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kontinenz aktuell - Ausgabe 02-2012

Trotz aller vernünftiger Selbstbestimmung gibt es aus medizinischer Sicht nur wenige Fakten, die eine elek- tive Sectio befürworten. Im Falle von genitalen Ano- malien, deutlichen Beckenveränderungen, ausgepräg- ten Missverhältnissen zwischen mütterlichem Becken und Kind oder vorbestehenden Beckenboden- funktionsstörungen ist eine Schnittentbindung zu favo- risieren. Insbesondere wird immer häufiger nach einem siche- ren Entbindungsmodus bei bereits bestehender Genitalsenkung, Harn- oder Stuhlinkontinenz nachge- fragt. Hier sollte individuell eine Einzelentscheidung getroffen werden, wobei die Sorge der Patientin berücksichtigt werden sollte. In Anbetracht der gene- rell enorm hohen Sectiorate sollte gerade in dieser Gruppe eher kein erneutes vaginales Risiko eingegan- gen werden. Beckenbodentraining in der Schwangerschaft Beckenbodentraining in der Frühschwangerschaft ist ein effektives Mittel zur peripartalen Beckenboden- stärkung. Verschiedene Studien belegen eine Senkung der Harninkontinenz nach Geburt durch ein gezieltes Training unter professioneller Anleitung (13, 14). Einige Arbeiten belegen aber auch die Wichtigkeit eines länger anhaltenden Trainings auch nach Entbindung, da sonst kurzfristige Erfolge im postpar- talem follow-up nicht anhalten (15, 16). Dammmassage unter Geburt Ein weitere Möglichkeit ist die Dammmassage unter der Geburt, die die Rate an intrapartalen Dammver- letzungen und postpartalen Schmerzsyndromen signi- fikant senken kann. Ein aktueller Cochrane-Review von 2009 (17) zum diesem Thema belegt diese positiven Ergebnisse. Neben der Dammmassage ab der 34. SSW in Hock- stellung kann eine Vorbereitung der Scheide durch vorsichtige Aufdehnung ab der 38. SSW mittels Scheidendehner EPI-NO° erfolgen. In einer randomi- sierten Untersuchung konnten hier Ruckhäberle und Mitarbeiter 2009 (18) einen positiven Effekt dieser Methode nachweisen. Weitere mögliche Maßnahmen: • Überprüfung der Möglichkeit zur vaginalen Ent- bindung (Relation Mutter/Kind) • Großzügige Wahl der Schnittentbindung bei be- kannten Beckenbodenproblemen Einzelfallentscheidung nach Aufklärung • Kompetente Geburtsführung durch Hebamme/ Geburtshelfer • Entbindung in physiologischer Stellung (Möglich- keit Wanne, Hocker, etc.) Titelthema 11 • Vermeidung einer verlängerten Austreibungsphase des Kindes • Vermeidung von riskanten vaginal-operativen Ein- griffen, keine Zangenentbindung! • Bei Problemen in Austreibungsperiode oder un- günstigen lokalen Bedingungen groß- zügige Indikation zum Kaiserschnitt • Zurückhaltender Einsatz des Dammschnittes (nur bei dringender Notwendigkeit) • Exakte Versorgung aller geburtsbedingten Verlet- zungen Protektive Maßnahmen im Verlauf nach der Entbindung Die regenerativen Prozesse im Bereich des Becken- bodens nach Geburt können durch gezielte physio- therapeutische Maßnahmen effektiv unterstützt wer- den. Eine alleinige Rückbildungsgymnastik ist hier nicht ausreichend. Das Beckenbodentraining sollte stets professionell durch Physiotherapeuten begleitet werden und kann ca. 6 bis 8 Wochen nach Entbin- dung starten. Entscheidend ist hier eine entsprechen- de Compliance der jungen Mütter, da ansonsten diese Maßnahmen nicht adäquat greifen können. Korrespondenzanschrift: Dr. Gert Naumann Leitender Oberarzt Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg- Universität Mainz Langenbeckstraße 1 55101 Mainz E-Mail: gnaumann@uni-mainz.de kontinenz aktuell Juli/2012

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