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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2012

Titelthema kontinenz aktuell März/2012 19 Die neurologische Einstufung in die EDS-Scale wies einen mittleren Wert von 4,52 ± 2,26 aus. Bei 49 Patienten lag eine (eingeschränkte) Gehfähigkeit (EDSS ≤ 5,5), bei 30 Patienten eine Abhängigkeit von Gehhilfen (EDSS 6 – 6,5) und bei weiteren 14 eine Rollstuhlpflicht (EDSS 7 – 8) vor. 61 Patienten berichteten anamne- stisch über eine Harninkontinenz, die bei 78,7 % der inkontinenten Patienten einen regelmäßigen Vor- lagenverbrauch notwendig machte (11 Patienten 1 Vorlage/die, 13 2/die, 9 3/die, 6 4/die, 7 > 4/ die). Die mittlere Miktionsfrequenz in 24 Stunden gemittelt über die 3 erfassten Tage des Miktionspro - tokolls lag bei 9,3 ± 4 Miktionen. Die Miktionsfrequenz am T ag wurde bei 33 Patienten mit 7 – 8 Miktionen per Miktionsprotokoll bestimmt, bei 30 Patienten lag sie bei 9 – 10 Miktionen und bei wei- teren 13 bei 11 – 12, bei 11 Pa- tienten sogar bei mehr als 12 Miktionen pro Tag. Entsprechend gaben 38 Patienten eine einmali- ge, 21 eine zweimalige, 17 eine dreimalige, 6 eine vier malige, 4 eine fünfmalige und ein Patient eine mehr als fünfmalige Nykturie an. Der Mittelwer t der sonogra- phisch und im Rahmen der Uro - dynamik gemessenen Resthar n- werte lag bei 69,1 bzw. 70,3 ml (0 – 500). Die urodynamische Untersuchung zeigte folgende V erteilung der Diagnosen (Abb. 2). Ein Trend hinsichtlich der Abhän- gigkeit der urodynamischen Diag- nose vom Alter der Patienten ließ sich nicht ableiten (Abb. 3). Die Beziehung zwischen dem Typ der urodynamischen Diagnose mit dem Grad der Behinderung zeigte einen Trend hinsichtlich der Pa - tienten mit einer OAB mit unge- hemmten Detrusorkontraktionen. Diese wiesen einen mit Patienten mit urodynamischem Nor malbe- fund vergleichbaren EDSS-W ert auf. Alle anderen Typen der Bla- senfunktionsstörung zeigten einen höheren EDSS-Wert und damit einen stärkeren Grad der Beein - trächtigung (Abb. 4). Die Berechnung eines Regressions- modelles zeigte in absteigender Reihenfolge die höchste W ahr- scheinlichkeit, einen pathologi- schen Befund in der Urodynamik aufzudecken, bei einem EDS-Score von mehr als 6,5 (Rollstuhlabhän- gigkeit) gefolgt von dem Ge - brauch von mehr als einer Inkon- tinenzeinlage am T ag und der Diagnose einer MS nicht vom schubförmigen Typ. Alle weiteren Parameter blieben unterhalb des Signifikanzniveaus (s. Abb. 5). Im Einzelnen zeigte die Rollstuhlab - hängigkeit der Patienten gemessen mit einem EDS-Score von ≥ 6,5 die höchste Vorhersagewahrschein- lichkeit, einen pathologischen Befund in der Urodynamik zu erhe- ben: alle 14 untersuchten rollstuhl- abhängigen Patienten wiesen eine pathologische Urodynamik auf. Bei nicht rollstuhlabhängigen Pa- tienten galt dies bei 20 von 22 Patienten, die mehr als eine Vorlage pro Tag verwenden; bei Patienten ohne Vorlagenverbrauch war ein MS-Typ nicht vom schub- förmigen Verlauf in 17 von 22 Fällen von einem pathologischen Ergebnis der Urodynamik gefolgt (p = 0,0361 rsp. P = 0,0405). Die Sensitivität dieser Regressionsana- lyse beträgt 73,9 %, die Spezifität 68,2 % bei einem positiven prä- diktiven Wert von 87,9 %. Diskussion In der vorliegenden Untersuchung konnte gezeigt werden, dass nach einer systematischen Befragung von MS-Patienten nach LUTS in hohem Maße bei Auftreten von sol- chen Beschwerden wie Pollakisu- rie, Nykturie, imperativem Harn- drang oder Inkontinenz auch funk- tionsurologisch eine urodynamisch verifizierbare Blasenfunktionsstö- rung vorlag: nur bei 22 von 100 Patienten war die Urodynamik nor- mal, alle anderen Patienten wiesen ein buntes Bild aller möglichen Blasenfunktionsstörungen auf. Es ließ sich eine neurogene OAB mit und ohne ungehemmte Detrus - orkontraktionen, eine neurogene Blasenlähmung oder eine funktio- nelle Obstruktion im Sinne einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie nach- weisen. Nicht selten war es selbst für den er fahrenen Untersucher nicht möglich, die Urodynamik einem Störungstyp eindeutig zuzu- ordnen. Dabei waren trotz einer eher milden Symptomatik teilweise dramatische und potentiell gefähr- dende Befunde zu erheben: De - trusordrücke bis 53 cm H2O und eine maximale Resthar nbildung von 500 ml waren erstmals in un- serem setting am Ende der „Kar - riere“ der MS-Patienten in einer Rehabilitationsklinik nach Ab - schluss der eigentlichen Diagnostik aufgefallen. Dies weist auf Lücken in der Betreuung von MS-Patienten in den die Primärdiagnostik durch- führenden Institutionen hin. In der Betrachtung der MS-Pa - tienten mit dem Befund einer OAB mit ungehemmten Detrusorkon - traktionen wiesen diese Patienten einen Grad der Behinderung auf, der den Patienten mit einem urody- namischen Normalbefund ver- gleichbar war. Alle anderen uro- dynamischen Diagnosen inkl. der Detrusoratonie und -hypotonie waren mit einer stärkeren Beein - trächtigung verknüpft, ein Befund, der in der Literatur bereits be - schrieben wurde (22). Die logistische Regressionsanalyse zeigte für einen EDS-Score von ≥ 6,5, einen regelmäßigen V orla- genverbrauch von mehr als einer Vorlage oder einem MS-Typ nicht vom relapsing remitting type ein statistisch signifikantes Risiko eines pathologischen Ergebnisses der urodynamischen Messung. Diese Patientensubgruppen müssen dem- nach als Risikogruppen bzw . – Patienten verstanden werden. Dies sollte in den entsprechenden Leit- linien Berücksichtigung finden: