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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2012

kontinenz aktuell Oktober/2012 17 in der Vorgeschichte großkali- briger Stuhl, der die Toilette ob- struiert. Diese Kriterien müssen mindestens einmal pro Woche für mindestens zwei Monate vor Diagnosestellung erfüllt sein. Stuhlinkontinenz Während man in der Erwachse- nenmedizin fast nur von Stuhlin- kontinenz spricht, ist der Begriff Enkopresis oder Enkoprese im Be- reich der Pädiatrie noch weithin üblich. Enkopresis ist nach ICD10 definiert als „willkürliches oder un- willkürliches Absetzen von Stuhl an nicht dafür vorgesehenen Stel- len bei einem chronologischen Al- ter > 4 Jahre und einer Frequenz von mindestens einmal pro Monat; Dauer der Störung > 6 Monate“. Der Begriff Stuhlschmieren ist eher umgangssprachlich unscharf defi- niert. In der Regel versteht man da- runter ein häufiges, unwillkürliches Absetzen kleiner Stuhlmengen in die Unterwäsche. Stuhlschmieren ist insofern ein typisches Symptom einer Obstipation mit Überlauf. Diese deskriptiven Bezeichnungen sollten auch in der Pädiatrie durch den neutraleren Begriff Stuhlinkonti- nenz ersetzt werden (7), der folgen- dermaßen definiert wird: „Entlee- rung von Stuhl an einem dafür nicht vorgesehenen Ort“. Dies kann ab einem Entwicklungsalter von fünf Jahren angewendet werden. Bei der Stuhlinkontinenz sollten in der Pädiatrie folgende Formen un- terschieden werden: Organische Stuhlinkontinenz, z. B. als Folge von neurologi- schen Erkrankungen und Er- krankungen des Analsphinkters, funktionelle Stuhlinkontinenz, die wiederum in zwei Typen un- terteilt werden kann: – mit Obstipation verbundene Stuhlinkontinenz, – Stuhlinkontinenz ohne Obsti- pation („Non-retentive fecal in- continence“) (auf diese seltene- re Sonderform der funktionellen Stuhlinkontinenz wird im Rah- men dieses Artikels nicht näher eingegangen und auf die Litera- tur verwiesen [8]). Von primärer Stuhlinkontinenz spricht man, wenn es nie längere Phasen (> 6 Monate) mit komplet- ter Stuhlkontrolle gegeben hat. Als sekundäre Stuhlinkontinenz be- zeichnet man solche Störungen, die nach einer Phase von mindes- tens sechs Monaten kompletter Kontinenz wieder auftreten. Epidemiologie der Obstipation und der Stuhlinkontinenz Daten zur Prävalenz der Obstipati- on bei Kindern sind erheblich unter- schiedlich je nach Einschlusskrite- rien, Altersgruppe und Land. Eine Metaanalyse weist Prävalenzen zwischen 0,7 und 29,6 % aus (9). Epidemiologische Daten für Deutschland liegen nicht vor. In den USA in einer allgemeinen Vorsorge- Sprechstunde bei Kindern zwischen vier und 17 Jahren ohne andere Er- krankungen lag die Prävalenz der Obstipation bei 22,6 %. Akut obsti- piert waren 4,6 %; eine funktionelle Ursache wurde bei 18 % diagnosti- ziert. 4,4 % der Kinder hatten eine funktionelle Stuhlinkontinenz, im überwiegenden Anteil (95 %) zu- sammen mit einer Obstipation (10). Die Inzidenz einer funktionellen Obstipation bei Kindern zwischen Geburt und fünften Lebensjahr war mit 6,8/1 000 Patientenjahre war häufiger als Bauchschmerzen (5,5/1 000 Pat.-Jahre). Sie gehört damit zu den häufigsten Gründen für eine Vorstellung beim Kinder- arzt. Viele der Kinder mit Obstipa- tion wurden dreimal oder mehr vor- gestellt, was für die Chronifizie- rungstendenz spricht (11). Hinsichtlich der Prävalenz der Stuhlinkontinenz sind die Daten der Züricher Längsschnittuntersu- chungen am aussagekräftigsten: Man sieht eine deutliche Altersab- hängigkeit und bei Schulkindern eine Prävalenz einer Stuhlinkonti- nenz zwischen 1 % und 3,1 % mit einem Geschlechterverhältnis von w:m 1:3 (12). Der Beginn der Sau- berkeitserziehung scheint nach den Züricher Daten keinen Einfluss auf die Prävalenz einer Stuhlinkon- tinenz zu haben. Lebensqualität bei chroni- scher Obstipation Von vielen Ärzten werden sowohl die Obstipation als auch die Stuh- linkontinenz eher als lästige, aber harmlose Befindlichkeitsstörungen eingestuft, die die Gesundheit der Kinder nicht direkt bedrohen. Ge- gen diese Einschätzung sprechen die erhebliche Chronifizierungs- tendenz, die hohen Kosten für das Gesundheitssystem (13), vor allem aber die Auswirkungen auf die so- ziale und emotionale Entwicklung der Kinder und die Lebensqualität der Familien. Die Minderung der Lebensqualität ist vergleichbar mit anderen chronischen Erkrankun- gen wie CED (chronisch entzündli- che Darmerkrankungen). Eine Ver- besserung tritt nach effektiver The- rapie der Obstipation ein (14). Diese Daten unterstützen die Not- wendigkeit, die Obstipation bei Kindern nicht nur als harmlose Be- findlichkeitsstörung einzustufen, sondern von der ersten Manifesta- tion an konsequent diagnostisch und therapeutisch anzugehen. Symptome und klinische Zeichen der Obstipation Die über die klinischen Kriterien hi- nausgehenden Zeichen der Obsti- pation sind vielgestaltig. Nicht je- des Kind mit Obstipation kann nach anamnestischen Kriterien er- fasst werden, gerade wenn bei zu- nehmend selbstständigen Vorschul- kindern den Eltern die seltene Titelthema

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