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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2012

änderungen in der Patientenver - sorgung sowie durch bessere an- gepasste Vorsorge, Diagnostik und Therapie die Qualität anzuheben und einem „Wildwuchs nach Ab- rechnungsziffern in der medizini- schen Versorgung“ entgegen zu wirken. Für den Älteren sind nicht das medizinisch Mögliche sondern die Lebensqualität fördernde Maß- nahmen wichtig. Die Weltgesundheitsorganisation definiert dabei Gesundheit als Zu- stand vollständigen körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens (WHO 1946). In der Medizinsoziologie wird aller- dings Gesundheit schon als ein Zustand optimaler Leistungsfähig- keit eines Individuums, für die wirk- same Erfüllung der Rollen und Aufgaben für die es sozialisier t worden ist, gesehen. In diesem Sinne definiert heute die Medizin- soziologie Gesundheit im Alter fol- gendermaßen: „Gesundheit im Alter kann nicht Abwesenheit jeg- licher Erkrankung und Funktions - störung bedeuten, sonder n Auf- rechterhaltung oder W iederhers- tellung der Lebensqualität“ (Kuhl- mey 2011). Die V orstellung von Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit als bisher vorherrschen- kontinenz aktuell März/20126 Titelthema de Sichtweise in der Bundesre- publik muss also hinter fragt wer- den. Betrachten wir die typischen Krank- heitsdiagnosen im Alter, ergeben sich eine Reihe bisher unbeantwor- teter Fragen. Wo ist die Grenze, welche Krankheitsbilder müssen „ernst“ genommen werden? W ie vermeiden wir andererseits, Men- schen mit einer diagnostizier ten Krankheit, durch die Diagnose zu stigmatisieren? Die große Frage dahinter ist: Gelingt es durch recht- zeitige Prävention, Krankheit vorzu- beugen bzw. die Folgen einer Krankheit für den Alltag zu minimie- ren? Oder produziert man durch die viele Beschäftigung mit mög- lichen Leiden im Alter eine Generation von Menschen, die sich deswegen ständig am Rande von Krankheiten fühlt? (Bayer 2011). Den Fragen von Gesundheitsförde- rung und Prävention kommt hier ohne Zweifel besondere Bedeutung zu. Das bisherige Verständnis, dass Gesundheitsförderung häufig noch als Krankheitsprävention verstan- den wird, muss überdacht werden. Diese pathogenetische Grundzen- trierung auf die Erkrankungs ur- sachen führt zur Betonung der Risikofaktoren und Risikogruppen. Für den älteren Menschen bedeu- tet aber Gesundheitsförderung er- heblich mehr. Mit der Gesundheits- förderung werden allgemein die Verbesserung der biopsychosozia- len Lebenbedingungen und die Förderung von gesundheitsrelevan- ten Maßnahmen angestrebt. Be - stehende Reserven müssen ausge- baut werden, verlorengegangene Fähigkeiten sollten wiedergewon- nen oder psychosoziale Benach - teiligung durch körperliche Ein - schränkungen verhindert werden. Gesundheitsförderung muss dabei ein übergeordneter Begriff sein, der es erlaubt, sie gleichzeitig bei einer Person in den verschiedenen Stadien der Prävention (primäre, sekundäre, tertiäre nach dem Gut- achten des Sachverständigenrates für die konzertierte Aktion im Ge- sundheitswesen 2001) und/oder der Rehabiliation anzuwenden. Dabei ist das Ziel einer Gesund - heitsförderung allen älter werden- den Menschen ein höheres Maß nach Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesund- heit zu befähigen. Um umfassen- des körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlan- gen, ist es notwendig, dass sowohl Foto:Rido/Fotolia