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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2012

kontinenz aktuell Oktober/201220 Titelthema kann man wahrscheinlich durch die negativen Reaktionen der Fa- milien auf die sozial unerwünschte Inkontinenz erklären (25). Zudem bessern sich die psychiatrischen Störungen mit erfolgreicher Thera- pie der Inkontinenz. Der diagnostische Prozess bei Obstipation Stufendiagnostik Zum Ausschluss organischer Ursa- chen muss jedes Kind mit einer län- ger dauernden Obstipation mit oder ohne Stuhlinkontinenz fach- ärztlich untersucht werden, wobei dies in erster Linie durch den be- treuenden Kinderarzt erfolgt (26). Nur bei Auffälligkeiten oder Hin- weisen auf eine organische Gene- se muss eine weitergehende Diag- nostik (pädiatrische Gastroentero- logie) veranlasst werden. Die Basisdiagnostik stützt nur auf die ausführliche Anamnese und ei- ne zielgerichtete klinische Untersu- chung. Mit diesen Instrumenten ge- lingt es, über die Notwendigkeit und den eventuellen Umfang der eventuell apparativen Diagnostik zu entscheiden (15, 16, 27). Da- bei sollte bei der körperlichen Un- tersuchung gezielt nach Zeichen für organische Erkrankungen ge- sucht werden. Kleinkinder mit einer reaktiven Obstipation nach einem traumati- schen Triggererlebnis sollten spe- ziell im Anal- und Genitalbereich behutsam und nicht gegen Wider- stand untersucht werden. Eine rek- tal digitale Untersuchung sollte nur mit Einverständnis der Kinder durchgeführt werden. Zur Dokumentation und zur kom- pletten Erfassung von Warnzei- chen und Komorbiditäten sind ein strukturierter Eltern-Fragebogen so- wie die Dokumentation der Stuhl- entleerung in einem 14-Tage-Proto- koll im Alltag hilfreich (28). Sonografie Das wichtigste nicht-invasive Instru- ment zur Dokumentation einer Obstipation stellt die Sonografie dar, die die Weite der retrovesika- len Rektumabschnitte bestimmen lässt und gleichzeitig für die Kin- der atraumatisch ist. Als Hinweis auf eine Stuhlretention kann ein Querdurchmesser des Rektums von > 40 mm gelten (29). Die Sono- grafie kann auch im Verlauf als wichtiges und schonendes Verfah- ren zur Kontrolle des Rückgangs der Rektumdilatation (ein Ziel der Dauertherapie!) dienen und damit den Therapieerfolg monitorisieren. Weitergehende Untersuchungen Eine weitergehende Diagnostik sollte dann durchgeführt werden, wenn es anamnestische oder klini- sche Hinweise auf eine zugrunde- liegende organische Problematik gibt bzw. wenn nach einigen Mo- naten der Standardtherapie kein Erfolg zu erkennen ist. Therapie der Obstipation Ziele der Therapie der Obstipation bzw. der obstipationsassoziierten Stuhlinkontinenz sind eine regel- mäßige, komplette und schmerz- freie Stuhlentleerung und die Un- terbrechung des Teufelskreises zwi- schen Erweiterung des Enddarms und weiterer Stuhlretention (15, 30). Chronische Obstipation Sämtliche Maßnahmen müssen rasch begonnen werden und oft über viele Monate fortgesetzt wer- den. Begonnen wird mit der atrau- matischen Entleerung (Desimpakti- on) der angestauten Stuhlmassen, gefolgt von einer effektiven Dauer- therapie ausreichender Länge. 1. Bei Nachweis einer Rektumer- weiterung im Rahmen der Diag- nosestellung wird zunächst mit Einleitung der Dauertherapie eine komplette Entleerung der angestauten Stuhlmengen (Des- impaktion) herbeigeführt. Dies kann entweder durch rektal ap- plizierte Klysmen oder durch ei- ne antegrade Spülung durch hochdosiertes orales Macrogol erfolgen (31). 2. Aufklärung und Beratung gehö- ren an den Anfang einer jeden Therapie der Störungen der Ausscheidungsorgane. Die Dar- stellung der Ursachen der Stö- rung kann zu einer Entlastung der Beziehung zwischen Eltern und Kindern beitragen, familiä- re Mythen, Schuldzuweisungen entkräften und das Selbstwert- gefühl der Kinder stützen. 3. Stuhlaufweichende medikamen- töse Therapie (32): Bevorzugt werden in der Dauertherapie osmotisch wirksame, stuhlauf- weichende Medikamente einge- setzt. Stimulierende Laxantien werden in Deutschland auch wegen fehlender Evidenz und potentieller Risiken selten ver- ordnet. In erster Linie wird Ma- crogol verwendet. Dieser Stoff hat den besten stuhlaufweichen- den Effekt und therapiert beson- ders die schmerzhafte Defäkati- on effektiver als Lactulose (33). Paraffinöl kommt nur noch in Einzelfällen zum Einsatz. 4. Einläufe oder Suppositorien: Diese werden fast ausschließ- lich zur initialen Entleerung an- gestauter Stuhlmassen ange- wendet. Besonders bei Kleinkin- dern sind rektale Maßnahmen oft zusätzlich traumatisierend, sodass sie für die Dauertherapie vermieden werden sollten. 5. Erhöhung des Ballaststoffgehal- tes der Nahrung und der Flüs- sigkeitsaufnahme als unterstüt- zende Maßnahme, nie als Haupttherapie. Die Effektivität der Ernährungsintervention für die Therapie einer Obstipation wird oft überschätzt (15). Die Zufuhr von Milch sollte begrenzt werden. 6. Verhaltenstherapie: Vorausset- zung dazu ist die Kooperations- bereitschaft der Patienten und

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