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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2012

Auswirkungen von Schwangerschaft und Entbindung auf den Beckenboden und mögliche Präventionsmaßnahmen Titelthema 8 G. Naumann Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Schwangerschaft und Entbindung haben einen deut- lichen Einfluss auf Veränderungen der Beckenboden- integrität sowie Blasen-, Scheiden- und Enddarmfunk- tion. Zahlreiche Untersuchungen belegen dies ein- drucksvoll. Die Entwicklungen der modernen Geburtshilfe mit allen technischen Möglichkeiten hat das mütterliche Risiko einer geplanten Kaiserschnittentbindung auf das Niveau einer Spontangeburt gesenkt. Immer mehr Frauen wünschen eine Schnittentbindung; als Argumente werden neben den Problemen der Sicherheit für das Kind, terminlichen Gründen oder Schmerzfreiheit immer häufiger auch Becken- bodenfunktionsstörungen gegen eine vaginale Spon- tangeburt verwendet. Ergebnis ist eine stetig anstei- gende Kaiserschnittfrequenz auf eine deutschlandwei- te Rate von 31,9 % im Jahre 2009 lt. Statistischem Bundesamt, die diesen Trend eindrucksvoll bestätigt. Mögliche mütterliche Risiken einer operativen Schnittentbindung wie Blutung, Plazentalösungsstö- rungen usw. werden hier häufig in den Hintergrund gedrängt und weniger diskutiert. Noch unverständ- licher erscheint hier der Blick nach Südamerika mit einer dort bestehenden Sectiorate von bis zu 75%; hier spielen kulturelle Aspekte mit einer Assoziation von Wohlstand und „sauberer Schnittentbindung“ eine erhebliche Rolle. Aus Sicht der Geburtshelfer und Urogynäkologen ist es die Aufgabe, medizinische Argumente für den geeigneten Entbindungsmodus aufzuzeigen, um der überwiegenden Mehrheit der Frauen eine unkompli- zierte sichere vaginale Entbindung zu gewährleisten und andererseits Risikofälle vor und in der Schwanger- schaft, sowie unter und nach Entbindung herauszufil- tern, die dann von einer abdominalen Schnittentbin- dung unter sicheren Aspekten profitieren. Der vom Berufsverband der Frauenärzte und der Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie ins Leben gerufene Beckenboden-Check als präventives Ange- bot beim niedergelassenen Frauenarzt ist ein ideales Hilfsmittel, um bereits im Vorfeld vor Schwangerschaft und Entbindung zum einen mögliche Risikofaktoren aufzuzeigen, zum anderen die werdende Mutter und den ärztlichen Kollegen für mögliche präventive Maßnahmen zu sensibilisieren. Während der Schwangerschaft kommt es durch hor- monale Einflüsse zu massiven biochemischen Ver- änderungen der Beckenbodengewebe. Unterschied- liche Effekte beeinflussen die kurz- und längerfristigen Dehnungseigenschaften der Scheidenwand, der Beckenbodenmuskeln und Fasziengewebe, die das Ausmaß einer möglichen Verformung ohne Läsionen z. B. unter Geburt bestimmen. Regenerationsvorgänge nach Entbindung führen zumeist zu einer Normali- sierung, es verbleiben jedoch Veränderungen in der Mikro- und Makrostruktur der Beckenbodenstrukturen, die im weiteren Verlauf zu Funktionseinschränkungen führen können. Zu schwangerschaftsbedingten Verän- derungen liegen kaum Daten vor, da die Entbindungs- komponente größere Auswirkungen hat. Im Vergleich zur Gruppe der Erstgebärenden finden sich bei Frauen mit Entbindungen deutlich mehr Beckenbodenstörungen mit Senkungssymptomatik, Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz. Vielfältige Studien haben den Einfluss einer Entbin- dung auf die Beckenbodenfunktion untersucht. Zudem erfolgte zumeist auch der Vergleich zwischen vagina- ler Spontanentbindung und Kaiserschnittentbindung. Belastungsharninkontinenz Verschiedene Untersuchungen zeigen eine hohe Rate an Belastungsharninkontinenz nach Geburt. In einem Literatur-Review zeigte Chaliha et al. 2009 (1) eine Inzidenz von 7 % bis 22,3 %. In einer früheren Arbeit von Stanton et al. 1980 (2) wurde sogar eine Harnin- kontinenz aktuell Juli/2012

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