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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2012

14 kontinenz aktuell März/2012 Titelthema Können klinische Daten eine pathologische Urodynamik bei der MS vorhersagen? Dr. med. Andreas Wiedemann Eine prospektive Analyse von 100 Fällen Können klinische Daten eine pathologische Urodynamik bei der MS vorhersagen? Eine prospektive Analyse von 100 Fällen Zusammenfassung Hintergrund: Harntraktbeschwerden stellen ein unterschätztes Problem bei der Multiplen Sklerose (MS) dar. Unklar ist, zu welchem Zeitpunkt der Erkrankung sie auftreten können, ob sie mit dem Ausmaß der Behinderung einhergehen und ob eine Korrelation mit einer bestimmten MS-Form besteht. Patienten und Methode: Alle in einer stationären Rehabilitationsmaßnahme befindlichen MS-Patienten mit Harntrakt- beschwerden erhielten einen Urintest, ein Miktionsprotokoll, eine Restharnsonographie und eine urodynamische Untersuchung nach ICS-Standard. Ergebnisse: Zwischen 10/2009 und 3/2011 wurden 100 Patienten (79 Frauen, 21 Männer, mittleres Alter: 49,4 ± 10,9 Jahre, mittlerer EDSS 4,52 ± 2,26) mit einer primär progessiven MS (9 x), schubförmigen MS (41 x), sekundär progressiven MS (43 x) und einem CIS (1 x) untersucht. Die mittlere MS-Dauer betrug 10,26 ± 10,09 Jahre, die der LUTS 6,9 ± 7,75 Jahre. Die urodynamische Untersuchung zeigte 22 x einen Normalbefund, 7 x einen OAB mit instabilen Detrusorkontraktionen, 21 x eine OAB ohne instabile Detrusorkontraktionen, 26 x eine Detrusor-Sphincter- Dyssynergie, 12 x eine Detrusororhypokontraktilität, 4 x eine Detrusorakontraktlität und einen un-klaren urodynamischen Befund bei 8 Patienten. Pat. mit einer OAB mit ungehemmten Detrusorkontraktionen wiesen einen Pat. mit Normalbefund vergleich- baren Grad der Behinderung auf. Statistisch signifikante Risikofaktoren für eine pathologische Urodynamik waren: Rollstuhlabhängigkeit, Gebrauch von mehr als 1 Vorlage/ die und ein MS-Typ nicht vom schubförmigen Verlaufstyp. Schlussfolgerungen: Die vorliegende urodynamische Untersuchung ergab bei 78 von 100 MS-Patienten mit LUTS eine teilweise schwergradige Harnblasenfunktionsstörung. Die lange Latenz zwischen dem Auftreten der MS bzw. dem Beginn der LUTS und der ersten neuro-urologischen Evaluation deutet auf ein Versorgungsdefizit hin. Über vorhandene Leitlinien hinaus sollten alle MS-Patienten regelmäßig nach LUTS befragt und besonders gemäß dem beschriebenen Risikoprofil urodynamisch untersucht werden. Schlüsselwörter: Neuro-Urologie, Multiple Sclerose, Harntraktbeschwerden, Urodynamik Zusammenfassung I Summary Kontinenz aktuell 1/2012 56: 14–21, © Bibliomed 2012 Dr. med. Andreas Wiedemann