geriater vermutet nach aktueller Studienlage, dass die chronische Obstipation/Stuhlinkontinenz häu- fig der Ausgangspunkt für die über- aktive Blase bei Kindern als auch Erwachsenen sei. „Wahrscheinlich ist es für die Diagnostik und Thera- pie gleichgültig, welche Funktions- störung zuerst klinisch auftritt. Da eine Reihe von möglichen Ursa- chen, oft nicht einfach durch kom- plexe Zusammenhänge erkennbar, für das Auftreten der Trias verant- wortlich sein kann, ist eine einge- hende Diagnostik notwendig“, lau- tet das Plädoyer des Spezialisten aus Witten/Herdecke. Die Abklä- rung müsse zudem alle Krankheits- bilder einbeziehen und entspre- chende Konsequenzen für die Gesellschaft aktuell Tagungsort des jährlichen Symposiums: das Hotel Residenzschloss in Bamberg

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