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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2012

Gesellschaft aktuell kontinenz aktuell März/201228 Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Beckenbodenschwäche Den Nutzen neuer Behandlungsver fahren bei Sen - kungsbeschwerden des Beckenbodens zeigte Prof. Dr. Ursula Peschers, Gynäkologin an der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen und Mitglied im Ex - pertenrat der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, an - hand von Studien auf. Nach Ausschöpfung aller kon- servativer Behandlungsmöglichkeiten stehe die operati- ve Wiederherstellung des Beckenbodens mit bewähr- ten Techniken zur Verfügung. Neuerdings würden künst- liche Netzimplantate angeboten, deren Nutzen gegen- über den herkömmlichen Verfahren nicht erwiesen ist. Die wenigen randomisierten Studien demonstrierten kei- nen eindeutigen Vorteil von Operationen mit Netzen – insbesondere wenn die Komplikationen betrachtet wür- den. Zur Zeit gebe es keinen Anlass, nicht-absorbierba- re Netze routinemäßig bei Beckenbodendefekten als Verfahren der ersten Wahl einzusetzen. Denn auch die vaginalen Netzsysteme bieten laut Peschers keine hun- dertprozentige Erfolgsrate. Zudem seien sie mit teil- weise erheblichen postoperativen Problemen wie Schmerzen und Beeinträchtigung der Sexualität ver - bunden. Uteruserhaltende Operationen sollten daher bei entsprechender Indikation mit der Patientin disku- tiert werden. Die hintere Scheidenplastik mit Eigen - gewebe/Faszienraffung median ohne Netzeinlage habe eine kumulative Erfolgsrate von 86 Prozent. Auch hier zeigten die wenigen randomisierten Studien kei- nen eindeutigen V orteil gegenüber den Standard - verfahren. Während in der operativen Inkontinenztherapie die spannungsfreien Vaginalschlingen als Verfahren der ersten Wahl etabliert seien, hätten in der Deszensus- chirurgie bewährte Operationstechniken einen unver- mindert hohen Stellenwert, insbesondere in der Pri - märbehandlung. Letztere hätten besonders durch den Verzicht auf direkte Muskelplastiken und nerven-/ge- fäßschonende Präparationstechniken ihre Modifika - tionen erfahren, wodurch auch die funktionellen Er - gebnisse verbessert werden könnten. „Neuere Ope - rationstechniken zur Korrektur eines Deszensus, vagi- nale Netzinterpositionen, sind innovativ und füllen bis- herige therapeutische Lücken“, sagte Peschers. Dies sei besonders bei Rezidiven im Bereich des vorderen und hinteren Kompartimentes der Fall. Die minimale In - vasivität solle jedoch nicht zu minimaler Diagnostik und leichtfertiger Indikationsstellung verleiten, auch diese Techniken müssten erlernt und geübt werden, betonte die Gynäkologin. Inwieweit die neuen Gewebe - ersatztechniken dauerhafte Erfolge mit sich brächten, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Datenlage zeige, dass Rezidive und Komplikationen nicht ausbleiben, aber korrigierbar seien. Schrittmacher ermöglichen bessere Therapie-Ergebnisse Das Krankheitsbild Inkontinenz ist viel zu komplex, um nur eingleisig von einer medizinischen Fachdisziplin behandelt zu werden. Darauf wies Prof. Dr . Ernst Eypasch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirur- gischen Klinik am Heilig Geist-Krankenhaus Köln, hin. Der Jahreskongress der Deutschen Kontinenz Gesell- schaft fördere die erforderliche Interdisziplinarität der medizinischen und pflegerischen Berufsgruppen und ermögliche den intensiven Informationsaustausch zum Vorteil des Patienten. Aus diesem Grund habe er gerne die Tagungspräsidentschaft der Veranstaltung übernom- men. Eypasch machte deutlich, dass die Zeit der therapeuti- schen Alleingänge einzelner operativer Fachdisziplinen bei unwillkürlichem Verlust von Urin oder Stuhl vorbei ist, zumal wenn solche Beschwerden von Senkungs - problemen des Beckenbodens überlager t sind. Die unbefriedigenden Ergebnisse von Hebungsoperationen oder auch aufwändigen Rekonstruktionen an Blasen- oder Darmschließmuskel hätten dazu geführt, dass in den letzten 15 Jahren durch die Einführung ver träg- licher Kunststoffnetze und elektronischer Schrittmacher- systeme die Behandlungsergebnisse deutlich verbessert worden seien: „Biokompatible verbleibende Kunststoff- netze, die durch eine Bauchoperation oder einen Eingriff vom Damm her in Schlüssellochtechnik einge- bracht werden, sind heute geeignet, krankhafte Ab - senkungen von Enddarm, Scheide und Blase zu behe- ben“, sagte der Chirurg. „Dauerhaft implantierte Schritt- machersysteme mit winzigen Stimulationselektroden an Blase oder Enddarm vermögen sowohl die Schließ - muskelfunktion als auch die koordinierte Entleerung ent- scheidend zu verbessern.“ Voraussetzung hierfür sei allerdings eine sehr differenzierte Diagnostik und ein informierter, mündiger und gut kooperierender Patient. Erfolgreiche Operationen der Stuhl- oder Har nin- kontinenz führten dann auch zu einer messbaren und für den Patienten angenehmen V erbesserung oder Wiederherstellung der Lebensqualität. Stephan Lücke Wo steht die pflegerische Kontinenzförderung im Ausland? Darum ging es im „International Continence Care“-Workshop (v.l.): Ewa Kölby-Falck (CPC), Angela Billington, Prof. Mandy Fader, Christa Thiel, Hofr. Prof. Dr. Helmut Madersbacher, Prof. Anne G. Vinsnes, Nicole Huige (SCA Hygiene Products Schweden)