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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2012

spezifische Unterschiede im belohnungsorientierten Verhalten (5). Entsprechende Untersuchungen zur Frage der geschlechtsspezifischen Problematik für Verhaltenstherapie bzw. Beckenbodengymnastik bei der Dranginkontinenz fehlen allerdings bisher. Auch die Medikation ist bezüglich der geschlechts- spezifischen Problematik zu hinterfragen. Hier befin- det sich die Medikation bei der Dranginkontinenz in guter Gesellschaft mit der Medikation bei ande- ren Krankheitsbildern. Die großen Medikamenten- studien für unterschiedliche Krankheitsbilder haben vor allem Männer eingeschlossen, bzw. sind Frauen weniger vertreten als es in der Realität dem Krank- heitsbild entspricht. So ist es auch nicht verwunder- lich, dass, wenn Frauen und Männer getrennt ana- lysiert werden, divergierende Ergebnisse ermittelt werden und dass Medikamente bei Frauen in der Praxis häufiger Nebenwirkungen verursachen. Bekannt ist u.a., dass Aspirin Männer vor Herz- infarkt, Frauen vor Schlaganfall schützt, manche Statine Frauen weniger vor Herzinfarkten schützen als Männer, verschiedene Antiemetika bei Frauen schlechter wirksam sind und opoidhaltige Medika- mente in der Schmerztherapie bei Frauen stärker wirken und mehr Nebenwirkungen verursachen. Hier stellt sich die Frage: Gibt es geschlechtsspezifi- sche Unterschiede bei der medikamentösen Drang- inkontinenztherapie? Ein besonderes Problem in der medikamentösen Dranginkontinenztherapie ist sicherlich, dass Frauen in der Praxis häufiger Medikamente als Männer ver- ordnet bekommen. Auch Polypharmazie ist im Alter bei Frauen besonders häufig, und sie entwickeln öfter eine Medikamentensucht. Im Hinblick auf die anticholinergen Nebenwirkungen vieler Medika- mente deutet die vermehrte Polypharmazie bei Frauen auf ein Problem für die erfolgreich einzuset- zende anticholinerge urologische Therapie hin. Auch Interaktionsprobleme bekommen hier geschlechtsab- hängig eine besondere Bedeutung. Eine geschlechtsabhängige differenzierte Diagnostik und Behandlung erscheint bei Kontinenzproblemen in allen Lebensabschnitten wichtig. Das Erkennen ge- schlechtsspezifischer Bedürfnisse und die Ent- wicklung neuer spezifischer medizinischer Konzepte sollte zur Erhaltung und Förderung der Kontinenz beitragen. Während für Männer Rehabilitations- angebote z. B. nach einer Prostataoperation bereits vorliegen, gerne angenommen werden und sie da- von profitieren, sind vermutlich für Frauen mehr ambulante frauenspezifische Rehabilitationsange- bote notwendig, da sie oft ihre „Familienpflichten“ nicht vernachlässigen wollen (4). Einrichtungen, die sich speziell auf die Bedürfnisse eines Geschlechts ausrichten, entstehen zunehmend, Titelthema 6 Gendermedizin: Das Erkennen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Mann und Frau Viele Probleme in der medizinischen Diagnostik und Therapie, deren Ursachen und Bewältigung zeigen geschlechtsspezifische Besonderheiten und Unter- schiede. Dies gilt in besonderem Maße auch für die Harninkontinenz. Trotzdem beinhalten die evidenz- basierten Leitlinien für den Bereich der Inkontinenz kaum genderspezifische Empfehlungen. Geschlechtsspezifische Forschung in Diagnostik und Therapie mit nachfolgender Umsetzung ist gefordert. Schlüsselwörter: Gendermedizin Inkontinenz geschlechtsspezifische Unterschiede Gender medicine: Recognizing the differences and commonalities between men and women Gender, or differences between the sexes, has a role to play in many medical diagnoses and treatments, whether in respect of the cause or remedy. This is especially true of urinary incontinence. Despite this, there is a distinct lack of genderspecific recommenda- tions in the evidence-based literature on the subject. There is a need for gender-specific research in dia- gnosis and treatment in this area, and for this to be followed up by action. Keywords: gender medicine incontinence gender specific differences Zusammenfassung • Abstract kontinenz aktuell 2/2012 57: 5–7, © Bibliomed 2012 D. Schütz • I. Füsgen kontinenz aktuell Juli/2012

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