Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2012

Titelthema 13 Eine neue Testmethode zur Qualitätssicherung saugender Inkontinenzprodukte J. Fuchs1 • B. Wrobel2 • G. Böhler1 • K.-P. Jünemann1 1 Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum SH Campus Kiel, Kiel 2 Klinik für Urologie und Kinderurologie, Klinikum Coburg, Coburg Einleitung In Europa liegt allein die Prävalenz weiblicher In- kontinenz bei ca. 35 %, mit einem Altersgipfel zwi- schen 50 bis 79 Jahren (1). In Deutschland sind ca. 2,6 Mio. Frauen (14,7 %) und 0,7 Mio. Männer (9 %) von Inkontinenz betroffen (3). Dies sind nur offi- zielle Zahlen, aber wir wissen, dass viele Patienten ihren Arzt erst gar nicht konsultieren. Wir können somit von einer eigentlich viel größeren Zahl von Betroffenen ausgehen. Da saugende Inkontinenzprodukte die am meisten ver- breitete Methode der Inkontinenzversorgung darstellt (3, 4), ist es natürlich notwendig, dass diese Produkte eine gute Qualität und gute Eigenschaften haben. Die wichtigsten physikalischen Eigenschaften eines Inkontinenzproduktes sind sowohl die Kapazität als auch die Absorptionsgeschwindigkeit und die Menge der Rückfeuchte (5). Alle gebräuchigen Produkte sol- len sowohl vor als auch nach der Inkontinenzepisode die Haut so lange wie möglich trocken halten und eine Verschmutzung von Wäsche oder Bettzeug verhin- dern. Es ist nicht nur für den generellen Komfort des Patienten, sondern auch aus medizinischer Sicht wich- tig, beispielsweise Harnwegsinfektionen, Hautirrita- tionen oder genitale Pilzinfektionen zu verhindern (6, 7). Wir haben herausgefunden, dass viele Patienten, die mit einem Inkontinenzprodukt versorgt sind, oft mit den Produkten unzufrieden sind, welche in den offi- ziell anerkannten Standardtests, wie ISO (ein interna- tionaler Standardtest- auch Rothwell- Test genannt) und MDS-HI (ein Test des medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen), mit gut abge- schnitten haben. Die gleichen Patienten bevorzugen häufig Produkte mit weniger guten Testergebnissen, weil diese aus eigener Erfahrung mehr Trockenheit und Komfort bie- ten. Aufgrund des schlechteren Abschneidens in den anerkannten Testverfahren, werden die Ausgaben für diese Produkte von den gesetzlichen Krankenkassen teils nicht oder ungenügend erstattet. Aus diesem Grund haben wir die bisher existierenden Methoden näher untersucht. 1. ISO test: Dieser Test berücksichtigt das Flüssig- keitsspeichervermögen der Produkte. In diesem Test- verfahren werden die Inkontinenzhilfsmittel auf ein Gitternetz platziert und für 30 Minuten in physiologi- sche Kochsalzlösung getränkt. Anschließen werden sie für 5 Minuten abtropfen gelassen. Die absorbierte Flüssigkeitsmenge wird berechnet, in dem man das Feucht- von dem Trockengewicht subtrahiert. Je mehr Flüssigkeit ein Produkt aufnehmen kann, umso besser ist das Abschneiden in der anschließenden Bewertung (8). Unter Realbedingungen ist es keinem Produkt möglich die im ISO-Test gemessenen Spitzenwerte (2770- 3330 ml) zu wiederholen, ohne dass es zuvor zu einer Flüssigkeitsabgabe an die Haut oder gar an Kleidung kommt. In der Praxis hat sich wiederholt gezeigt, dass viele Produkte ihre Anwender bereits im Nassen stehen oder sitzen lassen, lange bevor das maximale Auf- nahmevermögen erreicht ist. Trotz guter Testergeb- nisse müssen die Patienten unter der unangenehmen Nässe leiden. 2. MDS-H-I test: Dieser Test zeigt im Vergleich zum ISO- Test eine Neuentwicklung, weil nicht nur die Aufnahmekapazität eines Produktes berücksichtigt wird. Drei verschiedene Parameter werden in diesem Test überprüft: 1. Ein 10x10 cm messendes Quadrat wird aus dem zu untersuchendem Produkt ausgeschnitten. Insge- samt 10 Prüfstücke aus einer Charge. Die Teststücke sollen repräsentativ den gesamten Saugkörper des Produktes abbilden. Anschließend werden die Prüfstücke mit der Saug- seite nach unten in eine Prüfeinrichtung (Drahtkorb) gelegt, mit einer Druckplatte aus Kunststoff abge- deckt und 10 Minuten vollständig in die Prüflösung (0.9% NaCl) getaucht. Schließlich wird das Prüfstück mit einem simulier- ten Körpergewicht (10 kg) für 10 Minuten beauf- schlagt, wodurch überschüssige, nicht gebundene Flüssigkeit abtropft, und anschließend gewogen. kontinenz aktuell Juli/2012

Pages