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kontinenz aktuell - Ausgabe 01-2012

kontinenz aktuell März/201212 Titelthema werden. Die in der Literatur be - schriebene intravesikale oder peri- phere Elektrostimulation wird für die meisten älteren Patienten – zumal, wenn eine diabetische Polyneuropathie die Hand-funktio- nalität beeinträchtigt, nicht infrage kommen. Übrig bleiben wird der transurethrale oder suprapubische Dauerkatheter. Vor- und Nachteile beider chronischer Ableitungsfor- men, Indikationen und Kontraindi- kationen sind an anderer Stelle ausführlich diskutiert und bewertet (34). Steht die Drangsymptomatik im Vordergrund, kann therapeutisch erfolgreich durch die Kombination einer Verhaltenstherapie mit einer anticholinergen Therapie interve- niert werden (s. T abelle 1). Eine engmaschige Therapiekontrolle sollte dabei besonders im Hinblick auf die eventuell geschädigte De- trusorfunktion regelmäßige Rest - harnkontrollen beinhalten. Bei der Behandlung der Belastungs- inkontinenz einer diabetischen Frau sollte neben der Möglichkeit der diabetogenen Sphinkterschwä- che in Betracht gezogen werden, dass eine subklinische, bisher uner- kannte Detrusorhypotonie vorlie- gen kann. Operationen zur Be - handlung einer Belastungsinkon - tinenz können den Blasenaus - lasswiderstand erhöhen und bein- halten dann die Gefahr, postope- rativ zu einer Dekompensation der Blasenentleerung zu führen. So soll- ten in dieser Situation alle nicht- operativen Maßnahmen wie Phy- siotherapie, Elektrostimulation und ggf. auch die medikamentöse The- rapie mit dem hierfür zugelassenen Serotonin-Reuptake-Hemmer aus- geschöpft werden. Es gilt auch und besonders für den Diabetiker, dass vor einer operativen Maß nahme eine sorgfältige urodynamische Untersuchung solche Risiken aus- schließen sollte. Schlussfolgerungen Ideal wäre es, wenn bei einem langjährigen Diabetiker routinemä- ßig – wie bei der tur nusmäßigen und allgemein akzeptierten Augen- untersuchung – nicht nur die Symptome des unteren Harntraktes systematisch erfasst, sondern auch Basisuntersuchungen – wie oben angeführt – durchgeführt würden. Weiter sollten zum Lehrplan eines Diabetes-Schulungsprogrammes der Betroffenen nicht nur wie bis- her Themen wie Notfallmanage - ment von Hyper - und Hypogly - kämien, BZ-Messung, Fußpflege und das Erkennen von Diabetes - komplikationen wie Retinopathien, Polyneuropathien oder Gangräne gehören, sondern auch um den Bereich Blasenfunktionsstörungen/ Inkontinenz erweitert werden. Ein erschütterndes Ergebnis der schon zitierten „Wittener Diabetes- erhebung“ ist, dass nicht weniger als 72,1% der befragten T yp-2- Diabetikerinnen und 24,6% der Typ-2-Diabetiker regelmäßig Vor- lagen benutzen (29). Die sich hier abzeichnende, dem Krankheitsbild nicht angepasste Selbstversorgung sollte nicht akzeptiert werden, da eine gezielte Diagnostik mit nach- folgender Therapie in vielen Fällen eine positive Beeinflussung der Blasenfunktionsstörung beim Dia- betiker ermöglicht. So darf an dieser Stelle die Hoff- nung ausgedrückt werden, dass alle Betroffenen, Patienten, Haus- ärzte, Diabetologen, Geriater , Gynäkologen und Urologen den Diabetiker als Risikopatienten für Blasenfunktionsstörungen erkennen und ihn systematisch und frühzeitig einer gezielten Diagnostik und Therapie zuführen. A. Wiedemann1, I. Füsgen2 1 Lehrstuhl für Geriatrie der Uni - versität Witten/Herdecke, Urolo- gische Abteilung, Evangelisches Krankenhaus Witten 2 Lehrstuhl für Geriatrie der Uni - versität Witten/Herdecke Korrespondenzanschrift: Dr. Andreas Wiedemann Urologische Abteilung Evangelisches Krankenhaus im Diakoniewerk Ruhr Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten Pferdebachstr. 27-43 58455 Witten E-Mail: awiedemann@diakonie-ruhr.de