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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2012

kontinenz aktuell März/201234 MK Österreich Blasenfunktionsstörungen im Alter (Teil 2) Diagnostik Im höherem Alter wird man nicht mehr das gesamte diagnostische Armentarium einsetzen. Die Basis- diagnostik erfolgt mit genauer Anamnese, besonders in Richtung Komorbiditäten, Medikation und mentalem Status, Genitalinspektion mit Stresstest, Harnuntersuchung, Restharnausschluss und einem Miktionsprotokoll. Therapie der sekundären ÜAB, der Belastungs- und Überlaufinkontinenz Nach Erkennung der im V order- grund stehenden Blasenfunktions- störung wird man als erstes versu- chen, behandelbare Ursachen an- zugehen. Oft kann schon mit ei - nem Medikamentenmanagement, geändertem Trinkregime oder auch Verbesserung der cardialen Funktion bei nächtlicher Polyurie eine Verbesserung erzielt werden. Ein richtiges Beckenbodentraining unter Palpationskontrolle hilft bei Belastungs- und Dranginkontinenz auch im hohen Alter. Eine operati- ve Behebung einer subvesikalen Obstruktion bei Überlaufinkonti- nenz mit z.B. Laserablation der Pros- tata oder eine minimal in vasive Bandoperation bei Be lastungsin- kontinenz sind auch in hohem Alter zumutbar. Limitierend ist leider oft der mentale Zustand der Patienten. Therapie der idiopathischen ÜAB Das häufigste Symptom in diesem Alter ist die überaktive Blase mit der Dranginkontinenz als schwer- ste Form. Eine Heilung bei der idio- pathischen ÜAB ist schwer zu errei- chen. Das Ziel muss sein, die Symptome zu lindern und so die Lebensqualität der Betroffenen wie- der auf ein möglichst hohes Ni - veau zu bringen. 1.) Verhaltenstherapie Die guten Ergebnisse für das Placebo im Vergleich mit der anti- cholinergen medikamentösen The- rapie sind sicher auf die Zuwen - dung zum Patienten zurückzufüh- ren. Diese Zuwendung ist ein Teil der Verhaltenstherapie. Diese setzt sich aus dem protokollgesteuerten Trinkregime, der W ahrnehmung der Blasenfüllung und vor allem dem gezielten Kneifübungen mit dem Ziel eines Abklingens des Harndranges zusammen. Leider können in diesem Alter etwa 3/4 der Betroffenen den Beckenboden nicht aktiv zusammmenziehen, das kann nur unter vaginaler Palpation und richtiger Atmung langsam er- lernt werden. Unter diesen Be - dingungen verbessert sich dann sowohl die Belastungs- als auch die Dranginkontinenz. Wichtig ist das Aufbauen eines Vertrauens in diese Unterdrückungsstrategie. Fallweise wird auch eine Miktion nach der Uhr eingesetzt. Mit die- sen Methoden können insgesamt Erfolgsraten um 55 % erzielt wer- den, jedoch ist ein großer Einsatz an sehr gut geschultem Personal notwendig. 2.) Anticholinergica Atropin, das Gift der Tollkirsche, ist die Ursprungssubstanz der Anti - cholinergica. Aufgrund seiner Affinität zu den postsynaptischen Bindungsstellen konkurriert jeder anticholinerge Wirkstoff konzentra- tionsabhängig mit Acetylcholin. Dies geschieht in erwünschter Wei- se an der Blase, aber auch an den anderen oben aufgezählten Or - ganen. Das ergibt eine Reihe von möglichen Nebenwirkungen, de- ren wichtigste die Mund- und Augentrockenheit, Tachykardien, die Obstipation sowie auch eine in letzter Zeit immer mehr in den Mittelpunkt gerückte Beeinträch - tigung der kognitiven Fähigkeiten, gemessen an einer V erschlechte- Tab. 1: Anticholinerge Medikamente - Trospiumchlorid 15–20 mg (Spasmolyt, Inkontan, Spasmex), 1–3x tgl. unzerkaut vor dem Essen - Trospiumchlorid retard 60 mg (Urivesc), 1x tgl. unzerkaut vor dem Essen - Oxybutenin IR 5 mg, 2–3x tgl. unabhängig vom Essen einzunehmen - Oxybutenin retard 10 mg (Cystrin ret., nicht in Österreich erhältlich), 1x1 tgl. nüchtern - Oxybutenin transdermal TDS 3,9 mg (Kentera), alle 3–4 Tage Pflaster kleben - Tolderodine 2 mg (Detrusitol), 2–3x tgl. unabhängig vom Essen einzunehmen - Tolderodine retard 4 mg (Detrusitol ret., in Österreich nicht erstattet), 1x tgl. unabhängig vom Essen einzunehmen - Fesoterodine 4–8mg (Toviaz, in Österreich nicht erstattet), 1x tgl. unabhängig vom Essen einzunehmen - Solifenacin 5–10mg (Vesicare, Vesicure), 1x tgl. unabhängig vom Essen - Darifenacin 7,5 mg (Emselex ret., nicht in Österreich erhältlich), 1–2 x 1 - Propiverin 5 (Mictonetten, Mictionorm, in Österreich nicht erhältlich), Kinder 2x5mg, Erwachsene 2-3 x 15mg unabhängig vom Essen - Propiverin 30 mg (Mictionorm, Uno, in Österreich nicht erhältlich), 1x1 unabhängig vom Essen Tab. 2: Kontraindikationen anticholinerger Therapie Absolute Kontraindikationen: Relative Kontraindikationen: - Retention - Leberfunktionsstörungen (Metabolisierung) - Engwinkelglaukom - Nierenfunktionsstörungen (Ausscheidung) - Myasthenia gravis - Obstruktive Blasen- und Darmentleerungsstörungen - Colitis ulcerosa - Toxisches Megacolon - Tachykarde Herzrhythmusstörungen