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kontinenz aktuell - Ausgabe 03-2012

kontinenz aktuell Oktober/2012 15 kontinenz aktuell 58/2012 58: 15–22, © Bibliomed 2012 M. Claßen Obstipation bei Kindern: Wegbereiter chronischer Störungen Ein akuter Stuhlverhalt bei Kleinkindern stellt oft den ersten Schritt dar auf dem Weg zur Entwicklung ei- ner Stuhlinkontinenz und einer chronischen Obstipa- tion, die sich bis in das Erwachsenenalter fortsetzen kann. Als Auslöser der Entwicklung einer funktionel- len Obstipation kann bei vielen Kleinkindern ein Er- eignis mit schmerzhafter Defäkation, unangeneh- men Erfahrungen durch anale Erkrankungen (z. B. Streptokokken-Dermatitis) oder Manipulationen am Anus identifiziert werden. Die Stuhlentleerungspro- blematik verselbstständigt und chronifiziert sich dann in vielen Fällen und kann eine obstipations- assoziierte Stuhlinkontinenz zur Folge haben. Die Obstipation und assoziierte Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen) gehören zu den häufigsten Grün- den für eine Vorstellung beim Kinderarzt. Diese Stö- rungen bedrohen zwar die Gesundheit der betroffe- nen Kinder nicht unmittelbar, stellen aber für diese und deren Familien eine schwere Belastung dar und gefährden die psychische Entwicklung sowie die so- ziale Integration. Leider wird die Obstipation oft- mals verharmlost und die Therapie verzögert begon- nen, was die Chronifizierung begünstigt. In den meisten Fällen liegen funktionelle Störungen ohne organische Erkrankungen zugrunde. Rein psy- chische Ursachen für Obstipation und Inkontinenz sind eher selten, allerdings findet man häufiger als bei Gesunden psychiatrische Komorbiditäten. Eine zielgerichtete Diagnostik beruht vor allem auf den einfachen Instrumenten Anamnese, klinischer Befund und Sonografie, um organische Ursachen für die Obstipation auszuschließen. Neben Erkran- kungen des Anorektums kommen vor allem neurolo- gische Erkrankungen und dysrafische Störungen als Ursache einer Obstipation infrage. Nur beim Vorlie- gen konkreter Verdachtsmomente sind gezielte wei- tergehende Untersuchungen erforderlich. Die Therapie bei funktioneller Obstipation und der obstipationsassoziierten Stuhlinkontinenz beginnt mit der Entfernung angestauter Stuhlmassen im Rek- tum (Desimpaktion). Anschließend ist eine langfristi- ge und konsequente Therapie erforderlich. Nach Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen sollten oral applizierte Stuhlweichmacher, in erster Linie Macro- gol in ausreichender Dosis, kombiniert mit verhal- tenstherapeutischen Ansätzen eingesetzt werden. Die Therapie sollte regelmäßig auf ihre Effektivität geprüft und die Familie weiter begleitet werden. Schlüsselwörter: Obstipation funktionelle Obstipation Stuhlinkontinenz Therapie Macrogol Zusammenfassung • Abstract Die Obstipation im Kindes- und Ju- gendalter hat eine im Vergleich zum Erwachsenenalter unter- schiedliche Pathogenese und klini- sche Präsentation. Sie beginnt meist im zweiten bis fünften Le- bensjahr mit einem akuten Stuhl- verhalt. Eine Bagatellisierung und inkonsequente Therapie der akuten M. Claßen Klinikum Links der Weser Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Obstipation bei Kindern: Wegbereiter chronischer Störungen Titelthema Obstipation im Kleinkindalter be- günstigt die Entwicklung einer funk- tionellen chronischen Obstipation. Diese wiederum bedingt mit all ih- ren Belastungsfaktoren eine Beein- trächtigung der Lebensqualität und der gesunden Entwicklung des Kin- des. Auch die Langzeitprognose einer chronischen Obstipation ist schwie- rig: Eine niederländische Studie wies nach, dass auch nach der Pu- bertät noch bei etwa 30 % der Pa- tienten obstipationsbedingte Be- schwerden bestehen (1). Bei jun- gen Erwachsenen, die als Kind mit einer Obstipation behandelt wur-

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